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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 20:23 Uhr

Engagiert : Einsatz für die Karriere im Handwerk

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nominiert für den Deutschen Engagementpreis: Fassihollah Rohparwar unterstützt Auszubildende.

von
erstellt am 12.Sep.2014 | 17:00 Uhr

Bewerben kann man sich nicht. Für den Deutschen Engagementpreis muss man vorgeschlagen werden. So wie Fassihollah Rohparwar aus dem Café Köngsberg. Der 24-Jährige, Sohn afghanischer Eltern, ist studierter Betriebswirt und absolvierte parallel dazu eine Ausbildung zum Fachverkäufer, Schwerpunkt Bäckerei, sowie eine weitere zum Konditor – für diese deutschlandweit einmalige Leistung bekam er ein Stipendium der Deutschlandstiftung Integration. Beim Engagementpreis ist er für seinen Einsatz in der Ausbildung junger Menschen im Rennen.


Herr Rohparwar, wie kam es zur Nominierung?
Nachdem ich von der Handwerkskammer die Auszeichnung „Vorbild für Karriere und Ausbildung im Handwerk“ bekommen habe, habe ich sehr intensiv mit der Migrationsabteilung der Handwerkskammer Hamburg zusammengearbeitet. Ich ging mit ihnen auf Messen und in Schulen und habe mit ihnen Projekte vorbereitet, wo es hauptsächlich um die Beratung von Personen mit Migrationshintergrund geht, die eine Ausbildungsstelle suchen oder später studieren möchten. Dafür habe ich mich intensiv eingesetzt, darauf wurde die Deutschlandstiftung Integration aufmerksam und hat mich nominiert.

Wie begleiten Sie die Auszubildenden?
Ich bin ehrenamtlicher Mitarbeiter. Jeder Auszubildende, der Fragen hat, kann mich jederzeit anrufen. Ich gehe regelmäßig in Schulen, so bin ich in der Berufsorientierungswoche auch im Regionalen Berufsbildungszentrum hier in Itzehoe. In Hamburg bin ich an drei Schulen, wo ich regelmäßig hingehe und die Schüler berate zu Fragen der Ausbildung im Handwerk und wie man da am besten Karriere machen kann.

Also allgemein im Handwerk, nicht auf den Bäckerzweig beschränkt?
Allgemein im Handwerk. Viele wissen ja gar nicht, dass man im Handwerk sehr erfolgreich Karriere machen kann. Viele denken immer, Handwerk, da geht man hin, wenn man seinen Hauptschul- oder Realschulabschluss gemacht hat. Aber mittlerweile kann man auch studieren, sich selbstständig machen, alles Mögliche. Selbst ohne Abschluss kann man durch das Handwerk später studieren. Das wissen die meisten nicht, darauf mache ich aufmerksam.

Die Zielgruppe sind Jugendliche?
Jugendliche allgemein, aber im Schwerpunkt mit Migrationshintergrund.

Wie ist die Resonanz?
Sehr gut. Die Nobi-Abteilung in Hamburg, die bei der Handwerkskammer für die Integrationsarbeit zuständig ist, ist sehr erfolgreich. Hamburg ist das einzige Bundesland, in dem die Ausbildung im Handwerk von Personen mit Migrationshintergrund immer gestiegen ist. Das ist teilweise der Arbeit der Abteilung zu verdanken.

Ist diese Arbeit für Sie zeitlich begrenzt?
Nein, ich werde es mein Leben lang machen, das habe ich mir fest vorgenommen. Wir haben noch ein paar Projekte, zum Beispiel eine Ehrenamtsmesse. Da können sich zum Beispiel Meister informieren, wie sie sich als Migrant im Handwerk mehr engagieren können, um mehr Personen mit Migrationshintergrund für das Handwerk begeistern zu können.

Kam die Nominierung überraschend?
Auf jeden Fall, ich habe damit gar nicht gerechnet. Es hat mich natürlich sehr gefreut, und es ist eine Bestätigung, dass das, was wir machen, von der Gesellschaft angenommen wird, wichtig ist und gebraucht wird.

Der Schwerpunkt liegt in Hamburg...
Wir wollen überregional arbeiten. Die Handwerkskammern arbeiten leider aber nicht wirklich überregional zusammen, weil sie Angst haben, dass die Auszubildenden abwandern.

Auch diese Region könnte es sicher gebrauchen.
Auf jeden Fall, gerade weil das Handwerk Probleme mit Auszubildenden hat. Hier gibt es ja auch viele Migranten. Ich habe es angesprochen, bisher kam leider nichts.

Aber die nächste Auszeichnung ist womöglich in Sicht?
Die Deutschlandstiftung Integration verleiht jedes Jahr die Goldene Viktoria an Personen des öffentlichen Lebens, die sehr viel Integrationsarbeit geleistet haben. Zusätzlich gibt es jetzt für Personen außerhalb des öffentlichen Lebens den Preis Integrationsprojekt des Jahres. Dieses Jahr liegt der Schwerpunkt auf dem Thema berufliche Ausbildung. Die Stiftung hat mich angeschrieben mit der Bitte, dort mitzumachen. Deswegen wurde ich jetzt auch für diesen Preis nominiert, der im Oktober vergeben wird.

Es könnte also ein interessanter Herbst für Sie werden.
(lacht) Ja. Aber allein die Nominierung ist ja schon gut.

Informationen zum Preis:

Hinter dem Deutschen Engagementpreis steht das Bündnis für Gemeinnützigkeit, ein  Zusammenschluss von großen Dachverbänden wie der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, dem Deutschen Olympischen Sportbund oder dem Deutschen Bundesjugendring,  unabhängigen Organisationen sowie Experten. Der Preis wird in sechs Kategorien vergeben: Einzelperson, Gemeinnütziger Dritter Sektor, Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Publikumspreis und als Schwerpunkt in diesem Jahr Miteinander der Generationen. Die Jury entscheidet im Dezember, die Online-Abstimmung über den Publikumspreis – als Einziger ist er dotiert mit 10000 Euro – läuft im Oktober. Am 5. Dezember werden die Preise in Berlin verliehen.


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