Interview : „Einsatz für die Jugend lohnt sich“

Gibt sein Amt in andere Hände: Peter Krey.
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Gibt sein Amt in andere Hände: Peter Krey.

Beidenfleths Bürgermeister Peter Krey über die Zukunft seiner Gemeinde und über die umstrittene Windkraftentscheidung.

shz.de von
15. Januar 2018, 05:00 Uhr

Er ist einer der dienstältesten Bürgermeister im Kreis, mit der Kommunalwahl will er sich verabschieden: Nach 24 Jahren zieht Peter Krey im Gespräch mit unserer Zeitung jetzt eine kleine Bilanz.

Herr Krey, die Legislaturperiode ist fast zu Ende. Was haben Sie und Ihre Gemeindevertretung in den vergangenen fast fünf Jahren erreicht?

Krey: Mit Breitband haben wir viel für die Zukunft der Gemeinde getan. Da haben sich auch alle Gemeindevertreter ordentlich eingesetzt. So haben wir eine Anschlussquote von 70 Prozent erreicht. Junge Leute im Dorf sagen mir schon, jetzt könnten sie endlich auch einmal von zu Hause aus arbeiten. Und dann haben wir gemeinsam mit der Nachbargemeinde noch das Klärwerk auf den Weg gebracht.


Was waren denn die besonderen Herausforderungen?

Die Anfänge bei der Breitbandversorgung. Das hat ein dreiviertel Jahr gedauert, bis sich die beteiligten Firmen und die Stadtwerke gefunden hatten. Dann hat aber alles prima geklappt. Die Außenbereiche Neumühlen und Groß Kampen kommen 2018/19 noch dran. Dann haben wir die ganze Gemeinde erschlossen.

Auf welche Entscheidungen aus den vergangenen Jahren sind Sie besonders stolz?
Persönlich vor allem, dass wir den Markttreff erhalten konnten. Das sichert unsere Grundversorgung und wird auch sehr gut angenommen.

Bestimmt hat auch nicht immer alles so geklappt, wie Sie sich das vorgestellt haben. Fällt Ihnen dazu auch ein Beispiel ein?

Spontan fällt mir dazu natürlich das Thema Windkraft ein mit dem Bau von sechs Anlagen. Das war sehr viel Arbeit und hat auch viel Stress und Unruhe in die Gemeinde gebracht.

Gibt es etwas, was Sie aus heutiger Sicht vielleicht anders machen würden?
Genau diesen Punkt. Da würde ich heute alles überdenken und Einiges wesentlich anders machen. Heute würde ich für einen Bürgerwindpark stimmen und mich für die Gründung einer Stiftung einsetzen, von der alle in der Gemeinde etwas haben. Zwischenmenschlich ist bei dem Thema viel kaputt gemacht worden. Und ganz ehrlich: Das alles hat mich sehr mitgenommen. Mittlerweile läuft es ja alles sehr ruhig. Damals hatte übrigens die gesamte Gemeindevertretung dem Windpark so zugestimmt.

Stellen Sie sich vor, Sie bekämen einen Anruf von einer Familie aus dem Hamburger Umland, die auf der Suche nach Wohnraum ist. Nennen Sie spontan drei Gründe, warum ausgerechnet Ihre Gemeinde ein besonders attraktiver Wohnort ist.
Beidenfleth ist eine Gemeinde, die für die Zukunft erschlossen ist. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Die Grundversorgung ist hier gewährleistet. Und: Es gibt einen Kindergarten, den die Kinder noch zu Fuß erreichen können. Schließlich haben wir ja auch ein sehr reges Vereinsleben, das jeden Neubürger, der es wünscht, sehr schnell einbindet.

Wo sehen Sie für die nächste Legislaturperiode die größten Herausforderungen für Ihre Gemeinde?
In der Weiterentwicklung unseres Dorfentwicklungskonzepts. Da muss noch sehr viel Geld in die Hand genommen werden. Für ein neues Feuerwehrgerätehaus, für seniorengerechtes Wohnen und für ein Dorfgemeinschaftszentrum.

Wenn Sie für das neue Jahr für Ihre Gemeinde einen Wunsch frei hätten: Was wäre das?
Dass die Bevölkerung sich mehr an unseren Veranstaltungsangeboten beteiligt und diese auch annimmt. Wir haben 870 Einwohner. Zu unseren Veranstaltungen kommen davon vielleicht 20 Prozent. Wir haben sieben sehr rege Vereine, die auch sehr gut zusammenarbeiten.

Alle paar Jahre taucht ja die Diskussion um eine Kommunalreform auf. Glauben Sie, dass Ihre Gemeinde auch in 10 oder 20 Jahren noch eigenständig ist? Und wo lägen da die Vorteile bzw. die Nachteile?
Da glaube ich ganz fest dran. Wir haben ein Konzept für die Zukunft der Gemeinde. Vor allem haben wir aber auch junge Leute, die mitmachen und sich einbringen wollen. Das baut auch mich auf. Jugendarbeit war mir immer sehr wichtig. Der Einsatz lohnt sich auch. Man kriegt immer was zurück. Ansonsten war es immer mein Ziel, nur das Geld auszugeben, dass man auch in der Kasse. hat. Ich kann die Gemeinde mit einem satten Plus übergeben.

Und Ihre persönliche Zukunft? Sie haben ja schon erklärt, dass Sie nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters antreten.
(Hier antwortet zunächst ganz spontan Ehefrau Maren, die sich stark in der Kirchengemeinde engagiert: „Er wird dann mein Angestellter.“)

Peter Krey: Ich habe ja noch meinen Ringreiterverein. Vielleicht frage ich auch bei der Tafel nach, ob sie noch Hilfe gebrauchen können.

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