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BÜRGERENTSCHEID : Einsatz für barrierefreies Kreishaus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Agenda 21-Gruppe gegen Fassadenerhalt: Benachteiligung von Senioren und Menschen mit Behinderung befürchtet

Soll die historische Fassade des Kreishauses erhalten bleiben – oder einem modernen Neubau weichen? Am 6. Juli können die Einwohner des Kreises Steinburg im Bürgerentscheid über diese Frage abstimmen (wir berichteten). Für Beunruhigung sorgt dieses Thema bei der Agenda 21-Gruppe, die sich seit rund 15 Jahren für ein senioren- und behindertengerechtes Itzehoe einsetzt. Denn für sie steht fest: Für Senioren und Menschen mit Behinderung hätte der Fassadenerhalt fatale Folgen.

„Wenn die Fassade erhalten bleibt, kann Barrierefreiheit nicht gewährleistet werden“, sagt Kirstin Hansen. Denn es handele sich um drei einzelne Gebäude aus verschiedenen Baujahren und mit unterschiedlichen Höhenniveaus. „Die kann man niemals barrierefrei umbauen.“ Nachfragen beim Kreis hätten dies bestätigt. Wenn die Fassade erhalten werden müsse, würde dies bedeuten, dass Fenster nicht versetzt und somit auch die Etagen dahinter nicht auf eine einheitliche Ebene gebracht werden können. Trotz Rampen und Aufzügen könnten sich beispielsweise Menschen im Rollstuhl dann nicht frei bewegen, meint Hansen.

„Wir möchten, dass die komplette Barrierefreiheit gewährleistet wird“, sagt Kirstin Hansen. „Alles sollte frei zugänglich sein.“ Das sei nicht nur für die Besucher des Hauses zeitgemäß, auch Rollstuhlarbeitsplätze könnten nur unter diesen Voraussetzungen geschaffen werden. „Verwaltung ist prädestiniert für Rollstuhlarbeitsplätze“, unterstreicht Hansen.

„Derzeit sind die Räume so klein, dass man zum Teil mit Rollstühlen, aber auch mit einem Kinderwagen nicht hineinkommt“, bemängelt Petra Kreie. Teile des Gebäudes, beispielweise das Sozialamt und das Veterinäramt, seien mit dem Rollstuhl aktuell gar nicht zu erreichen.

Doch auch aus einem anderen Grund sorgt sich die Agenda-Gruppe um den Ausgang des Bürgerentscheids. Wenn sich die Mehrheit der Bürger für den Erhalt der Fassaden des Bahnhofshotels und des Bollhardtschen Gebäudes in der Viktoriastraße ausspricht, scheint ein Neubau des Verwaltungsgebäudes an anderer Stelle wahrscheinlicher als eine grundlegende Sanierung der historischen Häuser. Ein Gutachten hat bereits ergeben, dass ein Neubau wirtschaftlicher ist. Doch ein Standort außerhalb der Itzehoer Innenstadt wäre für Senioren oder Menschen mit Behinderung schlechter erreichbar. „Und der Kreis Steinburg ist groß“, sagt Kreie. Besorgt blickt sie dabei auf den Kreis Pinneberg, wo das Kreishaus nicht mehr in der Kreisstadt, sondern in Elmshorn angesiedelt ist.

Selbst wenn die Verwaltung nur auf das Alsengelände umzöge, bedeute dies einen erheblichen Mehraufwand für die Betroffenen, sind sich die Aktiven der Gruppe einig. „Gerade Menschen mit Behinderung sind auf Hilfe angewiesen und brauchen kurze Wege und Erreichbarkeit“, betont Kirstin Hansen. Gleiches gelte für Senioren. Am aktuellen Standort des Kreishauses direkt beim Bahnhof, in der Nähe zum ZOB und zur Innenstadt, sei dies gegeben.

In der Vergangenheit hat die Agenda 21-Gruppe unter anderem Aufzüge am Bahnhof oder das Programm „Barrierearme Stadt“ mit initiiert. „Die Politiker und Itzehoe sind auf einem guten Weg zu einer barrierearmen Stadt“, so Kreie. „Ein dazu passendes Kreishaus wäre richtig.“

Die Zeiten hätten sich geändert, sagt Kirstin Hansen mit Blick auf die Entstehungsjahre der Häuser in der Viktoriastraße: „Wir haben nicht mehr 1890, wir haben 2014. Wir möchten, dass auch Menschen mit Behinderung die Möglichkeit haben, das Kreishaus aufzusuchen. Das kann und darf nicht an einer Fassade scheitern!“


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