Wilster : Einmal Schallplatte und zurück

Alle zwei bis vier Wochen ist Disco im Winterhalbjahr im Colosseum, zuweilen sehr stimmungsvoll.
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Alle zwei bis vier Wochen ist Disco im Winterhalbjahr im Colosseum, zuweilen sehr stimmungsvoll.

Colosseums-Betreiber Mario Mehrens erklärt, warum die Wilstermarsch eine Disco-Hochburg ist und was sich mit den Jahren verändert hat.

shz.de von
02. März 2018, 05:00 Uhr

Laute, angesagte Musik, buntes Licht, coole Sprüche und dazu ein paar Drinks – alle zwei bis vier Wochen herrscht im Veranstaltungssaal Colosseum in Wilster Hochbetrieb bei den Discos. Mario Mehrens (35), Geschäftsführer vom „Colo“, erklärt, woran es liegt, dass Hunderte jugendlicher Menschen bei ihm die Nacht zum Tag machen. Der gelernte Landwirt hat seit seiner Jugend angefangen, sich auch mit Veranstaltungstechnik zu beschäftigen und bringt diese nun in die Discos mit ein, die er als Geschäftsführer federführend organisiert. Er ist verheiratet und hat drei Kinder (2 und 6 Jahre).

Was hat sich bei den Discos in den vergangenen Jahren verändert?
Mario Mehrens: Die haben sich eigentlich gar nicht groß verändert. Bei unseren Veranstaltungen trifft man sich, feiert und tanzt zusammen und trinkt etwas dazu. Das war früher schon so, ist heute so und wird auch in den nächsten Jahren so bleiben.

Ist das Publikum jünger oder älter geworden?
Wenn es immer jünger werden würde, wie manche vermuten, wäre das komisch. Dann würden sie ja irgendwann im Strampler hier rumlaufen. Ich glaube, dass diejenigen, die sich diese Frage stellen, älter werden und ihnen deshalb das Publikum immer jünger vorkommt. Unsere Besucher sind meist 16 bis 25 Jahren alt.

Wo kommen die Leute denn alle her? Welche Einzugsgebiete haben die Veranstaltungen?
Sie kommen im weitesten Sinne aus dem ganzen Kreis Steinburg, aber es gibt schon ein paar Schwerpunkte. Das ist überwiegend die Wilstermarsch. Aber auch Bereiche aus der Geest wie die Regionen um Itzehoe sind stark vertreten, außerdem die Bereiche um Glückstadt, aber auch Vaale und Schenefeld.

Wann kommen die Leute heute und wann kamen sie früher?
Früher gab es einen ziemlichen zeitlichen Unterschied zu heute. Heute kommen sie zwischen 22.30 und 0 Uhr und bleiben bis fünf Uhr. Das hat sich in den letzten 10 bis 15 Jahren so entwickelt. In den 70er Jahren war das deutlich früher. Bei meinem Vater war der Saal damals um 20 Uhr voll, aber um 2 Uhr war die Musik auch schon aus. Da haben sie aber auch vier Mal in der Woche Musik gemacht. Heute machen wir das noch ein- bis zwei Mal im Monat und nur von September bis April. Mehr ist nicht möglich, das würde nicht gut sein für die Besucherzahlen.

Die Wilstermarsch scheint ja eine Art Disco-Hochburg zu sein. Wie erklärt sich das?
Wilster ist die größte Stadt in der Marsch und gut über den Bahnhof zu erreichen. Außerdem ist das Colosseum der größte Saalbetrieb im Kreis und für seine Veranstaltungen Jahrzehnte lang bekannt. Das Disco-Programm im Colosseum ist seit 1998 wieder erfolgreich. Zuvor, in den 80er Jahren bis Mitte der 90er Jahre, waren es die Top 40 Bands.

Wie sieht es denn mit der Musik aus: Was lieben die Besucher von heute? Und was geht gar nicht?
Wir machen Musik nicht nur für eine Szene, sondern bieten ein breites Musikprogramm an. Angesagt sind moderne Musikstile wie Charts, Hardstyle, Goa und Black, weil die die meisten unserer Besucher ansprechen.

Dass etwas gar nicht geht, gibt es aber eigentlich nicht. Mit steigender Stimmung kann man auch mal etwas anderes spielen wie Zeltfest- und Party-Musik oder eine Rockrunde.

Was muss ein Veranstalter beherzigen, damit der Laden brummt?
Wichtig sind eine gute Auswahl von DJs, die sich aufs Publikum einstellen können, ein freundlicher Sicherheitsdienst, der versucht, Gewalt zu vermeiden, faire Preise und günstiger Eintritt, weil wir junges Publikum haben, in dem viele in Ausbildung oder noch Schüler sind. Organisatorische Voraussetzungen wie Technik, Tresenpersonal und Getränke müssen natürlich auch erfüllt sein.
Welche Rolle spielen das Internet, Handys und soziale Netzwerke? Gibt es Rückmeldungen zu den Veranstaltungen?
Das ist tatsächlich so, dass Social Media eine große Rolle spielen. Dagegen kann man sich nicht sperren. Über facebook & Co. erreicht man die jungen Leute durch Einlade-Aktionen. Da gewinnt bei uns nicht nur einer, sondern bis zu 15 an einem Abend.

Von der Schallplatte zum Laptop: Wie haben sich die technischen Voraussetzungen in den vergangenen Jahren verändert?
Genau so … – und wieder zurück zur Schallplatte, könnte man sagen. Die CDs sind ausgestorben auf der Bühne. Heute wird die Musik fast ausschließlich über den Laptop gemacht. Neueste Entwicklung: Über CD oder Speichermedium wird ein Plattenspieler gesteuert, der das Lied vom Laptop über eine digitale Schallplatte abspielt. Das ist fürs Mixen besser und bietet dem DJ ein eigenes Arbeitswerkzeug mit Controller. Das bedeutet eine große Erleichterung für die DJs.

Welche Rolle spielen Technik und Licht für das Gelingen der Veranstaltung?
Die Technik ist wichtig für den guten Sound, der nicht zu laut und nicht zu leise sein darf. Eine entsprechende Lichtanlage muss den neuesten Ansprüchen genügen. Bei Großveranstaltungen wird aufs Licht ganz viel Wert gelegt, da können wir aber nicht mithalten. Wir haben eine eigene Anlage, die gut klingt mit Moving Light- und Videotechnik, denn wir wollen optisch keine Diskothek werden. Der Saalbetrieb-Charakter soll ja nicht verloren gehen.

Wie hat sich das Konzept in Wilster entwickelt? Wie wurden Polizei und Behörden eingebunden?
Wir hatten schon immer einen guten Kontakt zu Behörden und Polizei. Nach viel Stress vor etwa zehn Jahren ist es nun wieder friedlich geworden. Wenn Probleme auftauchen, dann werden die angesprochen, und wir versuchen, sie gemeinsam zu beseitigen.

Wie entwickelt sich eure Disco in den nächsten Jahren weiter?
Wenn ich das wüsste, hätte ich wohl einen neuen Job. Die jungen Leute werden uns sagen, wo es lang geht, und wir versuchen, dem zu folgen und es umzusetzen. Es kommen immer neue Generationen, deren Gedanken wir versuchen zu lesen. Dafür engagieren wir dann neue DJs, und wenn etwas Neues umsetzbar ist, wird das auch Erfolg haben. Man sollte aber nicht zu viel und nicht zu oft auf einmal ändern.

>Die nächste Disco im Colosseum findet am morgigen Sonnabend, 3. März, um 22 Uhr statt. Motto: „One night – three partys“ (Festival Sounds, Black and Hip Hop, 80’s & 90’s) mit den DJs „Küstenkinder“.

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