Politik : Einkaufszentrum auf der Kippe

Die Hallen der ehemaligen Wäscherei Berendsen  stehen leer. Auf dem Gelände  will Investor  Uwe  Kammholz ein Einkaufszentrum bauen.  Das Gelände gehörte bis zum Jahr 1996 Jochen  Nölke.
1 von 2
Die Hallen der ehemaligen Wäscherei Berendsen stehen leer. Auf dem Gelände will Investor Uwe Kammholz ein Einkaufszentrum bauen. Das Gelände gehörte bis zum Jahr 1996 Jochen Nölke.

Politiker stimmen gegen Ansiedlung großer Märkte / Investor Uwe Kammholz will weiter um Projekt auf Berendsen-Gelände kämpfen

23-524748_23-66424089_1417434525.JPG von
13. Juli 2014, 08:00 Uhr

Im Grunde hat die Stadtvertretung das Aus für ein Einkaufszentrum auf dem Berendsen-Gelände besiegelt – verbunden mit dem Grundsatzbeschluss, dass dort kein Geschäft mit einer Größe über 1200 Quadratmeter angesiedelt werden darf. Der dort geplante Supermarkt von Edeka hat also keine Chance. Der Beschlussvorlage wurde nicht von der Politik sondern von der Verwaltung entwickelt.

Der Investor für das Berendsen-Gelände verfolgte die Beratung in der Stadtvertreter-Sitzung mit einer gewissen Fassungslosigkeit. Er wolle aber nicht aufgeben, sagte Uwe Kammholz vom Unternehmen Ten Brinke Projektentwicklung gegenüber unserer Zeitung. „Ich verstehe das alles nicht, ich kann es nicht nachvollziehen.“ Er werde zeitnah das Gespräch mit den Fraktionen suchen. „Wir wissen dass der Standort gut ist“, gab er sich überzeugt. Alle Fakten würden für das Projekt sprechen.

Wie wichtig der Politik die Abstimmung war, zeigte sich daran, dass Urlauber und Kranke erschienen waren, um die Mehrheiten zu sichern. Denn im Vorwege war klar: SPD und Piraten sind für ein Einkaufszentrum, CDU und Grüne dagegen und die FDP unentschlossen. Letztlich gab es zwölf Stimmen für den Grundsatzbeschluss – davon eine aus der SPD – und elf Nein-Stimmen.

Auf die Pläne von Edeka und Aldi wurde dabei keine Rücksicht genommen. Beide Firmen hatten angekündigt, sich auf dem Berendsen-Gelände anzusiedeln. Edeka wollte einen 1900 Quadratmeter großen Markt errichten. Aldi wollte ebenfalls groß bauen. Verbrauchermärkte und Discounter siedeln sich gerne zusammen an. So war es auch dort geplant.

Nach dem Wunsch von Kammholz sollten auf dem Areal nun kleinere Märkte für Drogerieartikel, Schuhe und Textilien entstehen. Diese waren mit der Hauptgrund für die Stadtvertreter gegen ein Einkaufszentrum zu stimmen. Ursprünglich seien mal ein Baumarkt und eine Apotheke versprochen worden, sagte Bürgermeister Gerhard Blasberg. Davon sei jetzt nicht mehr die Rede. „Die Wochen der Versprechungen haben wir hinter uns“, sagte er zum Angebot des Investors.

Vorangegangen war eine andere Diskussion: Die FDP wollte sich nicht für oder gegen ein Einkaufszentrum entscheiden. Stattdessen forderten die Liberalen ein Gutachten zur „Verträglichkeit“. Bislang habe die Stadt zu wenig am Konzept für eine Bebauung des Berendsen-Geländes mitgewirkt. Die Auswirkungen für den jetzigen Standort von Edeka und Aldi in der Christian–IV-Straße, müssten untersucht werden. Alle Eigentümer in dem Bereich der Bahnlinie bis zur Stadtstraße sollten befragt werden. Und als Alternative für ein Einkaufszentrum sei die Errichtung eines altersgerechten Wohnens zu prüfen.

Für das Erstellen eines bis zu 20 000 Euro teuren Gutachten stimmten 13 Stadtvertreter, zehn votierten dagegen. Die Stadtverwaltung will allerdings Gespräche mit der Politik führen, inwieweit solch ein Gutachten nach dem nachfolgenden Beschluss noch Sinn macht.

Aufmerksam verfolgte auch Jens Lange, Besitzer des Kasernengeländes, die Diskussion. Lange plant bereits seit Jahren ein Einkaufszentrum im Marine-Viertel und darüber hinaus 60 Einfamilienhäuser zu bauen. „Ich finde die Entscheidung gut“, kommentierte er. Er sei „durchaus erfreut“ und strebe jetzt weitere Gespräche mit der Stadt über die Pläne für das Kasernengelände an.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert