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Norddeutsche Rundschau

24. August 2017 | 09:25 Uhr

Einkaufen rund um die Uhr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bier, Chips und Süßigkeiten: Im 24-Stunden-Kiosk am Sandberg brummt das Geschäft vor allem nachts

Kurz nach 21 Uhr. Es ist gerade dunkel geworden in Itzehoe. Am Sandberg im „Bermuda-Kiosk“, der 24 Stunden geöffnet hat, beginnt jetzt die lebendigste Zeit des Tages.

Eine Gruppe junger Männer kommt herein, diskutiert über Fußball. „HSV hat verloren. Ich brauche erst einmal ein Bier“, sagt einer und greift in den Kühlschrank nach einer Dose. „Und nächste Woche?“, entgegnet ein anderer, der auch ein Bier will, aber unabhängig vom HSV-Ergebnis. „Dann gewinnen sie, und ich brauche dann wieder ein Bier“, sagt der erste unter dem Gelächter seiner Begleiter.

Daneben steht Mit-Inhaber Dennis Siemer und grient. Sein Herz schlägt für Borussia Dortmund. Er führt den Kiosk gemeinsam mit einem Partner, der die Immobilie gemietet hat. Mit ihrer Idee zu einem 24-Stunden-Kiosk haben sie anscheinend einen Nerv in der Kreisstadt getroffen. Sie bieten für die Nachtschwärmer die wichtigsten Dinge des täglichen Bedarfs, vor allem Spirituosen, Haushaltswaren, kleine Snacks und Süßigkeiten. „Unser Konzept ist in Itzehoe bislang voll aufgegangen.“

Dennis war erst bei der Bundeswehr, ist dann Lkw gefahren bei der „Steinburger Mühle“ und hat abends beim Bier aus einer Laune heraus einmal gesagt: „Man müsste einen Kiosk aufmachen, der rund um die Uhr Getränke anbietet, damit die Leute nach Geschäftsschluss noch irgendwo etwas einkaufen können.“ Sein jetziger Geschäftspartner hatte genau dieselbe Idee. „Wir haben erst gemeinsam gelacht und das Projekt dann innerhalb von vier Wochen verwirklicht“, erzählt er. Die beiden haben sich schlau gemacht, ihr Geschäft angemeldet, Kühlschränke, Regale, einen Tresen besorgt, Personal eingestellt, das Sortiment eingekauft und sind ins kalte Wasser gesprungen. Seit dem 1. Februar hat der Laden mittlerweile geöffnet – und hatte seitdem nicht eine Stunde geschlossen.

Die Kunden werden befragt, was sie haben wollen. „Danach richten wir uns, wenn es genügend gibt, die das auch wollen“, erklärt Dennis. Und so gibt es jetzt ein BiFi-Sortiment, verschiedene Sorten Chips und einige spezielle Getränke wie „Smirnoff Ice“. „Wir haben auch Suppen, Butter, Margarine, Eis und Bier“, so Dennis Siemer. „Und im Sommer Grillkohle, im Winter Glühwein.“ All das lässt er sich nicht liefern, sondern ist selbst ständig unterwegs, um es in Sonderangeboten einzukaufen. „Das ist oft unschlagbar“, hat er festgestellt.

Vor allem der Betrieb an Wochenenden, Sonn- und Feiertagen und in der Nacht kommt beim Publikum gut an. „Freitag, Sonnabend und Sonntag sind unsere besten Tage. Bei Veranstaltungen ist dann hier ein Kommen und Gehen.“ Bei der Musiknacht oder dem Weinfest stehen die Kunden Schlange. „Wir müssen unser Sortiment dann in einer Nacht zwei Mal auffüllen und stehen zu zweit an der Kasse. Da kommt man ganz schön ins Schwitzen.“

Beide Inhaber haben kleine Kinder, Dennis Siemers Tochter ist fünf Jahre alt. Sie gelten ihnen als gute Hinweisgeber. Bei ihnen kommt „Slash Ice“ sehr gut an. „Das müssen wir immer nachfüllen.“ Für Kinder gibt es Süßigkeiten aus insgesamt 85 Töpfen, die sie sich selbst zusammen stellen können. „Anfangs hatten wir noch mehr, aber wir haben dieses Angebot etwas herunter gefahren. Sonst wird es zu unübersichtlich.“ Schüler kaufen vor der Schule viel. Während der Fußball-WM waren Bier und Chips sehr begehrt. Morgens bietet der Kiosk belegte Brötchen an, nachts helfe er auch schon mal umliegenden Kneipen mit alkoholischen Getränken wie Havana Club, Wein, Bier oder Sekt aus, erklärt der Inhaber. Auch das Personal komme kurz vor Feierabend vorbei und deckt sich mit dem Nötigsten ein. „Sie kaufen Zigaretten, Bier oder Chips.“ Zigaretten gibt es nur aus dem Automaten – wegen der Sicherheit.

Die Kunden sind bunt gemischt, von acht bis 80, viele kommen aus der Nachbarschaft und oft am Wochenende vorbei, decken sich mit Kaffee, Bier oder Zigaretten ein. So stehen auch Dmitri, Kevin und Bea gegen 22 Uhr vor den Regalen – und greifen nach Chipstüten und Bier. Sie sind ein bis zwei Mal in der Woche da. „Ich arbeite als Operator im Schichtbetrieb in Itzehoe, und nach Feierabend ist es praktisch, hier zu kaufen“, sagt Kevin. „Es ist billiger als an der Tankstelle“, fiel Dmitri auf. „Der Laden ist sehr praktisch. Es ist gut, dass es sowas in Itzehoe gibt“, findet auch Bea.

Auch die Spieler vom Fußballverein SV Inter Itzehoe nebenan holen sich, wenn sie gespielt haben, Getränke. Und alle begrüßen den Inhaber mit Handschlag. Alkohol gehe täglich von 17 bis 2 Uhr sehr gut, sagt Dennis Siemer. „Wir nehmen auch handelsübliche Mengen an Pfand an, wenn das nicht überhand nimmt. Selbst ein paar Omis uns Opis kaufen bei uns ihre Kurzen.“ Mittlerweile kommen viele Stammkunden. Eine Fernfahrerfamilie kauft gleich drei Stangen Big Pack Prince Zigaretten für einen ganzen Monat ein.

„Die Leute wollen alles, auch Kondome“, erzählt Dennis Siemer. Das ging ihm aber wegen der vielen Schulkinder zu weit, so dass diese jetzt hinter einem Sichtschutz verschwunden sind. Statt dessen gibt es jetzt Mittagessen in Dosen: Suppen oder Fertiggerichte. „Einen Internetplatz haben wir inzwischen aufgegeben, weil es sich nicht gelohnt hat.“

Die Mitarbeiter nutzen die Nacht, wenn nicht so viel los ist, um zwei Mal im gesamten Laden sauber zu machen. Selbst das Ordnungsamt sei überrascht von der Sauberkeit gewesen. „Das Arbeiten hier macht Spaß“, sagt Verkäufer Alex Matlawski, der meist die Nachtschicht übernimmt. „Es herrscht ein freundschaftlicher Ton und der Chef ist sehr entspannt.“ Zwei Frauen bestreiten die Tagschicht als Aushilfen.

Auf seine Kunden lässt der Mit-Inhaber nichts kommen. „Sie sind alle sehr lieb: Es motzt eigentlich nie einer.“ Und wenn es die Kunden glücklich macht, kann der Dortmund-Fan es auch verkraften, wenn der HSV öfter mal gewinnt.

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