Abi-Treffen : „Einiges ist noch genauso wie früher“

Den Kontakt immer gehalten: Die Abiturientinnen des Jahres 1965 an der AVS und zwei frühere Klassenkameradinnen.
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Den Kontakt immer gehalten: Die Abiturientinnen des Jahres 1965 an der AVS und zwei frühere Klassenkameradinnen.

Wiedersehen hoch zwei: Abiturjahrgänge 1965 von der AVS und 1975 von der KKS treffen sich in der alten Schule.

shz.de von
11. Mai 2015, 05:00 Uhr

Sie schnattern, lachen, staunen – es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie sie als junge Mädchen durch die Flure liefen. Der Abiturjahrgang 1965 ist zu Gast an der Auguste-Viktoria Schule.

Damals war die AVS ein reines Mädchen-Gymnasium mit wenigen Abiturientinnen: Von 17 Schülerinnen leben noch 15, alle sind gekommen. „Den Kontakt haben wir immer aufrecht erhalten“, erzählt Helga Kobel, die viele Klassentreffen organisiert hat. Geführt werden sie vom pensionierten AVS-Lehrer Eberhard Parr. Vieles erkennen die Frauen wieder: die alten Türen, die Fliesen. „Früher gab es kein Waschbecken in den Klassenräumen, wir mussten immer mit dem Schwamm zum WC laufen, damit der Lehrer die Tafel wischen konnte“, erinnert sich eine von ihnen. „Einiges ist noch genauso wie früher“, sagt Gisela Freutel.

„Die meisten von uns sind Lehrerin geworden“, verrät Heidi Reiner. „Das hat noch mit der Zeit zu tun. Wenn man an die Uni ging, schaute man, was das Naheliegende war.“ Aber auch drei Ärztinnen und eine Journalistin sind dabei. Eine Besonderheit: Alle hätten trotz Familie ihren Beruf ausgeübt. „Ich glaube, das hält uns zusammen“, sagt Heidi Reiner. „Wir haben uns alle viel zu sagen über das, was wir im Leben auf die Beine gestellt haben.“

Beate Schleifer findet die Modernisierung des Gebäudes gelungen: „Die Schule war damals lange nicht so freundlich gestaltet wie heute. Aber wir haben uns wohl gefühlt. Schule war damals nicht so ein Thema wie heute.“ Helge Dankleff hat noch eine Besonderheit dabei: die Kinder-Rundschau. Sehr erfolgreich hat sie mit anderen Klassenkameradinnen kleine Geschichten eingeschickt: „Dafür gab es 3 Mark.“

Szenenwechsel. Gleicher Anlass, andere Schule, anderer Jahrgang: An der Kaiser-Karl-Schule treffen sich die Abiturienten des Jahres 1975. Fast 50 ehemalige Schülerinnen und Schüler sind gekommen, fast auf den Tag genau 40 Jahre zuvor hatten mehr als 100 junge Erwachsene die Hochschulreife erlangt. Alle zehn Jahre trafen sie sich danach – auch dieses Mal ist sofort wieder die große Vertrautheit zu spüren. Und wenn sich das Äußere zu sehr verändert hatte, „dann halfen Namensschildchen, eine möglicherweise bestehende erste Unsicherheit zu überbrücken“, schildert Organisator Jürgen Ruge.

Seine Mitschüler sind über ganz Deutschland verstreut, Manfred Köpcke reiste gar aus den USA an zum Jahrgangstreffen. KKS-Oberstufenleiterin Sabine Schramm führt die große Gruppe durch die alten und neuen Gebäude. Voller Bewunderung begutachten die Ehemaligen die Mensa, die neuen naturwissenschaftlichen Fachräume oder die durch Wenzel Hablik inspirierte Treppenhaus-Bemalung. Dagegen seit Jahrzehnten nahezu unverändert: die Tische im Zeichensaal. Jürgen Ruge: „Diese besitzen inzwischen allerdings nicht nur einen gewissen historischen Wert, sondern haben bei jeder Besichtigung fast schon eine Kultfunktion inne.“


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