Sturm auf Festung : Eingekesselt: 11 000 Soldaten umzingeln Glückstadt

Eine Kirchenruine hinterließen die russischen Soldaten  in Krempe.
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Eine Kirchenruine hinterließen die russischen Soldaten in Krempe.

Die Bürger auf den Dörfern waren während der Belagerung Glückstadts 1813/14 arg gebeutelt.

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12. März 2014, 17:00 Uhr

In Krempe veranstalteten die Kosaken einen Ball – bezahlen musste ihn die Bevölkerung. Geladen waren die Dienstmädchen. Die Kosaken hatten keinen guten Ruf, ebensowenig die Russen, die sich in Krempdorf einquartiert hatten. Und aus dem Tagebuch von Johannes Schwark ist nachzulesen: Wilster musste 3000 Tonnen Branntwein für die dortigen Soldaten liefern. Richtig gefürchtet wurden die plündernden Husaren. Wohl gelitten waren nur die Schweden, die in Kollmar lagerten. Am 19. Januar 1814 brannten die Russen in Krempe aus Versehen die Kirche ab. Die Ruine konnte aus Geldmangel erst 1832 wieder aufgebaut werden.

Was sich im Winter 1813/14 und dann bis 1815 im Glückstädter Umland abspielte, davon gab Christian Boldt, Vorsitzender der Detlefsen-Gesellschaft einen Einblick im Rahmen der Festungsvorträge zur Belagerung 1813/14.


Kosaken hinterließen den größten Eindruck


Nach der verlorenen Völkerschlacht im Oktober 1813 hatte sich Napoleon nach Frankreich zurückgezogen. Teile der Siegerarmee verfolgten die zurückweichenden Franzosen während die Nordarmee unter dem Kommando von Bernadotte nach Holstein einmarschierte. Der verbündete Napoleons im Norden, Friedrich VI., König von Dänemark und Norwegen, sollte besiegt werden.

Boldt: „Die Kosaken hinterließen den größten Eindruck bei den Einheimischen. Das lag an ihrem fremdländischen Aussehen, jedoch auch daran, dass die Reiter mit damals unvorstellbarer Geschwindigkeit durch das Land zogen, unerwartet auftauchten und ebenso schnell wieder abzogen.“

Rund 34 000 Soldaten waren am 1. Dezember bei Boizenburg über die Elbe nach Holstein einmarschiert. 11 000 Soldaten hatten ab dem 15. Dezember 1813 einen Belagerungsring um Glückstadt gezogen. „Es war ein babylonisches Sprachgewirr“, erklärte Christian Boldt angesichts der Soldaten unterschiedlicher Herkunftsländern. Und alle diese Soldaten ernährten sich bei der Bevölkerung. Als die Raubzüge der Lüneburger Husaren überhand nahmen, wandte sich der königliche Kammerherr August von Hennings in einem Brief an den General Wallmoden und an den Oberstleutnant von Estorff. Mit Erfolg: Fanden trotzdem Plünderungen statt, wurden diese von höheren Offizieren geahndet.

2000 Männer verschiedener Nationen quartierten sich in Krempe ein – die Stadt hatte damals nur 1045 Einwohner. Es war auch keine wirkliche Erleichterung, als die Schweden Krempe verließen, um gegen Glückstadt vorzurücken. Die vor der Festung Glückstadt lagernden Truppen mussten mit Vorräten versorgt werden und regelmäßig abgelöst werden. Denn sie standen vor Glückstadt im Wasser. Es war kalt und feucht, viele Soldaten erkrankten.

1938 veröffentlichte die „Glückstädter Fortuna“ die Geschichte von Tischler Kraul aus Krempdorf. Er wurde in einer stockdunklen Dezembernacht von durchziehenden Russen geweckt, damit er ihnen den Weg nach Glückstadt zeigt. Statt bei der Borsflether Mühle nach Glückstadt abzubiegen, führte Krauel die Russen geradeaus auf Ivenfleth zu, wo die Glückstädter eine starke Befestigung an der Biegung des Elbdeiches in der Nähe der Störmündung angelegt hatten. Der Feind dort waren die Engländer, die mit ihren Schiffen in die Störmündung gekommen waren. Kurz vor dieser Schanze lief der Tischler den Russen davon und alarmierte die dänische Besatzung, die sofort das Feuer eröffnete und die Russen zurückschlug.

Am Abend des 19. Dezembers trafen die ersten Schweden in Kollmar ein. Den Hof des Johann Thormälen traf es besonders hart, denn während die meisten Höfe mit 20 bis 30 Mann belegt waren, musste er 200 Schweden beherbergen. Bauer Peter Lange auf dem Schleuer verköstigte die Soldaten in sechs Tagen mit 200 Kopf Weißkohl. In Kollmar wurden schwedische Soldaten sogar auf dem Friedhof beerdigt. Das war keine Selbstverständlichkeit in der Belagerungszeit, denn der Boden war gefroren.


Kapitulation am 5. Januar 1814


Weil sich in Borsfleth (699 Einwohner) auch russische Schneider in der Schule einquartiert hatten, fiel dort ein Jahr lang der Unterricht aus.

Die feindlichen Soldaten waren überall, auch in Hohenfelde, wo die Ruhr ausbrach. „Die Leidtragenden waren die Kinder.“ Es gab weitere schwere Krankheiten die neben der Ruhr ausbrachen: Masern und Pocken.

Am 5. Januar 1814 kapitulierte die Festung Glückstadt. Hamburg wurde im Mai 1814 von den Franzosen geräumt. Aber bis 1815 blieben noch Truppen in Holstein und lebten vom Land. In Erinnerung blieben besonders die Kosaken, berüchtigt als „Geier der Schlachtfelder“. Sie wurden zum Symbol dieses Schreckenswinters.

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