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Norddeutsche Rundschau

21. August 2017 | 08:48 Uhr

Eine typisch deutsche Figur seiner Zeit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zugegeben: Es ist kein ganz neues Buch. Genau genommen ist es 101 Jahre alt. Heinrich Mann veröffentlichte sein Meisterwerk 1914,   kurz vor Beginn der Ersten Weltkrieges. Auf satirische Weise entlarvt der Autor das charakteristische Seelenleben des „deutschen Mannes“: seinen Götzendienst am Erfolg, das Kriechen vor der Macht, den verblendeten menschenverachtenden Nationalismus und Rassismus sowie eine unfassbare Zivilfeigheit.

„Der Untertan“ ist die Geschichte des Diederich Heßling. Der Fabrikantensohn wird begeisterter Burschenschaftler, drückt sich vorm Militär, schwängert ein Mädchen, heiratet eine Andere und arbeitet sich nach und nach zum wichtigsten Bürger der deutschen Kleinstadt Netzig hoch. Heinrich Mann schildert seinen Protagonisten – oft satirisch übertrieben – als obrigkeitshörigen Drückeberger, als kaisertreuen Stammtisch-Agitator und als intriganten, feigen Kumpan. Eben eine eine typisch deutsche Figur seiner Zeit, die nach oben buckelt und nach unten tritt.

Das Buch gibt einen Einblick in die wilhelminische Zeit und lässt verstehen, warum viele Deutsche mit Hurra-Gebrüll in den Ersten Weltkrieg zogen. Und mit der Figur seines „Helden“ hat Mann weit in die Zukunft geblickt. Denn Diederich Heßling war eine „Vorgestalt des Nazi“, er zeigte schon als Schüler Eigenschaften, die Kennzeichen des Nationalsozialismus wurden. Vor allem sein übermäßiger Rassismus, der schon damals Juden galt.

„Der Untertan“ ist ein hochpolitisches, hochmoralisches Lehrstück und ein Jahrhundert nach seinem Erscheinen immer noch lesenswert.


Der Untertan, Taschenbuch, 8,95 Euro, ISBN: 978-3-596-13640-7

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erstellt am 21.Apr.2015 | 14:11 Uhr

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