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Im Theater : „Eine Lesung ist die aktuellste Form“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Heinz Rudolf Kunze stellt sein neues Buch am 9. Januar im Theater Itzehoe vor – aber nicht nur dieses.

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2016 | 12:00 Uhr

Heinz Rudolf Kunze kommt am Montag, 9. Januar, nach Itzehoe. Im Theater liest der Rock-Poet aus seinem neuen Buch „Schwebebalken – Tagebuchtage“. Redakteur Sönke Rother hat Kunze getroffen.

Welchen Kunze mögen Sie lieber, den politischen, den kritischen oder eher den, der für Unterhaltung steht?
Kunze: Das sind diese Entweder-oder-Fragen, die ich nicht beantworten kann, weil das alles zusammengehört. Wenn es davon nur eine Seite gäbe, würde mir die andere irgendwie fehlen. Wenn man ein kompletter Künstler sein möchte, gehört dazu, dass man auf der Farbpalette verschiedene Farben hat. Außerdem verstehe ich den Begriff Unterhaltung sehr weiträumig. Wenn ein politisches Lied nur predigt und nicht unterhält, ist es Mist.

1985 erschien Ihr Lied „Vertriebener“ – aktueller denn je, auch wenn Sie darin von Ihren Erlebnissen singen.
Mit einem Unterschied: Wir waren ja „nur“ Vertriebene aus einem anderen Teil Deutschlands, das heißt, der Kulturschock war nicht so groß. Heute, mit Menschen aus einer ganz anderen Erdgegend, ist das natürlich deutlich komplizierter. Wenn man überlegt, dass selbst die Integration deutscher Flüchtlinge nach dem Krieg eine ganze Weile gedauert hat, kann man sich vorstellen, wie lange es dauert, ganz fremde Menschen zu integrieren. Da braucht man eine ganze Menge Geduld.

Früher war ein Konzert von Ihnen fast ausschließlich Musik. Heute erzählen Sie mehr. Inzwischen gibt es komplette Lesungen. Liegt es daran, dass Sie heute mehr mitteilen möchten oder ruhiger geworden sind?
Auch in den ersten vier Jahren habe ich sehr viel erzählt zwischen den Liedern. Dann machten wir mehr Musik. Aber die Zwischentexte waren nie ausgestorben. Dann habe ich gemerkt, dass mir das fehlt, und Leute haben mich angesprochen, dass Ihnen das auch fehlt. Dann habe ich das wieder mehr aufgebaut.

Was können die Zuhörer am 9. Januar in Itzehoe erwarten?
Das neue Buch ist natürlich immer der Schwerpunkt. Ich benutze meine Lesungen aber immer so, dass das Buch nur ein Sprungbrett ist. Eine Lesung ist die aktuellste Form, da können auch Texte gelesen werden, die ich erst am Nachmittag geschrieben habe.

Gibt es für Sie Vorbilder?
Alle die großen elektrischen Erzähler, die in den 60er Jahren angefangen haben und zum Teil heute ja noch da sind.

Liedermacher Bob Dylan ist vermutlich einer von ihnen, jetzt wurde er mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Wie finden Sie das?
Das ist eine schwierige Frage. Ich bin auch Literaturwissenschaftler aus Leidenschaft. Ich kann in gewisser Weise die Leute verstehen, die sagen, das passt nicht, weil es keine Literatur im engeren Sinne ist. Es zeigt diese Öffnung zu Dylan hin, dass der Literaturbegriff ziemlich in der Krise ist. Auf der anderen Seite: Ehe eine Dilettantin wie Herta Müller, die keine Sau braucht und niemand liest und die auch nicht schreiben kann, nur aus Ost- und Frauenquotengründen den Literaturnobelpreis erhält, begrüße ich es doch sehr, dass ihn endlich mal ein Mann bekommt, der gute Texte gemacht und damit Millionen von Menschen begeistert hat. Ich habe oft das Gefühl gehabt, dass der Nobelpreis besonders nach politischer Gesinnung vergeben wird und nach Kungelei und nach Cliquenwirtschaft und mit Qualität leider nur bedingt zu tun hat.

Was können wir von Ihnen noch erwarten?
Tja, wie soll man das beschreiben? Dass es weitergeht.

Mit 65 könnten Sie an Rente denken.
Für uns gibt es keine Rente. Leonard Cohen ist jetzt mit 82 Jahren gestorben, da wollte ich eigentlich erst den dritten Gang einlegen.


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„Schwebebalken – Tagebuchtage“ mit Heinz Rudolf Kunze: Montag, 9. Januar, 19.30 Uhr, Theater Itzehoe. Karten auch im Ticket-Center unserer Zeitung, Sandberg 18-20, 04821/6052561.


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