Neue Drehleiter für die Feuerwehr in Wilster : Eine Königin für die Wehr

Wegen Hochhäusern wie diesem investiert die Stadt mehr als 600  000 Euro in die Anschaffung einer Drehleiter für die Feuerwehr. Jetzt wurde das neue Fahrzeug offiziell übergeben.
Wegen Hochhäusern wie diesem investiert die Stadt mehr als 600 000 Euro in die Anschaffung einer Drehleiter für die Feuerwehr. Jetzt wurde das neue Fahrzeug offiziell übergeben.

Die Stadt investiert mehr als 600.000 Euro in die Anschaffung einer Drehleiter für die Feuerwehr. Jetzt wurde das neue Fahrzeug offiziell übergeben.

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11. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Glückstadt, Brunsbüttel und Kellinghusen haben eine, Itzehoe ohnehin. Jetzt ist auch die freiwillige Feuerwehr der Stadt Wilster für Einsätze in luftigen Höhen gerüstet. Mit dem neuen Hubrettungsfahrzeug kann die gesetzlich vorgeschriebene Frist, innerhalb von acht Minuten Menschen auch aus höheren Gebäuden retten zu können, nun eingehalten werden. „Wilster hat jetzt eine Königin“, spielte Wehrführer Ralf Theede darauf an, dass der Umgang mit der Drehleiter unter den Helfern als Königsdisziplin gilt. Mehr als 600.000 Euro investiert die Stadt – wobei Bürgermeister Walter Schulz eine bemerkenswerte Rechnung aufmachen kann. Noch nie in der Stadtgeschichte wurde so viel Geld für ein Feuerwehrfahrzeug bezahlt. Aber auch noch nie hat die Stadt so wenig dazubezahlen müssen. Der städtische Anteil liegt bei lediglich 62.000 Euro, der Rest kommt aus Fördertöpfen.

Bei der feierlichen Übergabe am Sonnabend am Gerätehaus hatte das neue Fahrzeug schon zwei Einsätze hinter sich. Bis vor wenigen Jahren hatte sich die Wilsteraner Wehr noch mit einer zusammengetütelten Anhängeleiter begnügen müssen. Und auch hier war bei 18 Metern Schluss. Schon vor acht Jahren musste das Gerät mangels Zulassung ohnehin ausgemustert werden.

Verschärfte Bestimmungen riefen dann Wehrführung und Kommunalpolitik auf den Plan. „Im Zweifel haftet der Wehrführer persönlich für fehlende Ausrüstung.“ Oder sein Dienstherr, der Bürgermeister. Zuletzt habe auch der Kreis als Aufsichtsbehörde unmissverständlich klar gemacht, dass Wilster eine Drehleiter anschaffen muss. „Und ich musste den Kameraden klar machen: Da kommt ein Riesenberg Arbeit auf uns zu.“ Nach gut zwei Jahren Vorbereitung, zahlreichen Besichtigungstouren, europaweiter Ausschreibung und vielen für Extraschulungen geopferten Stunden und Tagen an Freizeit und Urlaub sind die Helfer nun mit einem topausgestatteten Jahreswagen ausgerüstet. Bürgermeister Walter Schulz sprach den Freiwilligen für diesen Einsatz höchste Anerkennung aus. Von der Notwendigkeit der Anschaffung habe er sich nicht zuletzt bei einer Übung am Gebäude der Grundschule überzeugen können.

Vertreter aller Feuerwehren aus der Wilstermarsch, aber auch von der Partnerwehr Fürstenberg (Brandenburg), von Polizei, DRK-Bereitschaft, Ordnungsamt und viele mehr ließen sich die feierliche Übergabe des mit Girlanden geschmückten Fahrzeugs nicht entgehen. Torsten Wulf als Vertreter des Herstellers Magirus übergab einen symbolischen Schlüssel an Walter Schulz, der ihn gleich an Ralf Theede weiterreichte. Am Ende bekam ihn Ingo Westphalen, der als Gerätewart für den stets einsatzbereiten Zustand verantwortlich sein wird. Auf zahlreiche weitere Feuerwehrleute kommen jetzt noch viele Trainingseinheiten zu. Amtswehrführer Axel Erdmann wies denn auch noch einmal auf den erheblichen Ausbildungsaufwand hin.

Bei aller Freude über stark erweitere Einsatz- und Hilfsmöglichkeiten schloss Wehrführer Ralf Theede aber auch mit einer kritischen Anmerkung. Als Bürger, so betonte er, fände er es schon verrückt, wenn der Gesetzgeber einer Stadt mit nur 4400 Einwohnern eine solch teure Anschaffung vorschreibt. Im Ernstfall, auch daran ließ keiner der Akteure aber einen Zweifel, werde sich die Anschaffung aber schnell bezahlt machen, zumal sich das Einsatzgebiet für die neue Drehleiter bei Bedarf auf die gesamte Wilstermarsch erstrecken dürfte. So manch nützlichen Nebeneffekt bringt das Gerät auch noch mit. Bürgermeister Walter Schulz konnte sich seine Stadt erstmals aus 28 Metern Höhe anschauen. Und bei der „Lütt Wiehnacht“ ergatterten gestern zahlreiche Besucher Lose für Freifahrten auf Kirchturmhöhe, zu denen pünktlich auch noch Schneegestöber einsetzte.

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