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Wenn der Nachwuchs kommt : Eine Hebamme für die ganze Familie

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sie bringt Ordnung in Alltagsstrukturen, berät bei Problemen aller Art: Heike Tabbert steht für im Kreis Steinburg jungen Eltern für bis zu zwölf Monate zur Seite. Das Angebot richtet sich besonders auch an Problemfamilien.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2013 | 10:15 Uhr

Im Krankenhaus stehen Geburtshelfer bereit, anschließend zahlt die Krankenkasse für bis zu acht Wochen die Begleitung durch eine Hebamme. Dann aber sind Mütter mit ihrem Nachwuchs erst einmal auf sich alleine gestellt. Viele Eltern sind aber überfordert, wenn plötzlich ein Säugling den Tagesablauf bestimmt. Und den Familienverband aus früheren Zeiten gibt es oft nicht mehr. Bei Problemen schlägt dann die Stunde der neuen Familien-Hebamme. Für bis zu zwölf Monate kann sie jungen Familien mit Rat und Tat zur Seite stehen. Als eine der letzten Regionen im Norden gibt es diese Stelle jetzt auch im Kreis Steinburg. Träger ist die Diakonie des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf. Und besetzt ist die Stelle durch Heike Tabbert, eine erfahrene Hebamme, die lange Jahre im Kreißsaal gearbeitet hat und sich für diese neue Aufgabe durch eine Zusatzausbildung qualifiziert hat. Zum Jahreswechsel soll noch eine zweite Familien-Hebamme hinzukommen.

„Das ist einer der Bausteine unserer Diakonie“, sagt Geschäftsführer Thorsten Sielk, der dabei auch an den diakonischen Auftrag erinnert, den Menschen einen guten Start ins Leben zu geben. Hinter der Stelle verbirgt sich eine bundesweite Initiative „Frühe Hilfen“. „Nur in Steinburg wurde dies personell deutlich später umgesetzt als in anderen Kreisen“, so Sielk.

Dabei fehlt es keineswegs an Bedarf und Einsatzmöglichkeiten. Wie Heike Tabbert erläutert, soll die Hilfe insbesondere in Problemfamilien greifen. Migranten können dazu zählen, aber auch sehr junge Mütter. Mitunter wird das Leben in Familien aber auch durch Drogen, Alkohol oder Gewalt bestimmt. „Das gibt es schon, dass die Oma dann den acht Wochen alten Säugling mit der Bierflasche versorgen will. Oder, dass Babies Energydrinks bekommen“, schildert Heike Tabbert.

Vielfach sind junge Familien aber auch schlicht zu sehr mit Alltagssorgen belastet oder bekommen die neuen Tagesabläufe einfach nicht mehr in den Griff. „Ich bin kein Ersatz für die Mutter oder die Oma“, betont die Hebamme. „Ich will einfach nur Tipps geben und für Fragen zur Verfügung stehen.“ Vielfach wüssten junge Eltern auch gar nicht, was es alles für Hilfen gibt und wo sie diese bekommen können. Und da will Heike Tabbert vermitteln und Türen öffnen. „Und manchmal geht es auch nur darum, das zu übersetzen, was der Arzt sagt.“ Oder es müssten auch nur Hilfen beim Überschreiten von Hemmschwellen geleistet werden, ergänzt Diakonie-Erziehungsberaterin Karina Brandenburg.

Alles sei nur vorbeugend und vor allem auch freiwillig – und kostenlos. Die Anforderung der Familien-Hebamme laufe ohne große Anträge, einfach formlos per Anruf. In einem ersten Hausbesuch verschaffe sie sich erst einmal einen Überblick. „Und dann geht es darum, alles in die richtigen Bahnen zu lenken“, so Heike Tabbert. „Und das ohne erhobenen Zeigefinger“, fügt sie rasch hinzu. Immer habe ihr Einsatz nur begleitenden Charakter. Und: „Auf keinen Fall bin ich dabei der verlängerte Arm einer Behörde.“ Bei ihrer Aufgabe unterliege sie selbstverständlich der Schweigepflicht. Einschreiten müsse sie – wie jeder andere auch – nur bei konkreter Gefährdung des Kindeswohls.

Nach Beobachtung von Heike Tabbert hat sich das Familienleben in den vergangenen Jahrzehnten auch durch einen Überfluss an Informationen nicht gerade verbessert. Wo man früher bei Fragen mal schnell zum Telefonhörer gegriffen hatte, wird heute gegoogelt. Nicht immer mit hilfreichen Erkenntnissen. „Bei dem heutigen Überangebot auch im Konsumbereich wächst manchen Müttern da schnell etwas über den Kopf.“ Und sie ergänzt: „Wo früher die Familie einiges aufgefangen hat, lebt heute jeder allein in seiner Zelle im Hochhaus.“ Auch hier will die Diakonie mit Angeboten ansetzen und junge Mütter aus drohender Isolation holen. So wird in Glückstadt jeden Mittwoch zwischen 10 und 12 Uhr ein Baby-Bistro (Jahnstraße 21) geöffnet sein – als Kontaktbörse und für den Austausch praktischer Erfahrungen. „Wir wollen die Leute ins reelle Leben holen, damit sie nicht nur Dr. Google befragen können“, sagt Thorsten Sielk.

Hier bekommen Familien Hilfe: Diakonie Rantzau-Münsterdorf, Frühe Hilfen, Familienhebamme Heike Tabbert, Wilhelmstr. 4, 25 524 Itzehoe, Tel.: 0 48 21/88 83 572, Handy: 01 51/ 65 48 50 69, e-mail: familienhebamme@die-diakonie.org

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