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Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 14:11 Uhr

Neues Leben : Eine Frau allein auf der Flucht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Arbeitskreis „Weibliche Flüchtlinge“: Die Iranerin und Asylbewerberin Setareh Jamshidi erzählt.

von
erstellt am 26.Jan.2016 | 05:00 Uhr

Vor einem Jahr kam Setareh Jamshidi aus dem Iran nach Deutschland, flüchtete aus Glaubensgründen. Die junge Frau war zum Christentum konvertiert – und schwebte in Lebensgefahr. Im Iran steht auf Religionswechsel die Todesstrafe. „Setareh Jamshidi ist eine der wenigen allein geflüchteten Frauen“, fügte Karin Lewandowski hinzu. Die Frauenbeauftragte der Stadt Itzehoe hatte gestern zum Treffen des Arbeitskreises zur Situation weiblicher Flüchtlinge in Städten und Gemeinden des Kreises eingeladen. Setareh Jamshidi war zu Gast, um über ihre Erfahrungen zu berichten. Die Teilnehmerinnen erfuhren von der Flucht Setareh Jamshidis, die glücklicherweise nicht dramatisch verlief, und von der derzeitigen Situation. Deutlich machte Setareh Jamshidi dabei, wie notwendig für die Flüchtlinge sofortiger Deutschunterricht ist.

Setareh Jamshidi spricht schon erstaunlich gut deutsch. Via Internet und mit Hilfe von guten Freunden hat sie schnell die Sprache gelernt. An ihrem jetzigen Wohnort Wilster gibt sie bereits ehrenamtlich in der Kirchengemeinde Deutschunterricht, ist auch ehrenamtliche Dolmetscherin. Gerne würde die junge Architektin richtig arbeiten, doch noch wartet sie auf die Anerkennung. „Es ist nicht alles wunderbar“, räumt sie ein. „Natürlich ist es schwer Asylbewerberin zu sein.“ Die neue Situation als Flüchtling, die Sprache und allein ohne Familie zu sein. Aber negative Erfahrungen habe sie weder bei der Erstaufnahme in Neumünster noch in der Kommune gemacht. In Neumünster habe es einen Wohnbereich allein für Frauen gegeben, Männer durften dort nicht reinkommen. Und alle, die dort gearbeitet haben, hätten sich bemüht, ihr zu helfen. So wie viele Menschen, denen sie seither begegnete. Und sie kann jetzt ihren Glauben leben, kann in die Kirche gehen.

Doch sie wisse, dass andere Frauen auch andere Erfahrungen machten. Eine sei beispielsweise in einem Dorf untergebracht worden – und habe in der Nacht immer Angst gehabt, andere haben Probleme mit der Sprache. Vielleicht sei es für Frauen, die mit Mann und Familie nach Deutschland geflohen sind, auch schwieriger mit anderen zu kommunizieren. Angesprochen wurden dabei der „Kulturschock“, insbesondere was die gesellschaftliche Stellung der Frau betrifft. Besonders Afghaninnen hätten berichtet, dass sie sich nicht gut an die Situation gewöhnen könnten. Selbstbestimmung sei ihnen fremd. Würde zum Beispiel die Frau von ihrem Ehemann geschlagen, würde sie sich nicht wehren. Tradition sei dort, dass die verheiratete Frau das machen müsse, was ihr Mann sagt. Die freiheitlichen gesellschaftlichen Möglichkeiten in Deutschland wären für sie besser – aber noch nicht umsetzbar, vor allem bei unsicherem Asyl-Status. Wohin sollte die Frau gehen, wenn ihr Antrag letztendlich abgelehnt würde? Auch das ein Grund, warum Asylanträge zügiger bearbeitet werden müssten. Den Frauen im Arbeitskreis ist allerdings klar, dass das bei dem großen Zustrom von Flüchtlingen nicht einfach zu leisten sei.

Dennoch: Weniger Bürokratismus, mehr niedrigschwellige Angebote seien notwendig, um insbesondere die Flüchtlingsfrauen einfacher integrieren zu können. In der Diskussion wurde deutlich, dass es kreisweit vielerorts Angebote gibt, die allerdings nicht allen bekannt seien, jedoch anregende Beispiele für die Flüchtlingsarbeit wären.

Die Teilnehmerinnen verabredeten für das nächste Treffen des Arbeitskreises am 29. Februar, Listen mit entsprechenden Informationen über Veranstaltungsangebote und über Möglichkeiten, ehrenamtliche Übersetzer zu bekommen, zusammenzutragen. Dann soll zudem als weiteres Thema „Frauen und Flüchtlinge“ im Mittelpunkt stehen.

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