Kollmar : Eine Dynastie von Paddlern

1968 im Faltboot auf der Oste: Anke, Frank und Jochen Meyer.
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1968 im Faltboot auf der Oste: Anke, Frank und Jochen Meyer.

Kajakfahren hat bei den Meyers eine lange Tradition:Drei Generationen befahren die Wasserwege Europas.

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11. Juli 2015, 14:00 Uhr

Ein oder zwei aktive Paddler in der Familie, das ist nichts Ungewöhnliches in Kanuten-Kreisen. Wenn es aber gleich sechs in drei Generationen sind, dann kann man schon von einem Phänomen sprechen. Großeltern, Sohn, Schwiegertochter und zwei Enkelinnen – das ist die paddelbegeisterte Familie Meyer. Inge (75) und Jochen (76) sowie Anke (47) und Frank (48) mit Alicia (17) und Charlot (19) Meyer sind Mitglieder bei den „Elmshorner Wanderpaddlern“, die ihren Sitz in Kollmar an der Elbe haben.

Begonnen hatten die beiden Senioren ihren Freizeitsport mit den vor Jahrzehnten üblichen Faltbooten, die mit imprägniertem Stoff bespannt waren. Auch ihr Sohn ging schon als Kleinkind mit auf Wasserwanderfahrt. Faltboote gibt es auch heute noch, aber die meisten Kanuten bevorzugen heute die leichteren Kajaks aus Kunststoff. Sie sind weniger reparaturanfällig und weniger behäbig. Auch Familie Meyer hat sich vom Faltboot verabschiedet und ist heute meistens in modernen Einer- oder Zweierkajaks unterwegs.

Während Frank Meyer hin und wieder Wildwasser fährt und seine Frau Anke 20 Jahre lang den Kanupolo-Sport favorisierte, fühlen sich ihre Töchter Alicia und Charlot auch in den Mannschaften der großen Drachenboote wohl. Beide haben in dieser Disziplin bereits mehrere Wettkämpfe als Paddler und auch als Trommler für ihren Verein bestritten. Ihr Großvater kann diesem Trendsport, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut, zwar nichts abgewinnen, ist aber sonst äußerst vielseitig. Jochen Meyer: „Außer Drachenboot fahre ich alles.“

Ein Blick in die Fahrtenaufzeichnungen der Familie zeigt, dass die drei Generationen zwar ihren Hausfluss, die Elbe, recht regelmäßig befahren, dass es sie aber ebenso auf Gewässer weit entfernt von Kollmar zieht. Ihr Aktionsgebiet liegt zwischen Portugal und Skandinavien. Während Inge und Jochen Meyer ihre größeren Ziele mittlerweile mit einem bequemen Wohnwagen ansteuern und die Boote per Auto zu ihrem Standplatz transportieren, campen ihre Kinder und Enkeltöchter noch ganz zünftig. „Wir haben neben unseren Booten immer noch das Zelt dabei, wenn wir mehrtägig unterwegs sind“, erklärt Frank Meyer. Urlaubsfahrten ohne Boot, das kann sich keiner von ihnen vorstellen.

In diesem Jahr zieht es die Familie wieder in die Ferne: Inge und Jochen Meyer wollen nach Schweden; die Kinder und Enkel planen eine gemeinsame Elbefahrt in Zweierkajaks von Tschechien bis nach Hamburg. Alle drei Generationen wollen über Pfingsten das unternehmen, was bei ihnen schon lange Tradition hat: „Wir befahren an diesem Wochenende mit unserem Verein Flüsse in Schleswig-Holstein oder in der Heide, wo jeder mit seinem Einer paddelt“, freut sich Anke Meyer auf das Erlebnis zu Sechst.

Die Paddler berichten von ihren bisher längsten Touren. Jochen Meyer war 1962 von Zürich aus über Limmat und Rhein an 14 Tagen auf einer 1000 Kilometer langen Strecke bis Rotterdam unterwegs, Inge Meyer befuhr 1967 Saar, Mosel und Rhein von Merzig aus bis Köln auf 500 Kilometern, und Anke, Frank, Alicia und Charlot Meyer paddelten 2012 auf einem 560 Kilometer langen Wasserweg über Weser, Hadelner Kanal, Elbe und Krückau von Hannoversch-Münden aus bis nach Elmshorn.

Keine Frage, die ganze Familie liebt das Wasserwandern. Inge und Jochen Meyer zum Beispiel fasziniert die sportliche Betätigung in der Natur, für Anke Meyer ist Paddeln „ein Stück Freiheit“, und Frank Meyer findet, dass man im Boot „Zeit genießen“ kann – zum Beispiel in Schweden. „Es gibt dort viele unbewohnte Schären. Es stört niemanden, wenn man sein Zelt dort aufstellt, um für sich und mit der Familie allein zu sein.“

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