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Ein Zehnjähriger und die existenziellen Fragen des Lebens

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Krebs, Chemotherapie, Tod – das sind die Themen, mit denen sich der zehnjährige Oskar befassen muss. Seine Eltern scheuen die Nähe. Nur die „Dame in Rosa“, die ihn regelmäßig im Krankenhaus besucht, hilft mit mitleidslosen Versuchen der Aufmunterung. Sie gibt sich als ehemalige Catcherin „Die Würgerin vom Languedoc“ aus. Sie lässt ihn Briefe an Gott schreiben. Zwölf Tage hat er noch zu leben, Oskar schreibt zwölf Briefe, die jeweils zehn Jahre seines gelebten und ungelebten Lebens umfassen. Nach seinem Tod liest die Dame in Rosa die Briefe vor.

Diese Erzählung von Éric-Emmanuel Schmitt bringt Léonie Thielen als Zwei-Stunden-Solo auf die Bühne. Beeindruckend und berührend erweckt sie Oskar zu seinem Leben, das in seiner Kürze existenzielle Grenzfragen berührt. Zum Schluss werden Oskars Briefe kürzer. Die Schauspielerin verharrt in der Ruhe, erzeugt durch ihr verlangsamtes Spiel. Von guten Mächten wunderbar geborgen? In diesen intensiven Momenten möchte man Bonhoeffers Glaubensgewissheit als Frage empfinden, auf die die „Dame in Rosa“ eine Antwort gibt: Ja, es gibt einen Sinn des Leidens; jeder muss sterben. Diese Einsicht, eine besondere Stärke des Stücks, versöhnt Oskar mit seinen Eltern.

Im Publikum im Theater saßen viele „Grüne Damen“, die Erkrankte im Klinikum Itzehoe besuchen,und auch Sterbebegleiter des Hospiz-Vereins Itzehoe. Die nachdenklich machenden Impulse dürften sie in dem Sinn ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit bestärkt haben. Besonders, als die „Dame in Rosa“ sagt, sie habe alles nur erfunden, entpuppt sich Oskar als eine veranschaulichende Figur ihrer Sehnsüchte und Ängste. Gibt es einen Gott? Wenn ja, warum lässt der so viel Leid zu? Diese existenziellen Grundfragen bewegen nicht nur die „Dame in Rosa“.

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