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Norddeutsche Rundschau

20. September 2017 | 13:07 Uhr

Wrist : Ein wahres Trauerspiel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

 Anne Oberpichler verlässt die Wrister Kirchengemeinde, weil die heimischen Pastoren  die Teilnahme an Beerdigung ihres Mannes ablehnen. Es ist der Höhepunkt nach einem  alten Streit um Parkplätze auf dem Gemeindegrundstück.

von
erstellt am 01.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Voller Trauer blickt Anne Oberpichler (72) auf den mit Blumen geschmückten Rasenplatz auf dem Friedhof Stellau-Wrist. Unter dem kleinen Baum wurde vor einigen Monaten ihr Mann Hans Georg begraben. Die Umstände der Beerdigung empören die 72-Jährige immer noch. Die heimischen Pastoren hatten sich geweigert, die Trauerrede für ihren Mann zu halten. Die Wristerin zog daraufhin die Konsequenzen und verließ die Wrister Kirchengemeinde in Richtung Kellinghusen.

Vorausgegangen waren verschiedene Ereignisse, die die Gemüter auf beiden Seiten erhitzen. Unter anderem gab es Diskrepanzen zwischen Anne Oberpichler und Gritta Koetzold, Pastorin in Stellau-Wrist. Aus diesem Grund bat die Wristerin Pastor Holger Pentzien aus Hennstedt, die Trauerrede zu halten. Doch der weigerte sich. Grund: Die seelsorgerische Begleitung setzt ein absolutes Vertrauensverhältnis voraus und dieses war gestört“, sagt Pentzien. Deshalb habe er eine erste Zusage zur Trauerfeier nicht aufrechterhalten können. Dies habe mit verschiedenen Dingen, über die er nicht sprechen könne, nicht nur mit einem von Anne Oberpichler verfassten Leserbrief in unserer Zeitung zu tun. „Es war das erste Mal, dass ich so eine Entscheidung treffen musste.“ Er hoffe jetzt auf das Heilen der Wunden.

Der Streit eskalierte im März. In einem Leserbrief warf Anne Oberpichler Pastorin Gritta Koetzold vor, sich nicht genug um die älteren Menschen in ihrer Gemeinde zu kümmern. Dieser ging auf einen Veranstaltung in der Pastoratsscheune zurück, in der Koetzold die anwesenden Senioren, die sich dort zum Kartenspielen trafen, „in nicht angemessenen Ton“ aufgefordert habe, ihre Autos nicht vor der Scheune, sondern auf dem ausgewiesenen Platz zu parken. Anne Oberpichler schrieb daraufhin eine Brief an die Pastorin, den diese jedoch nicht beantwortet habe.

Nach der Veröffentlichung des Leserbriefs – kurz zuvor war ihr Mann nach schwerer Krankheit gestorben – hätten sich die Pastoren um Kellinghusen herum dann geweigert, die Trauerrede für ihren Mann zu halten. Lediglich der Kellinghusener Hartwig Lohmann, Pastor im Ruhestand, erklärte sich spontan bereit, einzuspringen. „Doch er durfte nicht in der Stellauer Kirche predigen, auch eine Vermittlung des Propsten nutzte nichts“, sagt die 72-Jährige. „Mit Barmherzigkeit hat das Ganze gar nichts mehr zu tun“, sagt die 72-Jährige resignierend. In letzter Minute habe dann Günther König, Vorsitzender des Kirchengemeinderates Kellinghusen, angerufen. In der dortigen Kirche könne die Trauerfeier abgehalten werden. Nach der Feier wurde Hans Georg Oberpichler dann auf dem Friedhof Stellau-Wrist beigesetzt. Aufgrund dieser Vorfälle hat die Witwe die Kirchengemeinde verlassen, in Kellinghusen fand sie eine neue kirchliche Heimat.

Dass Pastor Lohmann in der Stellauer Kirche keine Gottesdienste und Amtshandlungen abhalten darf, hätten der Kirchengemeinderat und Pastorin Gritta Koetzold festgelegt, wie diese erklärt. „Dieser Vorgang, der Jahre her ist, hat weder etwas mit Frau Oberpichler noch mit Herrn Oberpichler zu tun. Hätte Frau Oberpichler sich an mich gewandt für die Beerdigung ihres Mannes, hätte ich diese Amtshandlung selbstverständlich übernommen.“ Sie sei aber nie gefragt worden.

Entzündet hatte sich der Streit, wie Koetzold erklärt, an der Parkplatzsituation auf dem Grundstück der Kirchengemeinde Stellau-Wrist. Konkret: am Brandschutz. Vor dem Gemeindehaus dürfen Autos nicht abgestellt werden, weil sie sonst die Zufahrt für Feuerwehrfahrzeuge blockieren. Aber genau das sei bei den Mitgliedern der Seniorenspielegruppe immer wieder der Fall gewesen, berichtet Koetzold. „Ich habe die Senioren viermal aufgefordert, die Autos woanders zu parken, aber dann standen die Autos beim nächsten Mal wieder da.“

Dass Koetzold mit Nachdruck darauf besteht, hat einen Grund. „Es geht um Sicherheit.“ Denn das Gemeindehaus ist ein Reetdachhaus. Fahrzeuge vor den Fenstern und Türen – den Fluchtwegen abzustellen – sei brandgefährlich, erklärt Koetzold. „Reet rutscht bei Feuer vom Dach wie Wasser. Die Menschen in dem Gebäude müssen dann entweder über das brennende Reet springen oder sind gefangen. Jedes falsch geparkte Auto bedeutet kostbare Minuten.“ Als Feuerwehrfrau habe sie vor zehn Jahren selbst erlebt, wie schwierig Reetbrände seien. Die Feuerwehr war schnell vor Ort, „aber wir haben das Haus nicht halten können. Es war so frustrierend zu sehen, dass wir nichts ausrichten können.“ Ihre deutlichen Worte seien ein Zeichen der Sorge gewesen, keine Zickerei.

Seit eineinhalb Jahren sei es aber auch nicht mehr vorgekommen, dass die Gruppe mit ihren Autos die Rettungswege blockiere. „Wir wollen uns nicht wegen Parkplätzen zerstreiten. Die Seniorenspielegruppe ist als Angebot gewünscht und gewollt“, betont die Pastorin. Man sei den Teilnehmern sogar entgegengekommen. „Sie dürfen auf dem Rasen neben den Behindertenparkplätzen parken und zum Aussteigen kurz vorfahren.“ Koetzold möchte die Wogen glätten und bietet Anne Oberpichler ein persönliches Gespräch an, gern auch mit einer neutralen Person als Mittler.

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