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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 00:08 Uhr

Ein Trecker erzählt Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bis 1976 transportierte der alte Deutz die Milch zur Meierei nach Glückstadt / Heute wird er für Ausfahrten und zum Slippen von Booten genutzt

von
erstellt am 20.Okt.2014 | 17:04 Uhr

Stolz präsentiert der Bielenberger Reimer Thoke (67) seinen Oldtimer-Trecker der Marke Deutz aus dem Baujahr 1957. Als sich der Wassersportverein Bielenberg vor zwei Jahren auflöste, übernahm Reimer Thoke den Trecker und restaurierte ihn liebevoll, sodass er jetzt wieder eine Straßenzulassung für 20 Stundenkilometer erhalten hat. Genutzt wird das Gefährt für Ausfahrten mit den Enkelkindern, zum Slippen der Boote im Bielenberger Hafen und für Treffen der Treckerfreunde. „In diesem Jahr war ich zum Treckertreff in der Treckerscheune Bahrenfleth und wurde bestaunt.“

Reimer Thoke ist aber nicht nur an der Technik des Treckers interessiert, sondern auch an dessen wechselvoller Geschichte. Auf dem Schild am Motorblock sind die Type F 2 L 612, das Baujahr 1957, die Leistung mit 18 PS und die Motordrehzahl mit 1850 Umdrehungen pro Minute zu erkennen. Auf einem weiteren Schild an der Motorhaube steht als Verkäufer die „Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft Lüchow, Maschinen Abteilung“. Thoke erklärt: „Leider sind die Fahrzeugpapiere verloren gegangen. Deshalb kann ich den Verbleib von 1957 bis 1965 nicht klären. Ich habe bei Deutz und dem Händler nachgeforscht, aber keine Auskunft erhalten. Das würde mich schon sehr interessieren.“

1965 wurde der Trecker vom Kollmaraner Landwirt Hermann Engelbrecht im Ortsteil Steindeich gekauft. Hermann Engelbrecht (1909 – 1997) führte eine kleine Landwirtschaft mit Gemüseanbau und war seit 1934 als Milchfahrer zur Meierei Thiessen und später zur Meierei Groth in Glückstadt tätig. Die Bauern bezahlten ihm für jeden Liter Milch einen Pfennig. „Im Sommer gaben die Kühe viel Milch, und Hermann Engelbrecht konnte gutes Geld verdienen, im Winter reichte das Milchgeld aber gerade mal so aus“, erzählt seine Schwägerin Marianne Wagner. Die Milch wurde mit Pferd und Wagen transportiert.

Nach der altersbedingten Aufgabe des Milchtransportes im Jahr 1976 – Hermann Engelbrecht war damals 67 Jahre alt – war der Deutz-Trecker noch 18 Jahre auf dem Engelbrecht-Hof im Apfelgarten zum Mähen und Spritzen eingesetzt, bevor der Wassersportverein Bielenberg 1994 den Trecker durch einen Tipp des Schmiedes Erich Lau erwarb. Reimer Thoke war der Jugendwart des Vereins und sein Vater war mit Hermann Engelbrecht befreundet. Thoke: „Wir suchten ein Fahrzeug zum Slippen der Boote und für die Beschäftigung der Jugendlichen.“

In der Werkstatt von Erich Lau an der Ecke B 431/ Deichreihe wurde der Trecker völlig zerlegt und überholt. In über 300 Arbeitsstunden waren die Jugendlichen unter Anleitung von Reimer Thoke, Erich Lau und weitere Mitglieder des Wassersportvereins an der Restaurierung beteiligt. Die Einzelteile wurden gereinigt und teilweise erneuert, das Fahrgestell und das Blechgehäuse wurden neu lackiert – im Deutz-Grün mit dem gelben Schriftzug.

Nach einer Drosselung auf sechs Stundenkilometer und der TÜV Abnahme hatten nunmehr auch Jugendliche die Möglichkeit, Fahrübungen auf dem Parkplatz der Bielenberger Gaststätte „Zum Elbblick“ zu machen und ab 15 Jahren auch die Boote im Hafen zu trailern. Die Aktivitäten des Vereins und die Möglichkeit, Wasserski auf der Elbe zu erlernen, sprachen sich herum. Die Jugendgruppe wuchs in dieser Zeit auf 21 Mitglieder.

2012 wurde der Wassersportverein Bielenberg aufgelöst und der Trecker ging in den Besitz von Reimer Thoke über. Inzwischen hatten sich schon wieder Roststellen gebildet und es erfolgte eine erneute Restauration mit Sandstrahlen der Bleche, Schweißarbeiten und Nachbauten von Einzelteilen unter Mithilfe von Werner Diekwisch sowie die Neulackierung. Auf dem Hof von Horst Greve beteiligten sich die Kinder und Freunde an den Arbeiten und präsentieren den Trecker heute wieder in leuchtenden Farben. Reimer Thoke: „Ich habe mit dem Trecker schon viel Spaß gehabt. Das ist mein Hobby, an dem ich sehr hänge. Irgendwie fühle ich mich für diesen Trecker verantwortlich und möchte, dass er und seine Geschichte noch lange erhalten bleiben.“

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