zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

24. November 2017 | 05:05 Uhr

spannend : Ein Tag an Bord: Praktikum als Lotse

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Burger Schülerin Kira Lynn Haugaard Jahnke schnuppert in außergewöhnlichen Beruf hinein.

Was will ich mal werden? Diese Frage stellt sich auch Kira Lynn Haugaard Jahnke. Die 15-Jährige besucht die 9. Klasse der Burger Gemeinschaftsschule – und jetzt war Praktikumszeit. Nach einer Anwaltskanzlei hat sie sich nun für ein Praktikum bei den Lotsen entschieden. „Auf jeden Fall will ich nichts Gewöhnliches machen“, ist sich Kira Lynn sicher. Bei der Berufsfindung sollen Praktika ab der 8. Klasse den Schülern helfen. In der 7. Klasse stand bereits eine Potenzialanalyse bei der Wirtschaftsakademie in Itzehoe an. Dort sollte erforscht werden, was den Jugendlichen liegt, wo sie ihre Stärken, aber auch Grenzen haben.

Lehrerin Jessica Stickelbruck ist an der Burger Gemeinschaftsschule als Koordinatorin für Berufsorientierung zuständig für die Organisation der schulischen Berufsfindungsangebote. „Wir haben schon alles dabei gehabt“, weiß Stickelbruck. Die Renner bei den Jungen sind nach wie vor der Kfz-Mechatroniker und der Landmaschinenschlosser. Bei den Mädchen die Erzieherin und die Krankenschwester. „Wir sind bemüht unsere Schüler in Ausbildungsberufe zu bringen“, sagt Stickelbruck, aber seit aus der einstigen Real- eine Gemeinschaftsschule geworden ist, geht der Blick auch in Richtung Abitur. Kira Lynn begrüßt daher die seit wenigen Monaten bestehende Möglichkeit einer Direktversetzung in die Oberstufe des Gymnasiums nach der 10. Klasse, dank einer Kooperation mit der Itzehoer Auguste-Viktoria-Schule.

Während bei den Juristen „Gedränge auf dem Markt herrscht, bleibt es bei uns eng mit dem Nachwuchs“, berichtet Harald Gossing. Der 59-jährige Kapitän ist seit 1991 Lotse auf dem Nord-Ostsee-Kanal. 30 Schiffe im Monat lotst er bis Rendsburg durch den Kanal. Die Schiffslänge reicht dabei von 30 bis 235 Meter. Ab 55 Metern ist ein Lotse Pflicht auf der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt. Die Verantwortung ist riesig, denn fast immer geht es um Millionenwerte. „Man muss nachts und am Wochenende arbeiten wollen. Wer das nicht will, ist bei uns falsch“, stellt Gossing die zwingende Grundvoraussetzung für den Lotsenberuf klar. Die Freizeit findet eher in der Woche statt. Weitere Voraussetzung sind gute Augen und Belastbarkeit. „Unter Stress muss man die richtigen Entscheidungen treffen können“, betont Gossing. Das wird heutzutage auch getestet. Ansonsten muss man der deutschen und der englischen Sprache mächtig sein.

Für Kira Lynn kein Problem. Sie spricht Deutsch und Dänisch von Geburt an, Fremdsprachen fallen ihr leicht. Zum Praktikum beim Anwalt kam sie über ihren Vater, der ist Gerichtsberichterstatter. Vor Gericht wirkten die Berufsziele Richterin, Staatsanwältin, Anwältin noch verlockend, im Kanzleialltag dann eher trist, hat die Schülerin erfahren.

Über Harald Gossing, einen Freund der Familie, entstand die Idee, ein Praktikum als Lotsin zu machen. „Dagegen war mein letztes Praktikum langweilig“, lautet Kira Lynns Fazit. „Die Lotsenleiter war spannend“, berichtet sie. Die war ihr Angstbild beim Praktikum. Sie meisterte sie bei Windstärke sieben auf der Elbe, als sie mit Harald Gossing vom Lotsenversetzboot aus nachts die Jakobsleiter hinauf an Bord der Patras stieg, einen 144 Meter langen Öltanker. Inzwischen enterte Kira Lynn rund ein Dutzend Schiffe, denn hauptsächlich war sie mit Harald Gossing als Hafenlotse, kurz HaLo, unterwegs. Der HaLo fährt vor allem raus auf die Elbe und steuert die wartenden Schiffe in die Schleusen. Vier bis fünf Schiffe sind das pro Schicht. „Harald ist einer der besten Lotsen. Seine ruhige Art gefällt mir. Er macht einen nicht nervös. Trotzdem redet er mit einem und erklärt was grade passiert“, beschreibt Kira Lynn hoch zufrieden ihrem Lehrmeister. Um die 20 Praktikanten zählt man bei der Lotsenbrüderschaft NOK 1 im Jahr, meistens Jungen, aber Mädchen sind im Kommen. Dennoch besteht die knapp 150 Lotsen umfassende Brüderschaft bisher nur aus Männern.

Kira Lynn schreckt das nicht ab. Beim „großen Bruder“ der NOK 1, den Elblotsen, gibt es bereits eine Lotsin. Elb- und Kanallotsen teilen sich das Lotsenheim auf der Brunsbütteler Südseite. Die Elblotsen sind zuständig für die Elbe von der deutschen Bucht bis hinauf nach Hamburg. Die größten Schiffe messen dort inzwischen 400 Meter. Kira Lynn strebt mit einem Notendurchschnitt von aktuell 1,8 zunächst ihr Abitur an. Der überaus abwechslungsreiche Lotsenberuf aber käme für sie schon in die engere Wahl. Damit hat das Schulpraktikum seinen Zweck erfüllt: Eine Orientierungshilfe bei der Berufswahl.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen