Grundschüler : Ein Tablett bauen für die Mama

In der Werkstatt: Die Kinder lernen von Manfred Schütt, wie man mit Werkzeugen umgeht. Darunter sind auch Leandra (vorne links) und Umut (vorne rechts).
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In der Werkstatt: Die Kinder lernen von Manfred Schütt, wie man mit Werkzeugen umgeht. Darunter sind auch Leandra (vorne links) und Umut (vorne rechts).

An der Bürgerschule lernen Kinder im offenen Ganztag von Manfred Schütt den Umgang mit Holz und Werkzeugen

shz.de von
20. Juli 2015, 12:00 Uhr

Vor Leandra liegen ein weiß lackierter Holzrahmen und ein Brett. Ohne Hemmungen nimmt die Neunjährige den großen Akkubohrer in beide Hände und bohrt kleine Löcher vor. Neben ihr steht Manfred Schütt und passt auf, dass sich das Mädchen nicht verletzt. „Jetzt leimen wir gleich die Ränder ein und fixieren das Holzbrett mit Nägeln auf dem Rahmen“, erklärt der Rentner den umstehenden Kindern. Alle sieben sind Schüler der Bürgerschule und lernen im Rahmen des offenen Ganztags von Schütt, wie sie mit Werkzeugen umgehen müssen und wie zum Beispiel aus einem Stück Holz ein Vogelhäuschen wird.

Leandra baut gerade ein Tablett. Wenn alles fertig ist, kann jeder sein eigenes Tablett mit nach Hause nehmen. „Damit können wir dann unseren Eltern draußen Kaffee und Kuchen servieren“, ruft Tobias begeistert und schnappt sich schon einmal seinen eigenen Holzrahmen.

Vor einem guten Dreivierteljahr war das erste große Projekt die Reparatur eines Fahrrades. „Ich habe den Kindern gezeigt, wie sie Reifen flicken oder Kabel neu anschließen können“, sagt Schütt. Der zehnjährige Umut konnte die neuen Fähigkeiten zuhause gleich einsetzen: „Mein Vater und ich haben ein Fahrrad repariert, aber wir mussten den ganzen Schlauch auswechseln. Da hatten Dornen ganz viele Löcher rein gemacht.“

Manfred Schütt hat den Unterricht im offenen Ganztag der Bürgerschule ehrenamtlich übernommen. „Ich bin von der Schule angesprochen worden. Und nachdem Schutzbrillen und Sicherheitshandschuhe angeschafft worden waren, konnten wir loslegen.“ Früher war er Kraftfahrzeugmechaniker und außerdem bei der Feuerwehr Gerätewart. „Damals hatte ich auch viel mit Kindern und Jugendlichen zu tun“, erzählt der Glückstädter. „Die Arbeit hier macht mir viel Spaß – vor allem weil die Kinder so motiviert sind. Es macht ihnen schon Freude, wenn sie nur etwas zusammensetzen dürfen und alle Ecken zueinander passen.“ Für ihn ist es besonders wichtig, dass Kinder lernen, wie sie mit Bohrer, Säge und Schmirgelpapier umgehen müssen. „Viele Eltern haben ja heute keine Zeit mehr dazu, ihren Kindern so etwas beizubringen. Und es ist wichtig, dass sie diese Fähigkeiten für später haben, zum Beispiel für den Beruf oder fürs Heimwerkern.“

Bei allen Projekten müssen die Kinder auf den Zentimeter genau messen – egal ob es darum geht, ein Adventsgesteck zu basteln oder ein aufwändiges Vogelfutterhaus mit Dachpappe und abgesetztem Birkenholz zu bauen. Irgendwann kam Umut auch mit einem ganz besonderen Wunsch zu Manfred Schütt. „Ich wollte für meine Mama einen Hocker aus Holz bauen“, erzählt der Junge. „Vorher hatte sie nur einen Plastikhocker, um damit am Computer zu arbeiten, aber der ist kaputt gegangen.“ Das Ergebnis war ein sehr robustes Stück Handarbeit – „das würde auch zwei Mütter aushalten“, sagt Schütt lachend.

Nach einiger Zeit sind die Kinder an diesem Tag fertig mit ihren Tabletts, jeder hält sein eigenes Werk in den Händen. Danach heißt es aber noch Aufräumen. „Wir räumen immer auf, das gehört dazu“, erklärt Schütt. „Aber dieses Mal dürfen die Kinder ihre Sachen mit nach Hause nehmen. Und nächstes Mal gehen wir Eisessen. Das steht uns dann auch zu.“

Im kommenden Schuljahr sind die meisten der Kinder schon auf der weiterführenden Schule. Dann werden andere Kinder in den Genuss des Werkel-Unterrichts von Manfred Schütt kommen.

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