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Norddeutsche Rundschau

17. August 2017 | 17:38 Uhr

Ein Stück Wirtschaftsgeschichte

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

250 Jahre Färberei Junge: Hamburger Textil-Restauratorin bereitet Ausstellung im Museum vor

250 Jahre war die Färberei Junge in Kellinghusen ansässig: Schon 1724, noch vor den Töpfern und Fayencemalern, ließen sich die Färber in der Störstadt nieder. Ausschlaggebend dafür war nicht zuletzt die Lage am Fluss. Über das Wasser erreichte das seinerzeit für das Färberhandwerk wichtige Blauholz aus Südamerika das Unternehmen. „Aufgekocht zogen die farbgebenden Bestandteile aus dem gehäckselten Holz ins Wasser“, erklärt Dominique Loeding. Erzielen konnten die Handwerker damit violette und schwarze Farbtöne.

Die Hamburger Textil-Restauratorin beschäftigt sich schon seit Monaten mit der Geschichte des für Schleswig-Holstein bedeutenden Unternehmens. Im Rahmen eines Werkvertrags, der durch die Firma Fielmann finanziert wurde, wertete sie zahlreiche handschriftliche Tage-, Reise- und Färbebücher aus der Zeit zwischen 1780 und 1949 aus.

Die Ergebnisse der Arbeit werden im Museum im kommenden Sommer in einer Sonderschau zu sehen sein. Seit 15 Jahren unterstütze Fielmann das Museum durch Ankäufe und Förderungen, so Museumsleiter Hans-Georg Blum. Das jüngste Projekt „Färberei Junge“ sei nun noch erweitert worden: „Fielmann wird auch die Umsetzung der Ergebnisse in eine Ausstellung zu fördern.“

Für die Aufarbeitung „eines Stücks Wirtschaftsgeschichte der Stadt“ sprach Bürgermeister Axel Pietsch (BFK) dem Museumsbeauftragten der Fielmann AG, Jürgen Ostwald, sowie Evgenij Rogalski, Leiter der Fielmann-Niederlassung Itzehoe, seinen Dank aus. Aufgrund des Projekts werde künftig viel mehr als nur der „Färbergraben“ mit der Textil-Färberei verbunden sein, so Pietsch. Dank für die Zusammenarbeit sagte der Stadtchef außerdem der Familie Junge, vertreten durch die Geschwister Ehler Junge und Marga Junge-Stolle sowie Sohn Moritz Stolle. Die Bereitstellung historischer Firmenunterlagen ermöglichten ihr „unglaublich spannende Einblicke“ in alte Färberbücher, unterstrich Fachfrau Loeding. Im ältesten aus der Zeit von 1740 bis 1780 entdeckte sie überraschend auch Rezepte für Maiglöckchen- und Rosmarinwein als Heil- und Lebenselixiere. Viel Mühe verwandte Loeding darauf, die Schrift in den zum Teil zerfledderten Büchern zu entziffern. „Papier war damals teuer, deshalb wurde so klein wie möglich geschrieben.“

Trotzdem konnte sie einem Notizheft über Färbermarken entnehmen, dass der Pastor aus Hörnerkirchen seine Hosen blau einfärben ließ. „Zimperlich waren die Färber auch nicht“, sagt sie und verweist auf Zutaten wie Arsen und Quecksilber. Und damit niemand auf die Idee kam, die wertvollen Färberrezepte zu stehlen, seien sie zum Teil in Chiffren niedergeschrieben worden. Die Reisetagebücher zeigen, dass Färber viel unterwegs sein mussten, wollten sie in ihrem Metier auf dem neuesten Stand der Entwicklungen bleiben. Auf der Suche nach Innovationen gelangte Ehler August Junge unter anderen nach Sachsen, wo es seit Ende des 18. Jahrhunderts eine moderne Textilindustrie gab. Getoppt wurde das Erlebnis in Wien, wo Junge erste synthetische Farbstoffe kennen lernte.

Von einer Vielzahl von Färbereien in Schleswig-Holstein hatte 1899 nur die Färberei Junge überlebt. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts kam das Ende für das Familienunternehmen. Anschaulich aufbereitet wird seine Geschichte im Rahmen einer Sonderausstellung im Sommer 2017.

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erstellt am 16.Dez.2016 | 16:33 Uhr

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