Wirtschaft : Ein Stück Leben kehrt zurück

Neuanfang an einem besonderen Ort: Andreas Koeppen (r.) überreicht Ingrid und Rolf Wilstermann die Baugenehmigung.
Neuanfang an einem besonderen Ort: Andreas Koeppen (r.) überreicht Ingrid und Rolf Wilstermann die Baugenehmigung.

Nach der Explosion ist die erste Baugenehmigung für ein Grundstück in der Schützenstraße erteilt worden

Kay Müller von
29. Mai 2015, 12:14 Uhr

Es ist nicht irgendeine Baugenehmigung. Nicht wie sonst in einer Schmuckmappe, sondern in einem gewöhnlichen blauen Aktendeckel überreicht Bürgermeister Andreas Koeppen das Dokument an Ingrid und Rolf Wilstermann, die auf dem Grundstück von Haus Nummer 5 in der Schützenstraße einen Neubau errichten wollen. „Viele Menschen, die hier gewohnt haben, wollen zurück. Ich bin froh und dankbar, dass sie dazu einen ersten Schritt machen“, sagt Koeppen.

Über ein Jahr ist es her, dass direkt daneben ein Bagger eine Gasleitung traf und eine Explosion auslöste, bei der vier Menschen ums Leben kamen. Das Ehepaar Wilstermann war zu dem Zeitpunkt im Urlaub in der Dominikanischen Republik. „Wir bekamen eine SMS, in der es hieß, dass in der Schützenstraße eine Wohnung explodiert ist. Wie schlimm es wirklich war, haben wir erst später auf Bildern im Internet gesehen“, sagt Rolf Wilstermann. „Da lief es mir kalt den Rücken runter. Und es läuft mir heute immer noch kalt den Rücken runter“, sagt der Mann aus Windbergen (Dithmarschen) als er auf das Grundstück blickt, auf dem einmal das Gebäude mit der Nummer 3 stand auf dem jetzt ein Kreuz, ein verwelkter Kranz und viele Kerzen an die Opfer erinnern.

Auf den Bildern sieht er auch, dass das Haus seiner Familie noch steht. Doch es ist schwer beschädigt. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht, aber uns am Ende doch für den Abbruch entschieden“, sagt Wilstermann. Eine Sanierung hätte sich nicht mehr gelohnt. „Auch wenn man viel modernisiert, es bleibt ein altes Haus.“

Andreas Koeppen ist froh, dass in der Schützenstraße der Wiederaufbau beginnt. „Ich hoffe, dass Sie den anderen Eigentümern einen Impuls geben“, sagt er zu den Wilstermanns. Er habe mit allen gesprochen, die meisten hätten Interesse bekundet, wieder Wohnungen in der Schützenstraße zu bauen. „Aber vielleicht gibt es bei dem einen oder anderen noch Schwierigkeiten mit der Versicherung.“

Auch die Wilstermanns haben nur ein Drittel der Versicherungssumme bekommen, mussten den Abriss selbst bezahlen. Nun wollen sie bis zum kommenden Jahr wieder ein dreigeschossiges Haus mit sechs Wohnungen errichten. Jedes Appartement soll 68 Quadratmeter groß sein und einen Balkon haben. „Wir hoffen, dass wir gute Mieter bekommen“, sagt Rolf Wilstermann. Zwei der ehemaligen Bewohner hätten schon Interesse bekundet. Die zentrale Lage sei günstig, im Hinterhof gibt es sogar noch Garagen, deren Mauern der Explosion standgehalten haben. „So etwas findet man sonst nicht in Itzehoe.“ Dazu ist die Straße wie geplant saniert worden, es gibt neue Parkbuchten, Bänke und Tische.

Doch auch für die neuen Bewohner wird die Schützenstraße ein besonderer Ort bleiben, eine Gedenktafel wird immer an die Opfer der Explosion erinnern. „Ich hoffe aber, dass trotzdem alle Grundstücke wieder bebaut werden“, sagt Koeppen. „Es wird eine Narbe in der Stadt bleiben, aber ich wünsche mir, dass man sie nicht mehr so deutlich sieht.“

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