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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 22:43 Uhr

Regenwasserkanal : Ein Schlauch wird zum Rohr

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Kanalsanierung mit hochmoderner Technik: Glasfasergewebe im Regenwasserkanal soll 50 Jahre halten

„Hoffentlich regnet es nicht.“ Detlef Nyolt blickt besorgt zum Himmel. Denn er arbeitet mit Kollegen an einem Regenschacht im Stadtteil Kimming. Der Schacht darf nicht volllaufen, denn dort soll an diesem Tag ein neues Rohr verlegt werden – ein ganz spezielles.

Rohr in Rohr heißt das Geheimnis – und verlegt wird, ohne die Straße aufzureißen. Das alte Regenwasserrohr ist marode. Die Erdbewegungen im ehemaligen Spülland haben ihr übriges getan.

Detlef Nyolt und seine Kollegen sind Spezialisten, die mit einem besonderen Verfahren arbeiten. Zunächst ziehen sie mit einem Roboter eine Seilwinde durch das 55 Meter lange, alte Rohr. Am Ende angekommen, holt ein Mitarbeiter das Windenendstück aus dem Schacht.

Auf einem Kleinlaster mit Förderband wartet ein platt gedrücktes Spezialmaterial – ein Gewebe aus Glasfaser. Sachte wird der Strang Stück für Stück über das Förderband heruntergelassen in den Schacht. Jan Hoffmann hat sich so hingesetzt, dass er mit seinem Stiefel das Gewebe an die Wand drückt, manchmal hilft er mit der geballten Faust nach. Der lange Schlauch muss „richtig gut rutschen“ können. „Damit sich hier nichts verdreht“, so Hoffmann.

Zehn Minuten lang geht es so, bis der Strang im Schacht verschwunden ist. 55 Meter weiter sind die Kollegen dabei, das Stück mit der Winde heranzuziehen. Der Anfang liegt bereits im Schacht, da reißt das Seil aus Teflon. So etwas darf nicht passieren und ist laut Bauleiter Reinhard Stemmler noch nie passiert. Doch es ist geschafft, alle atmen auf, auch Auftraggeber Björn Johannssen, Projekt Leiter von der Stadtentwässerung Glückstadt (SEG), sowie sein Kollege Dieter Pahl.

Im nächsten Schritt wird viel Luft in den gerade verlegten Schlauch gepumpt. „Es ist ein mit Epoxid-Harz getränkter Schlauch“, erklärt Detlef Nyolt. Durch die eingepumpte Luft kann sich das neue Rohr im Rohr aufrichten. Der nächste Schritt dient dazu, dass es ein haltbares Rohr wird. Eine Lichterkette mit UV-Lampen wird eingeführt. Das Licht härtet computergesteuert das Harz im Gewebe so aus, dass es eine fünf Millimeter starke Außenwand bildet. Die Aushärtung dauert dann etwas über eine Stunde. „Das Rohr härtet aus, wie eine Plombe beim Zahnarzt“, scherzt Reinhard Stemmler. Zwar gibt es diese Technologie erst seit fünf Jahren, aber so hofft er: „Das Rohr wird 50 Jahre halten.“ Damit ist die Arbeit aber noch nicht zu Ende. „Wir müssen noch die Stützen auffräsen.“ Die jeweiligen Hausanschlüsse werden mit der Roboteranlage angepasst.

Für Björn Johannssen hat diese Art der Kanalsanierung Vorteile. Denn mit diesem Verfahren kostet ihn die Baustelle nur 70 Prozent dessen, was die Verlegung eines neuen Rohres auf herkömmliche Art kosten würde. 150 000 Euro werden es wohl trotzdem sein – für 55 Meter Länge. Dafür aber innerhalb von 24 Stunden erledigt. „Das können wir aber nur machen, wenn die Schäden nicht zu stark sind.“

 

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erstellt am 30.Okt.2014 | 11:45 Uhr

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