Interview : Ein Paris-Roman aus Glückstadt

Tania Schlie schreibt ihre Romane immer in ihrem Büro in ihrem Haus in Glückstadt.
Tania Schlie schreibt ihre Romane immer in ihrem Büro in ihrem Haus in Glückstadt.

Tania Schlie erzählt im Interview, wie sie zusammen mit ihrer Freundin Katrin Traoré das Buch „Das Lied des blauen Mondes“ geschrieben hat.

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24. Juli 2015, 17:00 Uhr

Die Glückstädterin Tania Schlie hat schon viele Bücher geschrieben. Dazu gehören kunst- und kulturhistorische Bücher, historische Romane und Liebesgeschichten. Zum ersten Mal hat die 54-Jährige jetzt mit ihrer Kollegin und Freundin Katrin Traoré gemeinsam einen Liebesroman verfasst. Die beiden Frauen kennen sich schon seit ihres Studiums und haben ein Auslandsjahr zusammen in Paris verbracht. Da lag es nahe, die Geschichte auch in der Stadt der Liebe spielen zu lassen. In dem im Juni erschienen Buch, „Das Lied des blauen Mondes“ geht es um zwei Frauen, Juliette und Manon. Juliette ist Anfang 40, hat gerade ihre unglückliche Beziehung beendet und will jetzt vor allem eins: in Ruhe Möbel restaurieren. Doch plötzlich taucht ihre Tante Manon auf, die in den 60ern eine erfolgreiche Chansonnière war. Sie ist nach Paris zurückgekehrt, um ein Erbe anzutreten, das Haus ihrer verstorbenen Jugendliebe, das Erinnerungen an eine Zeit voller Leidenschaft und Musik weckt. Und an eine tragische Liebesgeschichte, die sich in dem Buch mit der Gegenwart verwebt. Denn plötzlich taucht Gèrard in Juliettes Leben auf und Manon zeigt ihr, dass es sich lohnt, für die Liebe zu kämpfen.

Frau Schlie, Sie haben Ihr neuestes Buch zusammen mit Ihrer Freundin Katrin Traoré geschrieben. Wie haben Sie das gemacht?

Katrin Traoré hat die Kapitel über die jüngere Juliette geschrieben – und ich die Kapitel über die ehemalige Sängerin Manon. Wobei wir die Kapitel vorher natürlich inhaltlich ziemlich genau festgelegt haben. Aber einzelne Szenen sind auch im Gespräch entstanden. Wir haben uns dann wirklich vorgestellt, dass ich Manon bin und Katrin Juliette. Als diese beiden haben wir dann miteinander gesprochen und geschaut, was daraus entsteht.

Auf dem Umschlag Ihres Buches steht der Name „Natalie Simon“ – warum haben Sie nicht einfach Ihre beiden eigenen Namen genommen?

Das macht man bei Romanen nicht – das hätte doof ausgesehen. Diese Art Literatur spielt mit den Emotionen und im besten Fall glaubt der Leser, dass die eigene Geschichte erzählt wird, mit der er sich identifizieren kann. Wenn dann zwei Autoren vorne drauf stehen, hätte das nicht so gut funktioniert. Wir haben uns nach vielem Hin und Her einen französischen Namen ausgesucht. Ich habe auch früher schon Pseudonyme benutzt. Unter Tania Schlie mache ich eher Kunst- und Kulturgeschichte und Greta Hansen sind klassische Unterhaltungsromane mit einem historischen Hintergrund.

Wie sind Sie auf die Geschichte in „Das Lied des blauen Mondes“ gekommen?

Katrin Traoré und ich sind beide Paris-Fans, wir mögen beide Chansons, aber auch Liebesgeschichten. Wir hatten immer die Idee im Kopf, dass wir mal zusammen einen Roman schreiben müssten. Irgendwann haben wir dann angefangen, nach einem Thema zu suchen. Die Vorarbeit war lange. Wir haben immer wieder mal darüber gesprochen – und auf einmal war die Geschichte da. Und dann haben wir sie einem Verlag angeboten.

Gibt es Vorbilder für die Charaktere in diesem Buch?

Für Juliette nicht – die ist eher ein Mix aus ganz vielen Frauen, die Katrin Traoré und ich kennen. Bei Manon haben wir uns die Biographien von Chanson-Sängerinnen angeschaut, die um die selbe Zeit gesungen haben. Ich kenne auch selber ein paar solcher Vorbilder, die weit jenseits der 70 sind. Frauen, die ich ganz toll finde, zu denen ich aufschaue und bei denen ich denke, dass ich, wenn ich in ihrem Alter bin, auch gerne genau so wäre.

Wenn Sie die Liebe beschreiben, woher nehmen Sie dann diese Gefühle?

Das ist manchmal etwas, das ich gelesen habe, das ich in einem Film gesehen habe oder es sind Gefühle, wie ich sie mir erträume. Aber ich würde nie meine eigene Beziehung beschreiben. Das fände ich auch unfair gegenüber meinem Mann. Ich schlachte ja auch nicht andere Personen aus, die ich kenne. Entweder sind es öffentliche Personen oder ich denke mir etwas aus.

Sie haben Paris sehr detailliert beschrieben. Gibt es auch einen persönlichen Lieblingsort den Sie verarbeitet haben?

Es gibt in Paris mehrere Lieblingsorte, aber ich mag besonders gerne das 20. Arrondissement, in dem die Geschichte spielt. Dort ist es noch relativ ursprünglich. Ich war gerade wieder da, habe dort auch gelebt. Und ich mag total gerne diese Straße, in der das Haus steht, das Manon vererbt wird. Im Mai 2014 waren Katrin Traoré und ich in Paris, wir haben uns genau die Straße angeguckt und uns dort auch ein Haus für unsere Geschichte ausgesucht. Es steht in einer kleinen Stichstraße und am Ende ist diese Mauer, die den Friedhof Père Lachaise umgibt. Da ist es ganz grün und man hört immer mal wieder Vögel zwitschern. Diese Atmosphäre finde ich schön.

Könnten Sie sich auch vorstellen, über Glückstadt zu schreiben?

Ich weiß nicht – da hätte ich immer Angst, dass es zu dicht an meinem Leben dran ist. Ich befürchte dann, dass es Leute gibt, die denken, ich würde sie meinen – auch wenn das gar nicht so ist. Ich schreibe eher über Hamburg. Hamburg und Paris sind so meine Städte, die ich gut beschreiben kann, weil ich dort gelebt habe und sie auch sehr gut kenne.

Gibt es Orte in Glückstadt, an denen Sie Inspiration suchen?

Wenn es beim Schreiben hakt und mir nichts einfällt, dann mache ich einfach einen langen Spaziergang am Deich oder am Hafen. Ich glaube, dann rede ich auch mit mir selber – und hoffe immer, dass es keiner sieht.

Denken Sie beim Schreiben auch an Ihren Leser und überlegen, was ihm gefallen könnte?

Beim Schreiben selber nicht, da bin ich ganz dicht an meiner Figur und versuche, mich in sie hinein zu versetzen. Aber wenn ich meinen Text dann hinterher überarbeite, dann achte ich darauf, dass der Leser mir noch gut folgen kann. Würde ich dem Leser wirklich entgegen schreiben, würde ich vielleicht eher so etwas wie „Shades of Grey“ schreiben, was ich aber nie tun würde. Ich könnte auch keine Psychothriller schreiben. Meine Leser wollen sich einfach eine gute Geschichte erzählen lassen und sich nebenbei noch ein bisschen Hintergrundwissen aneignen. Bei Natalie Simon ist es außerdem noch dieses Pariser Flair, das die Leute zum Träumen bringt.

In Ihrem Buch geht es ja auch viel um das Restaurieren von alten Möbeln. Kannten Sie sich da vorher schon aus?

Nur ganz entfernt, weil mein Mann mal Tischler gelernt hat. Aber so etwas versuche ich mir dann wirklich anzulesen. Und ich gehe in Museen. In Paris waren Katrin Traoré und ich in der Rue Saint-Antoine, wo man diese alten Werkstätten, wie wir sie beschreiben, noch ansehen kann. Wenn wir dann gesagt haben, dass wir ein Buch über das Thema schreiben, waren die meisten Leute sehr aufgeschlossen und erzählten, wie und warum sie Möbel restaurieren. Auf diese Weise setzt sich nach und nach ein Puzzle zusammen.

Gibt es auch schon ein neues Projekt, an dem Sie arbeiten?

Ja, es gibt einen zweiten Roman von Natalie Simon, wozu wir schon das Expose geschrieben haben. Das spielt in Paris, aber auch in der französischen Provinz. Das ist aber kein Nachfolgeband, sondern eine komplett andere Geschichte.

Werden Sie in Glückstadt noch eine Lesung machen?

Ich stelle eigentlich jedes meiner Bücher in der Bücherstube vor. Dieses also auch, es gibt nur noch keinen Termin.

>Der Roman „Das Lied des blauen Mondes“, ISBN 978-3746631400, ist für 9,99 Euro im Handel erhältlich. Es gibt auch eine Hörbuch-Ausgabe.

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