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Persönlichkeit : Ein Leben für den Heider Markt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Altmarktmeister Heinrich Schultz feiert 90. Geburtstag – und wird am Freitag von seiner Heimatstadt mit einem besonderen Geschenk überrascht.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Er steht für Heide wie der Wasserturm und ist seit Jahrzehnten das Markenzeichen der Dithmarscher Kreisstadt – morgen nun wird unser Heinrich 90! Und es wartet eine große Ehrung auf den Jubilar. Verraten wollen wir sie an dieser Stelle aber noch nicht, sonst wäre es ja keine Geburtstagsüberraschung. Aber wir wollen schon mal ein wenig aus dem Leben des Altmarktmeisters Heinrich Schultz erzählen, der in ganz Norddeutschland so bekannt wie der berühmte „bunte Hund“ ist.

In seiner aktiven Zeit als Marktmeister sorgte Schultz nicht nur jeden Sonnabend auf dem Wochenmarkt für Ordnung, er organisierte auch die Jahrmärkte, die Besucher aus ganz Schleswig-Holstein nach Heide lockten. Dass immer wieder die neuesten Karussells auf dem Heider Frühjahrsmarkt aufgebaut wurden, erreichte Schultz vor allem durch seine Freundschaft mit vielen Schaustellern. So traf man unseren Heinrich auch schon mal zufällig auf dem Bremer Freimarkt.

Heinrich Schultz ist ein echter Heider Jung. Am 12. September 1924 wurde er als Sohn eines Justizwachtmeisters direkt am Markt geboren. Häufig besuchte der kleine Heinrich den Wochenmarkt und die Volksfeste. Nach dem Besuch der Knabenbürgerschule in Lohe-Rickelshof machte er 1939 eine Lehre als Maschinenbauer. Dann, im Alter von nur 17 Jahren, holte ihn der Krieg. Er war Soldat in Frankreich und Italien, geriet in amerikanische Gefangenschaft in Belgien. Nach der Rückkehr 1948 erhielt er zum Glück eine Anstellung bei einer Pfeifenfabrik. Und er fand auch sein privates Glück, heiratete 1955 seine Lotte.

Ende der 1960er Jahre berief ihn die Stadt zum Marktmeister. Nicht nur mit vielen Händlern und Schaustellern, sondern auch mit Zirkusleuten schloss er mit den Jahren tiefe Freundschaften. Wie selbstverständlich gastierten damals große Zirkusunternehmen wie Krone oder Althoff auch im kleinen Heide. Und stets stand Heinrich den Gästen mit Rat und Tat zur Seite, rührte auch mächtig die Werbetrommel für alles, was mit Deutschlands größten Marktplatz zu tun hat.

Längst war aus dem Marktmeister-Job ein Hobby geworden und niemand wunderte sich darüber, als Heinrich nach seiner Pensionierung 1987 einfach weiter machte – als „Marktmeister un‘ sien Fru“. Seine Frau Lotte und er waren seitdem für Heide die Werbefiguren schlechthin. Im Modestil der Jahrhundertwende warben die beiden in ganz Deutschland für die gesamte Ferienregion Dithmarschen, sogar ein Likör wurde nach ihnen benannt.

2003 starb Lotte, ihr Heinrich machte trotz seines hohen Alters als „Altmarktmeister“ weiter, darf bei keinem wichtigen Anlass in Heide fehlen. Klingelt noch immer die Jahrmärkte ein oder verkündet die Marktordnung zum Mittelalter-Fest „Heider Marktfrieden“.

All diese „schönen Aufgaben“ möchte Heinrich auch in Zukunft wahrnehmen – und wenn es mal wieder zu spät wird, fährt ihn der Bürgermeister gerne höchstpersönlich nach Hause.

 

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