Wanderverein Kreis Steinburg : Ein Leben für das Wandern

Wanderführerin: mit Leib und Seele: Die 87-jährige Dörte Franzen.
Wanderführerin: mit Leib und Seele: Die 87-jährige Dörte Franzen.

Dörte Franzen leitet seit einem halben Jahrhundert Touren durch die Landschaft und hat seit 1968 700 Führungen angeboten.

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07. Oktober 2018, 15:51 Uhr

Dörte Franzen feiert in diesen Tagen ein seltenes Jubiläum: Die 87-Jährige ist seit 50 Jahren Wanderführerin – zuerst für die Wanderbewegung Norddeutschland, jetzt für den Wanderverein Kreis Steinburg. Aktiv ist sie auch für die Wanderfreunde Eddelak. Nachgewiesen hat die Itzehoerin seit Oktober 1968 insgesamt 700 Führungen. Das Besondere daran: Bis auf die Adventswanderung von Itzehoe nach Hohenlockstedt entlang der stillgelegten Bahnstrecke sind alle Routen verschieden, und bis auf die eine hat sie alle selbst ausgearbeitet.

Drei dicke Ordner dokumentieren Wanderaktivitäten auf Wegen von insgesamt mehr als 38 000 Kilometern Länge. Nicht enthalten sind darin Alleingänge wie vier Wanderungen von Roskilde und quer durch Deutschland bis Lugano auf dem Europäischen Fernwanderweg 1. Trotz der Vielzahl an Eindrücken und Kilometern: An ihre erste Wanderung erinnert sich Dörte Franzen noch genau. Sie führte um die Münsterdorfer Geestinsel herum, war 23 Kilometer lang.

In den ersten Jahren begleiteten sie meist bis zu 40 Gleichgesinnte auf Routen, die bis zu 25 Kilometer lang waren. Heute ist das anders. Nachdem sich Dörte Franzen 2014 zwei Knieoperationen unterziehen musste, reduzierten sich die Längen schon bald um die Hälfte – und dabei ist es bis heute auch geblieben. Verändert haben sich im Laufe der Jahre auch die Teilnehmerzahlen. Heute sei sie froh, „wenn wir etwas mehr als zehn sind“, die die Landschaft genießen oder von Sehenswürdigkeiten an der Strecke Notiz nehmen wollen. Sehr oft kann sie dann auch etwas darüber berichten.

Im Zuge ihrer Aktivitäten hat Dörte Franzen für sich und ihre Begleiter viele Strecken ausgearbeitet mit Wanderungen in Schleswig-Holstein ebenso wie in anderen Bundesländern und im europäischen Ausland. Unterwegs war sie tageweise und im Rahmen mehrtägiger Ferienfreizeiten. Kennengelernt hat sie so die Schwäbische Alb, den Südharz und das Saarland, das sie umrundet hatte. Zudem kennt sie den Weg von Jugendherberge zu Jugendherberge in Luxemburg oder Bereiche der dänischen Ostseeküste.

Um Land und Leute auch in Schleswig-Holstein besser kennenzulernen, wandte sich Dörte Franzen nach der Pensionierung Wanderungen zu, die das nördliche Bundesland umschließen. Die 1771 Kilometer wurden in 90 Tagesetappen bewältigt. Sie wanderte auf dem „Li-La-Weg“ von List nach Lauenburg, auf dem „Glücks-Weg“ von Glücksburg nach Glückstadt und auf dem „Zick-Zack-Weg“ von Klanxbüll nach St. Margarethen über Holnis, St. Peter-Ording, Strande, Itzehoe und Groß-Zecher. „Eigentlich“, so berichtet sie, „sollte in Itzehoe Schluss sein, aber Wanderfreunde haben mich dazu überredet, den Zick-Zack-Weg um einige Kilometer länger zu machen“.

Geplant waren die Wanderungen durch Schleswig-Holstein anfangs auch nur für die Steinburger Wanderfreunde. „Weil ich sehr bekannt war, haben sich aber auch Mitglieder anderer Vereine in Schleswig-Holstein und Hamburg angeschlossen.“ Wer sich mit Dörte Franzen über das Wandern unterhält, lernt eine Frau kennen, die sehr akribisch arbeitet – für die von ihr Geführten, aber auch für die, die auf eigene Faust Wege abgehen wollen.

Aus diesem Grunde hatte sie mitgearbeitet an dem Buch „Wandern und Erholen im Kreis Steinburg“, das der Kreis und die Stadt Itzehoe 1992 mit 61 Wandervorschlägen herausgegeben hatte. Ihre Aktivitäten dokumentiert auch der in den 1970er Jahren von der Bundesbahndirektion Hamburg herausgegebene Druck „Wandern mit der Bahn“. Für dieses Werk hatte Dörte Franzen drei Touren im Bereich Itzehoe ausgearbeitet.

Viel Zeit investierte sie auch in die Markierung von Wanderwegen, die mehrere Länder berühren. Auf der Trasse des Fernwanderweges Nummer 1 vom Nordkap bis nach Genua und auf der vom Internationalen Küstenweg, der von der französischen Atlantikküste bis ins russische St. Petersburg reicht, lieferte sie die Angaben, die den Kreis Steinburg betreffen. Trotz ihrer langjährigen Mitarbeit in den Organisationen der Wanderbewegung: Der Aufgabe müde geworden ist sie nicht, wie ihr neuestes Projekt „Durch die Wälder im Kreis Steinburg“ zeigt.

Mit Blick auf die „großen Verdienste“, die sich die passionierte Wanderführerin in einem halben Jahrhundert erworben hat, urteilt der Vorsitzende des Wandervereins Kreis Steinburg, Helmut Reich: „Dörte Franzen ist eine tragende Säule in unserem Verein.“




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