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Norddeutsche Rundschau

21. November 2017 | 05:24 Uhr

Ein Kulturprojekt am Scheideweg

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Werden aus 25 Wochen Tanz und Theater in der Wilstermarsch vielleicht 125 Wochen oder sogar mehr ? Erste Bilanz fällt positiv aus

shz.de von
erstellt am 10.Jun.2015 | 10:35 Uhr

Ginge es nach den Initiatoren, hat das Kulturprojekt „25 Wochen Tanz und Theater in der Wilstermarsch“ eine Zukunft – zumindest für weitere zwei oder drei Jahre. Nach einer überaus positiven Zwischenbilanz des noch bis August laufenden kulturellen Feuerwerks in der Alten Schule in Wilster wurde nun in großer Runde mit Vertretern aus Politik, Gewerbe und Gesellschaft die Frage diskutiert: Wie geht es weiter  ? Projektleiter Anton Brade machte deutlich, dass das im Norden bislang einmalige Angebot bei einer Weiterführung auch finanziell und organisatorisch auf gesunde Beine gestellt werden müsse. Dafür brauche er zunächst einmal den Rückhalt aus der Region. Und das Feedback fiel an dem Abend durchweg positiv aus.

Zuvor hatten Brade und Carmen Galba für die hinter dem Kulturprojekt stehende Stadtwerkstatt in einem Rückblick deutlich gemacht, welche Kreise die „25 Wochen“ schon gezogen haben. So lockten die Kurse und Veranstaltungen sogar schon Besucher aus Husum, Kiel, Flensburg und Hamburg in die Wilstermarsch. Carmen Galba: „Es gibt einen immer größer werdenden festen Kern mit wechselnder Besetzung.“ Sie schwärmte dabei vor allem von der tollen Atmosphäre, die von Besuchern wie Dozenten immer wieder gelobt worden sei. „Und es gab viele ganz tolle Begegnungen.“

Anton Brade erinnerte an die Anfänge: „Es war erst einmal nur so die Idee, lasst uns das mal ausprobieren.“ Er zeigte sich selbst davon überrascht, was in so kurzer Zeit auch dank vieler Helfer auf die Beine gestellt werden konnte. Kurz nach der Halbzeit des seit März laufenden Projekts brauchten die Akteure jetzt aber einen spürbaren Rückhalt aus der Region.

Tatsächlich war das Kulturfestival bislang mit viel persönlichem und ehrenamtlichem Einsatz zum Laufen gebraucht worden. Der Schulverband stellte die Räumlichkeiten, die Volkshochschule unterstützte mit der Aufnahme in ihren Kursplan, Firmen und Privatpersonen steuerten als Startkapital 8000 Euro sowie Sachspenden im Wert von rund 5000 Euro bei. Helmut Wedemeyer (Stadtwerkstatt) sprach von „idealen Rahmenbedingungen“. „Für eine langfristige Perspektive brauchen wir aber eine Förderung“, machte Anton Brade klar.

Während sich die Vertreter aus dem politischen Raum in der Diskussion noch eher zurück hielten, gab es von anderen Seiten die Ermunterung zum Weitermachen. Olaf Reese: „Es ist etwas Positives für den Ort, wenn Wilster mit etwas so nicht Alltäglichem in der Region wahrgenommen wird.“ Der Vorsitzende des Gewerbe- und Verkehrsvereins erinnerte daran, dass auch Wacken vor 25 Jahren ganz klein angefangen habe. Reese bescheinigt dem Projekt einen schon großen Bekanntheitsgrad. „Das Problem ist: Es müssen sich noch mehr Menschen zur Teilnahme aufraffen.“

Für den Tourismus-Experten Olaf Prüß sind die 25 Wochen in diesem Jahr „ganz klar das kulturelle Highlight im Kreis Steinburg“. Er lobte die Akteure für ihren Mut und ihr Durchsetzungsvermögen. Hans-Werner Speerforck vom Regionalverein Wilstermarsch sprach sich für eine zumindest befristete Weiterführung des Projekts aus. „Erst in zwei, drei Jahren kann man dann sehen, ob es wirklich in der Marsch angekommen ist.“ Beidenfleths Bürgermeister Peter Krey empfahl, „weiter zu trommeln und zu klopfen“ und auf den jetzt vorhandenen Enthusiasmus aufzubauen. Krey mahnte allerdings auch: „Künstler leben nicht vom Applaus allein – und die Marsch ist da manchmal eher etwas schwerfällig.“

Dass jetzt das Thema Finanzierung auf den Tisch muss, ist auch den Akteuren bewusst. Carsten Döhler (Stadtwerkstatt): „Durch das Startkapital und enormem ehrenamtlichen Einsatz trägt sich das Festival bisher.“ Auf längere Sicht könne man das aber nicht durchhalten.

Anton Brade und seine Mitstreiter kündigten als nächsten Schritt die Erstellung eines Finanzkonzepts an. In jedem Fall soll zudem ein Verein ins Leben gerufen werden, um das Projekt auf möglichst viele Beine stellen zu können.

Olaf Reese fasste den Abend schließlich so zusammen: „Wir sind uns alle einig: Es wäre gut, wenn es weiter geht.“ Alle Beteiligten wissen aber auch, dass es möglichst ohne lange Pause nach der letzten Veranstaltung am 30. August weitergehen muss, um in Schwung zu bleiben. VHS-Chef Uwe Maaß: „Wir müssen die jetzt vorhandene Begeisterung mitnehmen.“ Die nächste gute Gelegenheit dazu gibt es am 12. Juli bei einem großen Tanzfest gemeinsam mit den Landfrauen und vielen weiteren Akteuren.

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