Bildung : Ein Kämpfer für die Schwächeren geht

Ihm wird im Ruhestand nicht langweilig: Kurt John von Zydowitz.
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Ihm wird im Ruhestand nicht langweilig: Kurt John von Zydowitz.

Der Leiter der Pestalozzi-Schule, Förderzentrum Lernen, Kurt John von Zydowitz, wird pensioniert

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29. Januar 2015, 17:10 Uhr

„Ein komisches Gefühl.“ Mehr als 40 Jahre lang war Kurt John von Zydowitz als Lehrer und Schulleiter tätig. Morgen wird der 65-Jährige aus Wilster in den Ruhestand verabschiedet – doch weder Kinder noch Eltern sind dabei. Denn die Pestalozzi-Schule, Förderzentrum Lernen, ist im dritten Jahr eine Schule ohne Schüler, wie der Rektor sagt.

Die 240 Schützlinge werden vom 28-köpfigen Kollegium an den Regelschulen unterrichtet: Vier Gemeinschaftsschulen in Itzehoe sowie sieben Grundschulen in Itzehoe, Lägerdorf und Münsterdorf gehören zum Zuständigkeitsbereich. Am Standort in der früheren Hauptschule in der Schulstraße ist es ruhig, allein die Zehntklässler der Wolfgang-Borchert-Schule und die Schulwerkstatt des Förderzentrums bringen Leben ins Haus. Vor Jahrzehnten sei es sinnvoll erschienen, die Kinder in einer eigenen Einrichtung aufzubauen, sagt von Zydowitz. Aber das weitere Leben verlaufe nun einmal inklusiv, deshalb sieht er die Kinder in den Regelschulen am richtigen Platz: „Das ist der Lauf der Förderzentren.“

Von Zydowitz lernte erst Grund- und Hauptschullehrer. „Dann habe ich mich entschieden, mich um Kinder zu kümmern, die noch mehr Unterstützung brauchen.“ Nach dem Studium der Lernbehinderten- und Sprachheilpädagogik fing er am 1. März 1974 an der Schule für Lernbehinderte in Wilster an. Und blieb dort. Schnell rückte von Zydowitz in die Schulleitung auf, 1992 wurde er Rektor. Die Möglichkeit zum Gestalten reizte ihn, und davon machte er reichlich Gebrauch: „In Wilster haben wir viele Entwicklungen schon vor 20 Jahren gesehen und ausprobiert. In der Marsch hat man einen weiten Blick.“

Veränderungen wollte von Zydowitz aktiv gestalten und sie nicht über sich ergehen lassen. Als die Wilsteraner Schule ihre Selbstständigkeit verlieren und Itzehoe zugeordnet werden sollte, besetzte er 2007 die vakante Stelle in der Kreisstadt: Schulleiter wollte er bleiben, auch für Wilster. Später wurde dem Vorschlag gefolgt, die drei Förderzentren Wilster/Itzehoe, Krempe/Glückstadt und Hohenlockstedt/Kellinghusen zu bilden. Allerdings wurde Wilster bald Krempe zugeschlagen – „für alle betrüblich, aber der Kontakt ist nicht abgebrochen“, sagt von Zydowitz.

Viel sei bewirkt worden, stellt er fest: Die Sprachheil-Klasse „Komm und sprich“, Sprachförderung in Kindergärten, Kooperationsvereinbarungen mit weiterführenden Schulen, Vernetzung, Austausch, Anregungen. Der Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung in den Schulen sei gestiegen. Dabei gehe es stark auch um das „Schaffen von lernförderlichen Voraussetzungen“: Die Lehrkräfte des Förderzentrums beraten viel, seit diesem Schuljahr gibt es ein Tandem-System, um die Kollegen der Regelschule zu begleiten.

Nur kurz war von Zydowitz’ Zeit als Personalrat – aber gute Arbeitsbedingungen seien sein Hauptanliegen geblieben: „Wenn die Kollegen damit zufrieden sind, kommen gute Ergebnisse dabei heraus.“ Das werde schwieriger, weil es von den Bedingungen in der Regelschule abhänge. Viele engagierte Pädagogen gebe es dort, aber die Ressourcen seien das Problem. Dringend notwendig sei für die Inklusion an Schulen gutes Personal – wie Erzieher und Sozialpädagogen. Und vor allem müsse das Thema in die Köpfe: „Das wird noch ein langer Prozess sein.“

Er wird ohne den 65-Jährigen weiterlaufen. Zunächst übernimmt seine Stellvertreterin Martina Engelbrecht-Hoch, im Sommer soll der Nachfolger den Dienst aufnehmen. Hoch qualifizierte Bewerber hätten Interesse an dem Posten, im Frühjahr solle der Wahlausschuss tagen, sagt Schulrat Arnold Rehder. Dann genießt von Zydowitz schon die „Muße für alles, was liegen geblieben ist“. Die Aufgabe als Leiter der Volkshochschule Wilster hat er vor zwei Jahren abgegeben, doch etwas Neues werde er finden, sagt er gelassen. „Irgendwo war ich immer engagiert – und als Lehrer bin ich es gewohnt, Übergänge zu gestalten.“

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