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Startup aus SH : Ein Itzehoer weiß, wie Reeder Millionen sparen könnten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Richard Marioth reduziert mit Analysen den Treibstoffverbrauch von Schiffen – ein lukratives Thema.

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Itzehoe | „Die Schifffahrt steckt noch im Dinosaurierzeitalter der Datenanalyse“, sagt Richard Marioth (31), der hinter einem Bildschirm in seinem Büro im Itzehoer Innovationszentrum (Izet) sitzt. Reedereien wüssten zwar durch GPS, wo ihre Schiffe unterwegs seien und wie viele Knoten sie fahren, aber was die Besatzung sonst noch an Berichten anfertige, werde nur selten analysiert. Für viele sei es wegen fehlender Messinstrumente gar nicht möglich, überhaupt weitere Daten am Schiff zu erheben. Dabei stecke hier großes Potenzial: Reedereien könnten Kraftstoff und somit viel Geld sparen.

Schon während des Studiums als Schiffbau-Ingenieur an der Technischen Universität Hamburg beschäftigte Marioth der Gedanke, dass Schiffsbetreiber ihre Frachter effizienter bauen und unterhalten könnten. In seiner Zeit bei einer Reederei in Kopenhagen arbeitete er weiter daran, dann zog es ihn aus familiären Gründen zurück nach Itzehoe, wo er aufgewachsen war. Dort entschied er sich 2014 für sein eigenes Unternehmen „Ideas & Engineering“.

Hier werden die Daten analysiert: Richard Marioth an seinem Computer im Itzehoer Innovationszentrum.
Hier werden die Daten analysiert: Richard Marioth an seinem Computer im Itzehoer Innovationszentrum. Foto: Robin Grützmacher
 

Studium, Arbeit, Selbstständigkeit: „Ein typischer Lebenslauf eines jungen Gründers. Da Herr Marioth mehrjährige Branchen- und Themenerfahrung eingebracht hat, war die Gründung mehr als fundiert“, sagt Izet-Leiter Ralf Thiericke. „Durch meine Kontakte hatte ich sofort Aufträge und Einnahmen“, erzählt Marioth. In diesem Jahr will er die ersten beiden Mitarbeiter einstellen. Eine dänische Reederei schickt dem Itzehoer täglich Daten ihrer Schiffe. Die meiste Arbeitszeit verwendet Marioth für deren Analyse.

Ein mittelgroßes Containerschiff verbraucht Treibstoff im Wert von mehreren zehntausend Euro pro Tag. „Reedereien geben für Kraftstoff in der Regel mehr Geld aus als für Personal“, sagt Marioth. Ließe sich durch seine Analysen ein Prozent Treibstoff einsparen (mehr ist möglich), wären das mehrere hundert Euro am Tag. Die meisten Reedereien besitzen eine zwei- bis dreistellige Zahl an Schiffen, Einsparpotenzial: mehrere Millionen Euro jährlich. „Die Erarbeitung von Technologien zur Einsparung von Schiffsdiesel hat enorme wirtschaftliche Effekte. Es gibt genug zu tun für Herrn Marioth“, sagt Thiericke.

Nur wie führen Analysen an einem Computer im Izet dazu, dass ein Schiff weniger Kraftstoff verbraucht?

Ein Faktor sind Veränderungen am Schiffsrumpf, zum Beispiel an der Schiffsnase (Bug). In den letzten Jahren haben Reedereien begonnen, ihre Schiffe langsamer fahren zu lassen – damit sie weniger Treibstoff verbrauchen. Dafür braucht es auch eine veränderte Bugnase, damit der Widerstand im Wasser optimal ist. Die Antriebspropeller werden ebenfalls angepasst. Marioth bezieht Daten zu Wellengang, Wetter, Motorleistung, Geschwindigkeit und Kraftstoffverbrauch mit ein und kann sehen, inwiefern ein Schiff durch die Umbauten weniger Kraftstoff verbraucht hat. Zudem kann er schlussfolgern, ob sich diese Maßnahmen auch für andere Schiffsklassen eignen.

Ein weiterer Punkt ist der Anstrich am Rumpf. Im Wasser setzen sich dort Rost, Algen und Muscheln fest, besonders in warmen Gewässern. Sie sorgen für Verwirbelungen und erhöhte Reibung, was den Kraftstoffverbrauch steigert. Daher lassen Reeder die Rümpfe kostenaufwendig aufarbeiten. Marioth kann über seine Analysen sagen, wann das Schiff mit zu viel Widerstand zu kämpfen hat und wann es wirtschaftlich sinnvoll ist, diese teure Prozedur durchzuführen. Ein weiterer Vorteil: Viele Hersteller versprechen, ihr Anstrich sei der Effizienteste.

Der Itzehoer Start-up-Unternehmer sieht im Datenvergleich, welche Farbe für welches Schiff und welches Seegebiet am besten geeignet ist. Auch wenn der niedrige Ölpreis jüngst den Kostendruck für Reeder etwas gesenkt hat, glaubt Marioth:„Das ist ein Thema, das im Kommen ist.“

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