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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2017 | 20:27 Uhr

Denkmalschutz : Ein Haus voller Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Angelika Raths sanierte ihr geerbtes Gebäude am Hafen in Glückstadt. Dabei wurde sie vom Denkmalschutz unterstützt.

von
erstellt am 25.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Wenn Angelika Raths aus dem Fenster im ersten Stock hinausschaut, hat sie einen fantastischen Blick auf den Hafen. Es ist ein großzügiger Raum, liebevoll mit Erinnerungsstücken eingerichtet. Der Salon im Haus am Hafen 13 war groß im Ursprung, wurde aber vor rund 100 Jahren in zwei Zimmer umgewandelt. Als Angelika Raths das Gebäude aufwendig restaurieren ließ, wurde der große Raum wieder in seinen ursprünglich Zustand gebracht. Und der Denkmalschutz gab Geld dazu, um den Stuck an der Decke wieder herzustellen. Seit Kurzem hängt an der Hausfassade die Denkmalschutzplakette des Landes.

Die 69-Jährige hat das Haus zusammen mit ihrer Schwester und einem Cousin geerbt. Die beiden anderen stiegen wegen des hohen Aufwandes aus. „Für mich war es eine Bauchentscheidung, ich habe es nicht übers Herz gebracht, das Haus zu verkaufen.“ Wie viel Geld sie in die Sanierung steckte, verrät sie nicht genau, nur so viel: „Mein gesamtes Erbe.“ Und hätte sie damals gewusst, was auf sie zukommt, weiß sie nicht, ob sie sich darauf eingelassen hätte. „Teilweise war es ein Albtraum.“ Denn zum Beispiel mussten Holzbalken ausgetauscht werden, weil sie vom Schwamm befallen waren. „Jetzt wo es fertig ist, höre ich auf, darüber nachzudenken.“ Erschwerend kam in der Umbauphase hinzu, dass Angelika Raths in Utrecht in den Niederlanden lebt und dort als Erziehungswissenschaftlerin an einer Universität arbeitet.

Ihre Urgroßeltern kauften das typisch klassizistisch gebaute Haus um 1900 herum. Wann es gebaut wurde, ist noch unklar, vermutlich zwischen 1810 bis 1830. „Meine Großmutter Emma Ahrens ist hier mit ihrem Bruder Walter aufgewachsen.“ Die Großmutter heiratete und zog nach Hamburg. Die Verbindung nach Glückstadt hielt sie immer und war oft zu Besuch. Ihren Sohn Carl – der Vater von Angelika Raths – verschlug es nach dem Zweiten Weltkrieg beruflich ins Ruhrgebiet. Trotz der Entfernung kam auch Angelika Raths ab und zu nach Glückstadt. „Für meine Großmutter war es ihr Zuhause.“ Doch dies war damals bereits vermietet. „Traute Holzmann hat hier 45 Jahre zur Miete gewohnt“, sagt Angelika Raths. Ob es auch davor vermietet war, würde sie gerne wissen. Von Traute Holzmann hat sie einiges übernommen, unter anderem Utensilien für die Küche.

„Das Haus ist voller Geschichte“, schwärmt Angelika Raths. Einen Teil davon hat sie im Schlafzimmer erhalten: Alte Tapeten wurden freigelegt und wirken jetzt – mit Glas geschützt – wie Bilder. „200 Jahre Tapetengeschichte“, scherzt die Hausbesitzerin.

Bevor sie mit der Restaurierung begann, schaltete sie den Architekten Jan-Peter Witte ein, der Erfahrung mit denkmalgeschützten Häusern hat. „Das Haus hat schöne Proportionen“, sagt Witte. „Es ist ungemein gelungen.“ Auch sei das Gebäude relativ gut erhalten gewesen, als die Arbeiten anfingen. „An der Straßenfassade ist wenig verändert, die Haustür ursprünglich.“

Der Glückstädter Bootsbauer Volker Tomaschewsky ist in Bochum mit ihrer Schwester zur Schule gegangen, ihn engagierte Angelika Raths dafür, die alten Türen wieder herzustellen. Und Hartmut Schmeelke übernahm alle Maurerarbeiten. „Es war vor seinem Ruhestand sein letztes Projekt. Er kennt hier jeden Stein“, sagt die Hausbesitzerin. Wände wurden freigelegt und auf alte Weise verputzt. Als Ruheständler hilft Schmeelke ihr jetzt, das Haus an Feriengäste zu vermieten, denn sie selbst nutzt die Räume zwar auch für Urlaube, will aber nicht, dass das Gebäude leer steht. Und den kleinen Garten legt ihr zurzeit Werner Drastig an. Zum Garten geht es durch die Kellerräume, wo Angelika Raths noch eine alte Feuerstelle erhalten hat. Während in den Wohnräumen alles fertig ist, sieht es im Keller anders aus. Dort ist alles aufgeräumt, doch einiges muss noch gestrichen werden.


>Wer Informationen über das Haus hat, kann Angelika Raths über angelika.raths@gmali.com erreichen. www.am Hafen13.wix.com

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