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Integration : „Ein Haus der offenen Türen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Familienzentrum St. Ansgar in Itzehoe ist Zentrum der Flüchtlingsarbeit geworden und will in Zukunft mehr Angebote für Einheimische schaffen.

Den ganzen Tag über herrscht an der Ecke Coriansberg / Hindenburgstraße reges Treiben: Eltern bringen ihre Kinder zur Betreuung, Flüchtlinge kommen zum Sprachunterricht, Einheimische wie Migranten nehmen an verschiedenen Gruppentreffs teil. „Ich komme gerne hierher“, sagt Inge Gramer, die seit einem Dreivierteljahr mit ihrem einmonatigen Sohn Jakob das multikulturelle Elterncafé besucht. Sie schätze den Austausch mit anderen Eltern und komme darüber hinaus in Kontakt mit Flüchtlingen. Das katholische Familienzentrum St. Ansgar ist zweieinhalb Jahre nach seiner Eröffnung zu einem Anziehungspunkt für Jung und Alt geworden. Geschäftsführer Michael Grandt zieht eine positive Bilanz: „Wir haben viele Angebote, die gut angenommen werden und sind ein Haus der offenen Türen.“

Der Start der Einrichtung war zunächst schleppend. Mehrere Monate war die Stelle des Geschäftsführers nicht besetzt – bis Grandt im März 2014 seinen Dienst antrat. „Damals war die Idee, dass das Familienzentrum zum Treffpunkt für die Menschen aus dem Viertel östlich der Hindenburgstraße wird“, sagt der Pädagoge. Dass alles ganz anders kommen sollte, konnte er damals noch nicht ahnen.

Der massive Flüchtlingszustrom durchkreuzte die ursprünglichen Pläne und sorgte dafür, dass viele neue Angebote im Familienzentrum entstanden – allen voran das Sprachpatenprojekt, in dem rund 100 Ehrenamtler etwa 200 Flüchtlinge betreuen.

„Die Arbeit mit Flüchtlingen ist derzeit unser Schwerpunkt. Als plötzlich so viele Menschen in unsere Stadt kamen, da war es einfach unsere Aufgabe, flexibel zu reagieren“, sagt Grandt. Mit der Migrationsberatung der Caritas erhalten die Zuwanderer professionelle Unterstützung, in offenen Treffs besteht die Möglichkeit der Begegnung, im Repair-Café polieren junge Männer aus Eritrea alte Fahrräder auf und im angegliederten Kindergarten werden ebenfalls bereits einige Flüchtlingskinder betreut. „Die Sorge um die Zuwanderer ist ganz im Sinne unseres Leitbilds: Wir möchten für alle Menschen da sein, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und sozialem Status.“

Das bedeute allerdings genauso, dass es im Familienzentrum auch Angebote für Nicht-Migranten geben müsse. „Da haben wir im Moment noch Nachholbedarf“, gibt Grandt zu. Ganz im Sinne der Ursprungsidee würde der Geschäftsführer gerne mehr auf die Menschen mit sozialen Problemen in der Nachbarschaft des Familienzentrums zugehen. „Allerdings fällt es uns schwer, an diese Menschen heranzukommen, weil sie sich in der Regel nicht selbst auf den Weg machen.“ Ein offener Treff und eine Lebens- und Erziehungsberatung, die vor einiger Zeit für diese Zielgruppe angeboten wurden, seien nicht gut angenommen worden. „In Zukunft wollen wir, auch in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde, verstärkt auf diese Menschen zugehen.“

Außerdem solle der Bereich der religiös-spirituellen Angebote weiter ausgebaut werden. Derzeit gibt es bereits ein wöchentliches Friedensgebet und vierteljährliche interreligiöse Gespräche mit der muslimischen Gemeinde. „Das darf gerne noch mehr werden“, sagt Grandt. Schließlich habe das Haus auch einen kirchlichen Auftrag.

Für neue Anregungen ist der Geschäftsführer jederzeit offen: „Ehrenamtler, die sich einbringen möchten, neue Ideen oder bestimmte Kompetenzen haben, können sind uns immer willkommen.“

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erstellt am 14.Feb.2016 | 08:00 Uhr

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