Flüchtlinge : Ein guter Anfang ist das Wichtigste

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Immer mehr Flüchtlinge. Die Aufgaben wachsen - aber auch die Chancen.

Kay Müller von
16. Januar 2015, 05:00 Uhr

Es werden immer mehr. Rund 400 Flüchtlinge kamen im vergangenen Jahr nach Steinburg. „In diesem Jahr rechnen wir mit ungefähr 500“, sagt Peter Pfahl, Leiter der Ausländerbehörde im Kreis. Sicher ist er nicht, dass es dabei bleibt. Denn im vergangenen Jahr hatte er auch ursprünglich nur mit 250 Flüchtlingen gerechnet.

Wie geht die Stadt mit der immer weiter steigenden Zahl an Asylbewerbern um? Verschiedene Institutionen kümmern sich um die neuen Bürger, etwa die Caritas. „Wichtig ist, dass die Flüchtlinge ein Grundgerüst bekommen, das ihnen den Anfang in der neuen Umgebung erleichtert“, sagt Silvia Bruns von der Caritas. Aber reicht das? „Ich halte es für sinnvoll, dass eine Kreisstadt wie Itzehoe einen Integrationsbeauftragten bekommt, wie es ihn etwa in Glückstadt gibt“, sagt die Leiterin der Volkshochschule Itzehoe, Corinna Ahrens-Gravert – und Silvia Bruns nickt heftig dazu. Von den 400 Flüchtlingen ist ein Großteil bei ihrer Organisation gelandet, die unter anderem in Itzehoe Migrationsberatungen anbietet, wie auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo). „Die Menschen kommen mit allen Sorgen zu uns, manchmal geht es um eine passende Wohnung, mal um die medizinische Versorgung, mal einfach nur um die Frage, wie sie am besten von A nach B kommen“, sagt Bruns.

Die Behörden haben Probleme, die Flüchtlinge unterzubringen. „Wir brauchen weiter Wohnraum, und zwar überall im Kreis“, sagt Pfahl. Denn jede Woche kommen rund zehn neue Flüchtlinge am Bahnhof in Itzehoe an, werden auf die Kommunen verteilt (siehe oben stehender Bericht). „Das geht nach Einwohnerstärke“, sagt Pfahl. „Wir versuchen aber vorher zu klären, wer noch freien Wohnraum hat, damit niemand über Gebühr belastet wird“, so Pfahl, der mit seinen Mitarbeitern auch eine Willkommenskultur leben will. „Wir wollen den Flüchtlingen zeigen, dass wir ihnen helfen.“

Auch Corinna Ahrens-Gravert sieht eine Chance bei der steigenden Zahl der Asylbewerber. „Endlich bekommen wir Zuwanderung und nicht immer nur Abwanderung. Das ist doch eine Riesenchance für unsere Gesellschaft, wenn wir diese Menschen integrieren.“ Denn die meisten seien top-motiviert, nähmen auch Schwierigkeiten in Kauf. „Wir haben Teilnehmer an einem Sprachkursus, die den selbst zahlen. Sie kommen abends aus Wrist, können aber nach Ende des Kurses nicht mehr mit der Bahn direkt zurück und fahren über Elmshorn“, sagt Ahrens-Gravert. Aber nur die wenigsten Flüchtlinge können sich die hohen Fahrtkosten leisten – und nicht für alle gibt es kostenlose Sprachkurse. Zwar hat die Stadt zusätzlich zu den zwei Kursen, die das Land bezahlt, Mittel für zwei weitere bereitgestellt – aber das reicht nicht. „Wir haben zur Zeit 100 Leute auf der Warteliste“, sagt Ahrens-Gravert.

Und in diesem Fall springen Ehrenamtler in die Bresche. Sie sind etwa bei der Caritas aktiv, helfen den Flüchtlingen bei Behörden- oder Arztbesuchen, unterrichten sie in der deutschen Sprache oder zeigen ihnen die Stadt. „Manche helfen auch einfach, ein Fahrrad zusammenzuschrauben“, sagt Silvia Bruns. Sie sucht Unterstützer, die eine fremde Sprache sprechen, denn oft sei die Verständigung mit Flüchtlingen aus Syrien, Eritrea oder Afghanistan schwierig. Und Dolmetscher sind teuer. Letztlich sind in der Willkommenskultur auch Spenden willkommen – genauso wie weitere Helfer jeglicher Art. Damit es immer mehr werden.

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