"Ein grünes Däumchen sollte man schon haben"

Spaß bei der Vorbereitung der Stechlinge: Baumschulgehilfe Nils Andersen (l.) zeigt Malte Schlichting, wie es geht.  Foto: fotos: lan
1 von 3
Spaß bei der Vorbereitung der Stechlinge: Baumschulgehilfe Nils Andersen (l.) zeigt Malte Schlichting, wie es geht. Foto: fotos: lan

Avatar_shz von
22. März 2011, 07:56 Uhr

oelixdorf | In unserer Serie stellen wir Menschen an ihrem Arbeitsplatz vor und erklären, was zu ihren Aufgaben gehört und wie die Ausbildung aussieht: Heute: Der Gärtner

Das passt gut: Pünktlich zum kalendarischen Frühlingsanfang kommt die Sonne heraus und die Temperaturen klettern in den zweistelligen Bereich. Die perfekte Gelegenheit, um seinen Garten auf Vordermann zu bringen. Für Jürgen Müller ist die Arbeit mit Pflanzen und Blumen nicht nur ein Saisonereignis. Der 56-Jährige ist Gartenbautechniker - genauer gesagt, staatlich geprüfter Techniker im Gartenbau -Produktionsgartenbau im Zierpflanzenbau. Eine etwas sperrige Berufsbezeichnung, die aber zeigt, dass Gärtner nicht gleich Gärtner ist.

"Viele denken ach ja, der ist Gärtner, dann kann er mir ja mal sagen, wie ich einen Obstbaum mit welcher Unterlage veredle oder welche Seerosensorte in meinen Teich, bei einer bestimmten Tiefe gesetzt werden kann", erzählt Müller. "Nein kann ich nicht. Zumindest nicht so wie die Kollegen, die das gelernt haben. Denn unser Beruf gliedert sich in sieben verschiedene Fachrichtungen, jeder hat seinen speziellen Bereich."

Jürgen Müller ist Zierpflanzengärtner, zuständig für die Aufzucht von Pflanzen und Blumen. Dann gibt es noch die Ausbildung in einer Staudengärtnerei, einer Baumschule, im Gemüse- oder Obstbau, der Friedhofsgärtnerei und im Garten- und Landschaftsbau. "Doch egal welchen Zweig des Gartenbaus man für seine Ausbildung wählt, ein grünes Däumchen sollte man schon haben", rät Jürgen Müller.

Er hat es offenbar, denn was er anpackt, blüht auf. Und dass, obwohl der gebürtige Husumer eigentlich Fernsehtechniker werden wollte. "Damals arbeitete ich nachmittags nach der Schule als Laufbursche für eine Gärtnerei - da bin ich dann irgendwie hängen geblieben und habe meine Ausbildung zum Gärtner gemacht."

Heute möchte er Jugendliche für den "grünen Beruf" begeistern. Im Bereich Gartenbau des Jugendaufbauwerkes Steinburg in Oelixdorf bringt er ihnen in ersten Schritten bei, Blumen und Pflanzen erfolgreich aufzuziehen und zu pflegen. Ihm zur Seite stehen seine beiden Kollegen Barbara Sommer, Meisterin im Bereich Baumschulen und Staudengärtnerei, und Nils Andersen, Baumschulgehilfe. Gehilfen, das sind im Gartenbau keineswegs nur Assistenten. "Was im Handwerk der Geselle ist, wird im Gartenbau als Gehilfe bezeichnet. Vom Berufsstand sind wir auf einer Ebene", erklärt Andersen. Schon als Kind begeisterte sich der 48-Jährige für die Natur. "Ich liebe es auch heute noch, im Wald oder in Parks spazieren zu gehen und genau hinzusehen, was dort alles wächst."

Heute steht für ihn und Schüler Malte Schlichting (17) Arbeit im Gewächshaus an. Die Luft ist schwül-warm, gutes Klima für die Pflanzen, zum Arbeiten eher gewöhnungsbedürftig. "Wer Gärtner werden möchte, muss damit klar kommen. Damit die Pflanzen perfekt gedeihen, braucht es eine gewisse Luftfeuchtigkeit und Temperatur", weiß Jürgen Müller. Malte Schlichting kommt damit schon ganz gut klar. Heute zeigt Nils Andersen ihm wie er Steckhölzer schneidet, einjährige Hölzer, die für die weitere Kultivierung vorbereitet werden. Barbara Sommer arbeitet mit Aisha Buchberger. Gerade entfernt die 22-Jährige welke Blätter von einer Zimmerlinde. Eine Tätigkeit, die sich vielleicht etwas langweilig anhört. "Doch auch das gehört zu unserem Job, schließlich möchten wir ja, dass die Pflanze gut gedeiht", sagt Barbara Sommer.

Schöne Blumen und Pflanzen sind das Eine - doch der Weg dahin kann ganz schön hart sein. Frühjahr und Herbst sind die Hoch-Zeiten im Gartenbau. Dann werden die Bäume, Sträucher und Blumen aus den Baumschulen, Stauden- und Zierpflanzengärtnereien versandfertig gemacht für den Verkauf. "Bis dahin müssen auch mal Pflanzenkübel geschleppt oder große Beete umgegraben werden - das ist körperlich schwere Arbeit. Wir arbeiten außerdem viel im Freien oder auch in den Gewächshäusern. Kälte oder hohe Luftfeuchtigkeit muss man also gut vertragen", so Barbara Sommer. "Doch wenn am Ende alles gedeiht und blüht, wird man dafür belohnt."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen