Integration : Ein Garten für alle Kulturen

Flüchtlinge und engagierte Glückstädter wollen hinter dem Provianthaus einen Weltgarten anlegen.
Flüchtlinge und engagierte Glückstädter wollen hinter dem Provianthaus einen Weltgarten anlegen.

Für alle Menschen in Glückstadt soll hinter dem Provianthaus ein sogenannter „Weltgarten“ entstehen / Das nächste Treffen ist am 2. Juni

von
21. Mai 2015, 17:00 Uhr

„Hier könnte es ein kleines Café geben, mit Stühlen und einem Brunnen.“ Mohamed Nasser steht auf der großen, mit hohem Gras, Unkraut und Büschen bewachsenen Wiese hinter dem Provianthaus und hat den Kopf schon voller Ideen. Der junge Mann aus dem Jemen ist einer der rund 80 Flüchtlingen, die in Glückstadt leben. Was seine Augen gerade zum Leuchten bringt, ist die Idee einiger engagierter Glückstädter rund um die Integrationsbeauftragte Katharina Schmidt und Eilika Meinert.

Sie wollen hinter dem Provianthaus am Hafen einen Weltgarten schaffen – einen Ort für alle Menschen in der Elbestadt, für Alteingesessene und Flüchtlinge, als Treffpunkt für den sozialen Zusammenhalt. Den Platz dafür stellt Eilika Meinert zur Verfügung. Sie ist Mitglied der Familie Wilckens, der das Provianthaus und natürlich auch das brach liegende Grundstück dahinter gehört. Auf insgesamt rund 1000 Quadratmetern sollen in den kommenden Monaten alle Menschen in Glückstadt, die Lust darauf haben, gemeinsam den Garten anlegen.

„Jetzt ist das hier nur Gras, aber bald sollen hier Blumen und Gemüse wachsen. Hier soll man sitzen, Tee trinken oder spielen können“, kündigt Eilika Meinert bei einem ersten Treffen am Dienstagabend auf Englisch an. Ihre Worte übersetzt Ahmeed Hakmet aus dem Irak für die anderen sieben Männer, die aus ihrer Heimat nach Glückstadt geflüchtet sind, ins Arabische. Damit das auch klappt, müssten sich aber mindestens doppelt so viele Menschen an dem Projekt beteiligen, erklärte die Integrationsbeauftragte Katharina Schmidt. Auch Frauen und Kinder seien willkommen. „Schließlich wollen wir schon in diesem Jahr beginnen. Jetzt, im Frühjahr und Sommer, ist die beste Zeit dafür.“

Auch wenn Schmidt und Meinert die erste Organisation übernehmen – in Zukunft wollen sie, dass alle Verantwortung für einzelne Bereiche übernehmen. „Denn in so einer Gruppe braucht man Regeln und Verantwortlichkeiten“, sagt Meinert. An Ideen fehlt es nicht, Mohamed Nasser sprudeln sie auf Arabisch nur so aus dem Mund. Er und die anderen Flüchtlinge freuen sich auf eine Aufgabe, die ihren Alltag strukturiert, und die Möglichkeit, noch mehr Glückstädter näher kennenzulernen. „Als ich in den Deutschkursen an der Volkshochschule von dem Projekt erzählt habe, waren alle sofort begeistert“, erzählt Katharina Schmidt. „Die Flüchtlinge würden sich vor allem über mehr Kontakt zu den Glückstädtern freuen. Und sie finden es toll, mal aus ihren eigenen vier Wänden herauszukommen.“

Was sich von den vielen Ideen umsetzen lässt, wird die Zukunft zeigen. Erst einmal brauchen die Weltgarten-Bauer die nötigste Ausrüstung. Eilika Meinert appelliert dafür an die Glückstädter: „Wir würden uns sehr freuen, wenn jemand uns altes Gartenwerkzeug, Gartentische oder -stühle zur Verfügung stellen würde.“ Auch einen alten, ausrangierten Bauwagen könnte das Team gut gebrauchen, um die Werkzeuge unterstellen zu können. Außerdem benötigt die Gruppe finanzielle Unterstützung für die Anmietung einer Dixi-Toilette. „Das WC wird monatlich 70 Euro kosten, möglicherweise kann diese Summe ja ein Unternehmer übernehmen“, hofft Eilika Meinert.

Sie wünscht sich, dass alle, die nach Glückstadt flüchten mussten, es hier gut haben und sich wohlfühlen. „Und die Erde verbindet alle. Jeder hat schon einmal seine Hände in der Erde gehabt. Und wenn alles um einen herum fremd ist, dann ist zumindest die Erde, in der etwas wächst, überall gleich.“

Für das nächste Treffen im zukünftigen Weltgarten haben Meinert und Schmidt den Dienstag, 2. Juni, ausgesucht. „Wir würden uns freuen, wenn so viele Menschen wie möglich kommen“, sagt Meinert. „Und zwar nicht nur Flüchtlinge, sondern auch alteingesessene Glückstädter, die sie willkommen heißen und mit anpacken wollen.“ Wenn jeder ein Kissen oder eine Decke zum Hinsetzen und einen kleinen Picknickkorb mitbringe, könne man gemeinsam und in entspannter Atmosphäre das Weltgarten-Projekt angehen. Bleibt nur noch zu hoffen, dass das Wetter mitspielt.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen