Rantzau : Ein Fluss erobert die Natur zurück

Freuen sich über die Ausbuchtung im Flussbett: Malte Beisner und Thore Edler
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Freuen sich über die Ausbuchtung im Flussbett: Malte Beisner und Thore Edler

Angehende Wasserbauer bringen die Rantzau im Rahmen einer Praktikumswoche in ihren alten Verlauf.

shz.de von
19. Juni 2014, 05:45 Uhr

Peter-Jörg Mahn, Wasserbaumeister und Ausbildungsberater aus Glückstadt, kann es kaum fassen. „Hat hier eine Abgrabung stattgefunden?“ Beeindruckt beäugt er eine deutlich sichtbare Ausbuchtung im Flussverlauf der Rantzau und das Werk seiner angehenden Wasserbauer. Unermüdlich erobert sich das Gewässer vor seinen Augen sein natürliches Flussbett zurück. Der Strom fließt um ein einseitiges Hindernis aus Pfählen und Weidengebinde und gräbt sich immer tiefer in das gegenüberliegende Ufer ein.

„Das ist eine Doppelpfahlbuhne mit je vier Pfählen“, beschreibt Thore Edler, der seine Ausbildung zum Wasserbauer über den Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) in Husum macht. Während einer einwöchigen Projektwoche zusammen mit den Mitschülern seiner Berufsschulklasse denkt er sich Maßnahmen zur Renaturierung der Rantzau aus. Dabei handelt es sich um einen Nebenfluss der Stör, der nach dem zweiten Weltkrieg zur Gewinnung neuer landwirtschaftlicher Nutzflächen begradigt wurde. Nun soll die Rantzau aus ökologischen Gründen und auch zur Hochwasserprävention wieder in kurvigen Bahnen fließen.

Hindernisse wie die Doppelpfahlbuhne und auch neue Ideen aus den Reihen der Auszubildenden, wie ein im Flussbett befestigter beweglicher Stamm oder eine rautenförmige Brutinsel, leisten einen entscheidenden Beitrag dazu: „Das Gewässer wird verlangsamt. Dadurch entsteht eine größere Strömung. Am Ufer wird so die Begradigung aufgehoben“, erklärt Malte Beisner, Auszubildender beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Hamburg. „Hier ist viel passiert“, findet auch Jörg Hahnekopf von der Landesforstverwaltung, der das Projekt vor Ort betreut, um den Auszubildenden einen handlungsorientierten Einblick in den naturnahen Wasserbau zu ermöglichen.

Die Idee kam von Peter-Jörg Mahn: „Wir sind Verkehrswasserbauer. Trotzdem müssen diese Inhalte vermittelt werden.“ Er habe Unterstützung gesucht und schließlich im Wasserverband Bekau mit Sitz in Hohenaspe gefunden. Inhalte der Ausbildung seien aber auch weitere Projekteinheiten, wie beispielsweise ein Projekt zum Küstenschutz über den LKN zum Thema Deichbau.

Die Ausbildung zum Wasserbauer dauert drei Jahre. Wasserbauer stellen die Schiffbarkeit oder die Natürlichkeit von Gewässern sicher und arbeiten meist für Ämter, Städte, Land oder private Firmen.

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