Persönlichkeit : Ein eigenes Buch zum Ruhestand

Die Liebe entführt den Historiker  nach Rostock: Dr. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt und seine Frau Angrit.
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Die Liebe entführt den Historiker nach Rostock: Dr. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt und seine Frau Angrit.

Mit Dr. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt wird einer der bekanntesten Historiker des Landes verabschiedet.

shz.de von
25. November 2013, 16:30 Uhr

Einer der bekanntesten Historiker aus Schleswig-Holstein verabschiedet sich: Dr. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt geht in den Ruhestand. Damit verbunden: Der 65-Jährige zieht nach Rostock. Zahlreiche Berufskollegen aus ganz Norddeutschland und Dänemark, Wegbegleiter und Freunde kamen jetzt zu seiner Verabschiedungsfeier ins Detlefsen-Museum.

Prof. Dr. Peter Wulf erzählte, wie er „Lori“ – so nennen ihn seine Freunde – vor 40 Jahren kennen gelernt hat. „Er kam damals in einer Zimmermannshose, hatte ein blaues Hemd mit Streifen an und trug sein Haar offen.“ Er selbst sei damals noch Assistent gewesen – gekleidet mit weißem Hemd und Schlips. „Man muss ihn einfach gerne haben“, sagte er zu der Freundschaft, die entstand. „Er ist ein guter Wissenschaftler, seine Beiträge sind immer handfest.“ Und er sei landesweit bekannt, auch bei jungen Leuten. Anders als manch ein anderer Historiker würde er „mitten im Leben stehen“. Er liebe gutes Essen, sei „den Damen zugewandt“ und könne sich gut Witze merken.

Auch Prof. Dr. Detev Knack war voll des Lobes. „Ich habe viel von Dir gelernt.“ Und er hatte eine Überraschung dabei: Ein Buch, gedruckt beim Wachholtz-Verlag, von dem es nur ein Exemplar gibt. Historiker-Kollegen haben Beiträge geschrieben, zudem ist das Buch bebildert. Auf dem Titel steht „Lori“, in der Schrift, wie Dr. Lorenzen-Schmidt seit Jahrzehnten unterschreibt.

Der ehemalige Herzhorner Amtsvorsteher Klaus Lange würdigte ihn als jemanden, der keine Sternschnuppe sei, sondern ein Himmelskörper. Als Geschenk der Gemeinde Herzhorn übergab er ein Bild des Malers Peter Wirsing.

„Dat is ein Kerl“, umschrieb auf plattdeutsch liebevoll Karl-Keinz Kuhlemann vom Stadtarchiv Elmshorn. Er brachte Chroniken vom Bismark-Gymnasium mit, denn dort verbrachte Dr. Lorenzen-Schmidt seine Schuljahre.

In bekannter humoristischer Art erzählte „in ein paar Worten“ Dr. Lorenzen-Schmidt seinen Werdegang. Im Oktober 1948 wurde er in Elmshorn geboren, wo er seine Jugendzeit verbrachte. „Die bewegendste Zeit.“ Und an dem Tag, als er zur Bundeswehr musste, da sei seine Frau Angrit geboren worden, erzählte er mit liebevollen Blick auf seine Frau. Er studierte, wurde politisch aktiv und engagierte sich sozial. In dieser Zeit wurde die Idee der Wohngemeinschaft geboren. Doch in Elmshorn waren die Mieten zu teuer. Dafür wurde in Krempe ein Haus an der Bahn gefunden. „1974 zogen wir dort ein.“ Mit neun Leuten, einem Kind und „inklusive Hund“. Bereits zwei Wochen später stand der kritische Dorfpolizist vor der Tür, um nach dem Rechten zu sehen.

1976 engagierte er sich im Kampf gegen das Atomkraftwerk in Brokdorf. „Damals habe ich viele Bauern kennengelernt.“ So auch Anke und Gerd Hellmann vom Borsflether Wisch. In ihrer Wohnstube entdeckte er eine Urkunde von 1508 und wusste: Das Original muss weggelegt werden, dort darf höchstens die Kopie hängen. Zudem hatten Hellmanns ein Hofarchiv, das er untersuchen durfte. In Folge gab Dr. Lorentzen-Schmidt zehn Jahre lang die Zeitschrift „Agrargeschichte“ heraus. „Es gab 250 Abonnenten, dabei bestand die Zeitschrift hauptsächlich aus Tabellen.“

Zudem bekam er die ersten Angebote, Ortschroniken zu schreiben. Und er arbeitete im landesweiten Arbeitskreis für Wirtschafts- und Sozialgeschichte mit, dort ist er auch heute noch aktiv.

„1985 kam das Angebot im Staatsarchiv zu arbeiten.“ Nie hätte er gedacht, dass er Beamter wird und Oberamtsrat. Doch die Arbeit im Hamburger Staatsarchiv habe ihm immer „total gut gefallen und viel Spaß gemacht“. 1996 wurde er gebeten, die Leitung der Glückstädter Detlefsen-Gesellschaft zu übernehmen. „Ich hab das sehr gerne gemacht.“

Was von allen seinen Veröffentlichungen die schwerste Arbeitsbelastung gewesen sei, war das „Neue Schleswig-Holstein Lexikon“. Dies hatte er 2001 zusammen mit Oliver Pelc herausgegeben. „Es wurde 10 000-mal verkauft.“

2006 hat Dr. Lorenzen-Schmidt eine Historikerin geheiratet. „Meine Frau ist Geschäftsführerin der Geschichtswerkstatt in Rostock“, begründete er, warum er demnächst nach Rostock ziehen wird, wo das Ehepaar ein Haus gekauft hat. Und zu seiner Frau Angrit sagte er: „Danke, dass Du mich genommen hast.“

Trotz des Umzuges sei er „nicht aus dem Auge, nicht aus dem Sinn“. „Ich werde mich weiter mit Schleswig-Holstein beschäftigen.“ Auch mit seinen dänischen Kollegen wolle er gerne weiter zusammenarbeiten. „Wir wollen zusammenbleiben, op ewig ungedeelt“, sagte er in Bezug auf Rivalitäten, die es früher unter Historikern gab.

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