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Norddeutsche Rundschau

23. November 2017 | 10:27 Uhr

„Eigentlich mag ich die Männer“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Therapeutin und Autorin Dasa Szekely zu Gast bei der Mai-Veranstaltung von Leselust

shz.de von
erstellt am 19.Mai.2016 | 11:36 Uhr

Männer reden seit Generationen zu wenig, schauen weg und verdrängen, wenn sie handeln müssten, vor allem in der Partnerschaft bekennen sie sich nicht zu ihren Gefühlen.

Bei ihren Söhnen setzt sich dies fort, keine Hoffnung am Horizont. Frauen stützen dies meist noch, indem sie zu viel reden und die männlichen Schwächen kompensieren. Mit dieser Hauptthese eröffnete die Therapeutin und Autorin Dasa Szekely im Spiegelsaal des Neuen Rathauses ihren Vortrag zum „Schweigen der Männer“, wie sie auch ihr Buch benannt hat. Dieses führt thesenhaft alles zum Thema Mann und Frau auf, was die Gemüter erregt. Ursachen, Hintergründe, Zusammenhänge, wissenschaftliche Bezüge findet man allerdings wenig. Auch im Vortrag ist vieles widersprüchlich. Die Frankfurter Autorin, die ihr Buch im Rahmen der monatlichen Lesereihe des Vereins „Leselust“ und der Stadtbücherei vorstellt, vermittelt charmant, wie wütend sie über das „Schweigen der Männer“ ist. Aber auch, dass man Verständnis haben müsse und nicht destruktiv sein solle. Die Lösung: Frauen sollen öfter Nein sagen, Männer sollen mehr auf sich achten, auch öfter Nein sagen, den Burn-Out vermeiden. Was auch hilft: Therapie. Nicht können bedeute nicht wollen, sagt die Beziehungstherapeutin, die aus der Werbebranche kommt. Das müsse man Männern spiegeln, wenige Coachingstunden reichten meist, Hauptsache reden.

„Ich zeichne das Bild natürlich plakativ, um auf das Thema aufmerksam zu machen“, bekennt Szekely. Eigentlich möge sie die Männer, arbeite im Beziehungscoaching oft mit ihnen. Den Männern fehle heute leider das Leitbild, sie müssten zu vielen Anforderungen gerecht werden. Die Frauenbewegung sei wichtig gewesen, aber man habe die Männer dabei vergessen.

Die gesellschaftlichen Dimensionen machen sie wiederum wütend: Männer dominierten seit langem die Frauen, beherrschten immer noch Politik und Wirtschaft und versperrten der weiblichen Konkurrenz den Weg. Die Chefs verlassen früh das Büro, die Mitarbeiterinnen übernehmen klaglos und ohne Anerkennung die Aufgaben. Ehefrauen wiederum beklagen, dass bei den Gatten die Arbeit dominiere und sie sich der Familie entzögen. Szekely unterstreicht ihre Ausführungen mit Karikaturen und statistischen Daten zur geringen Elternzeit, die Männer nehmen, mit der hohen Scheidungs- und Trennungsquote.

Moderatorin Karin Dietrich-Olsen vom Leselust-Vorstand, die als Anwältin arbeitet, verweist ebenfalls auf die vielen gescheiterten Beziehungen, die sie in ihrer Kanzlei erlebe und die in Scheidungen mündeten. Von Seiten der Männer heiße es dann, es sei alles in Ordnung gewesen, keine Hinweise auf Probleme, die Trennung komme völlig überraschend. Von Seiten der Frauen: „Ich habe geredet und geredet, er hat nichts verstanden. Ich kann nicht mehr.“ Sie rundet das Bild, das sich ihr durchaus tragisch darstellt, humorvoll ab: Laut Rechtsanwaltsgesetz sei auch eine Versöhnungsgebühr möglich. Diese habe sie aber leider noch nie in Anspruch nehmen können.

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