Kleingartenanlage in Itzehoe : Eichtal: Ärger über Müllberge

So sah es im Eichtal aus während der Räumung im Herbst.
So sah es im Eichtal aus während der Räumung im Herbst.

Die Debatte in der Ratsversammlung über die Kostenexplosion bei Räumung der Kleingärten ruft harte Kritik an den früheren Pächtern hervor.

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06. April 2018, 05:00 Uhr

Das Eichtal ist immer für eine Diskussion gut. Das gilt erst recht, wenn viel Geld im Spiel ist. 415.000 Euro mussten ausgegeben werden, um das frühere Kleingartengebiet zu räumen, 200.000 waren eingeplant. Die Ratsversammlung stimmte der Mehrausgabe zu, aber vorher machten die Politiker ihrem Ärger Luft.

Dieser richtete sich einerseits gegen den Kleingartenverein, andererseits gegen die früheren Kleingärtner in dem Bereich. Wie berichtet, hatten sich die Hütten in dem verwilderten Bereich als deutlich massiver als gedacht herausgestellt, teils waren sie unterkellert. Zudem fanden sich Unmengen Müll, darunter auch Chemikalien und Batterien. So seien enorme Kosten entstanden im Verhältnis zu den geplanten 4,5 Hektar Bauland im Eichtal, monierte Hans Emil Lorenz (UWI) und fragte, ob der Kleingartenverein schadenersatzpflichtig sei.

Nein, erklärte Bürgermeister Andreas Koeppen, der die Zustände vor der Räumung im Herbst mit Fotos dokumentierte. „Die alten Verträge sehen vor, dass wir für das Ganze aufkommen müssen.“ Vieles sei vorher bei der Kostenschätzung nicht zu sehen gewesen, und selbst wenn: „Günstiger wäre es in keinem Fall geworden.“

Es handele sich um „Umweltschweinereien ersten Ranges“, sagte Henning Wendt (Bündnis 90/Grüne) und fragte, ob die Polizei informiert worden sei. Die Vorpächter ließen sich kaum noch ermitteln, sagte Koeppen. Wendt sorgte sich zudem, ob das Areal nun sauber sei, bevor womöglich Baugrundstücke mit Altlasten verkauft würden. Es müssten in jedem Fall weiter Proben gezogen werden, antwortete der Bürgermeister, der den Zustand des Kleingartenvereins als „desolat“ einstufte. Da widersprach Kirsten Lutz (DAF): Es gebe einen neu gewählten Vorstand. Und: „Die meisten Anlagen sind sehr gepflegt.“

Markus Müller (CDU) hielt fest, dass die Räumung sein musste, Verschwörungstheorien seien fehl am Platz. Und Sönke Doll (SPD) meinte, die Angriffe gegen den Verein seien nicht berechtigt, sie müssten sich gegen die Nutzer richten, die das Gelände missbraucht hätten. Der Verein sei nicht in der Lage, die Kosten für die Räumung zu tragen – in Zukunft wolle ihn die Stadt gern dabei stärken, das Kleingartenwesen zu fördern. Im Eichtal habe die Polizei die Stadt aufgefordert, tätig zu werden, es sei kein Naturraum, sondern laut Planung schon lange ein Bebauungsgebiet. Zur Räumung stellte Doll fest: „Es war keine Zerstörung von Natur, sondern eine Rettung von Natur.“

Kleingärtner neu aufgestellt – fast

Die Zeit mit einem Notvorstand ist fast vorbei im Kleingärtnerverein Itzehoe. Sie hätte schon Geschichte sein können, mit Jochen Werner wurde kürzlich ein neuer Vorsitzender gewählt. Allerdings nicht mit der erforderlichen absoluten Mehrheit, deshalb wird die Abstimmung jetzt vom zuständigen Amtsgericht Pinneberg überprüft. „Damit alles seine Richtigkeit hat, findet eine neue Wahl statt“, sagt Rechnungsführerin Rita Wiebensohn. Sie hatte sich ebenso wie der neue 2. Vorsitzende Florian Heinze ebenfalls zur Wahl gestellt – es müsse ja eine Auswahl geben. Mit dem Ausgang ist sie jetzt „absolut zufrieden".

Die Leitung der Versammlung hatte Hans-Dieter Schiller, Landesvorsitzender der Kleingärtner. Er war nach dem gesundheitsbedingten Abgang der Vorsitzenden in Itzehoe zum Notvorstand bestellt worden. Dagegen gab es offenbar Einsprüche, diese beschäftigen laut Schiller jetzt das Oberlandesgericht. Die aktuelle Entwicklung stimme ihn aber „einigermaßen zuversichtlich“.

Die Itzehoer Kleingärtner seien wieder handlungsfähig, freut sich Wiebensohn. Wenn die Wahl des neuen Vorsitzenden wie erwartet im zweiten Anlauf klappt, gilt: „Damit hat der Verein wieder einen Vorstand, mit dem es vorangehen kann und der die Menschen mitnimmt.“

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