Neuer Krimi aus Glückstadt : „Ehrenmord ist kein Aprilscherz“

Manfred Eisner vor seinem Lieblingsgasthaus, das er im Buch umbenannt hat.
Manfred Eisner vor seinem Lieblingsgasthaus, das er im Buch umbenannt hat.

Manfred Eisner veröffentlicht seinen fünften Krimi. Seine Kommissare ermitteln diesmal in Glückstadt und in der Wilstermarsch.

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24. August 2018, 10:40 Uhr

In Glückstadt sterben zwei junge Menschen. Die Kripo geht von Ehrenmorden aus. Doch die Ermittlungen verlaufen zunächst im Sande. Erst als die Kommissarin Nili Masal mit ihrem Spezialteam fast zwei Jahre später ermittelt, kommt Bewegung in den Fall. Und der Leser zu der Erkenntnis: „Ehrenmord ist kein Aprilscherz“, wie der Titel des neuesten Krimis von Manfred Eisner lautet.

Zum fünften Mal schickt der Brokdorfer Autor seine Krimi-Heldin Nili Masal auf die Spur rücksichtsloser Mörder. In jedem seiner fünf Krimis thematisiert er etwas, was ihn auch persönlich berührt. „Ich hab mich wie immer eines brennendes Themas angenommen. Ich schreibe mir von der Seele, was mich umtreibt“, erzählt er. In den anderen Büchern ging es um organisiertes Verbrechen, Drogenhandel, Menschenhandel und Rechtsextremismus, nun ist es der Ehrenmord. „Es geht um den Zwiespalt in den Kulturen“, erklärt der Autor zum aktuellen Buch. „Es soll auf keinen Fall rassistisch klingen“, betont der 83-Jährige. Manfred Eisner selbst erlebte Kindheit und Jugend als Emigrant in Südamerika. 1957 kam er zurück nach Deutschland.

Für seinen Krimi hat Eisner viel recherchiert. So auch über die Polizeiarbeit im Landeskriminalamt in Kiel. Dort arbeitet seine Heldin, Kriminalhauptkommissarin Nili Masal. Sie klärt mit ihren Leuten den Doppelmord auf, bei dem eine junge Marokkanerin und ein junger Deutscher tot in einem Auto auf dem Parkplatz an der Glückstädter Elbefähre gefunden werden. Nili Masal vermutet einen Ehrenmord, weil die junge Muslima ihre Familie verlassen und sich mit einem Kfz-Mechaniker aus Wewelsfleth angefreundet hatte.

Auch in seinem fünften Kriminalroman überzeugt Manfred Eisner mit seiner klaren Sprache. Die Handlung des Krimis ist gut strukturiert und spannend zu lesen. Der Autor verwendet unterschiedlich Erzählstränge, die den Leser in verschiedene Situationen eintauchen und geschickt auf das Finale zusteuern lassen. So ist ein Stilmittel beispielsweise das Tagebuch der Nili Masal, durch das der Leser deren Gedankenwelt – privat und beruflich – mit durchlebt. Zumal der Weg die Ermittlerin auch in die Wilstermarsch und nach Belgien führt – und ein dritter Mord geschieht. Zudem wird eine 17-jährige gebürtige Marokkanerin entführt, die vor ihrer Familie geflüchtet war, weil sie zwangsverheiratet werden sollte. Nili Masal fürchtet, dass auch dieses junge Mädchen Opfer eines Ehrenmordes wird. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Das wird besonders für Leser aus der Region interessant, denn sie werden an bekannte Orte gebracht, auch wenn Manfred Eisner die Plätze, an denen sein Krimi spielt, meist umbenannt hat. So ist er mit seiner Frau Anke Stammgast im „Kleinen Heinrich“ am Marktplatz in Glückstadt. Das Gasthaus im Krimi nennt er aber „Rigmor“. „Glückstadt ist als Stadt toll“, sagt Eisner, der seit 1979 in Brokdorf in einem denkmalgeschützten Reetdachhaus am Deich lebt. Der Weg zum Ferienhaus der marokkanischen Familie liest sich wie die Wegbeschreibung zum eigenen Haus des Autors. Die Menschen, die er in seinem Buch beschreibt, sind fiktiv. Dennoch wirken sie im fünften Band den Fans Manfred Eisners schon vertraut. Authentisch beschreibt der Autor die einzelnen Charaktere.

Ein lesenswertes Buch, das Manfred Eisner wieder im Engelsdorfer Verlag herausgebracht hat und das im Buchhandel erhältlich ist. Der Autor hat sich zum Ziel gesetzt, Krimis zu schreiben, die in jeweils einem Monat des Jahres spielen. Inzwischen arbeitet der Brokdorfer bereits an einem neuen Fall für Nili Masal, der im Mai spielt und bei dem es um häusliche Gewalt geht. Unerträglich empfindet der Brokdorfer es, wenn Frauen in ihren eigenen vier Wänden oft brutaler Gewalt ausgesetzt sind. Er wird den Finger in die gesellschaftliche Wunde legen, an die Menschen appellieren, aufmerksamer zu sein, genauer hinzusehen. Denn: „Sadisten sind oft kultivierte Leute“, mahnt er.


>„Ehrenmord ist kein Aprilscherz“, 18 Euro, Engelsdorfer Verlag, ISBN 978-3-96145-342-9

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