Zuwanderung : „Edendorf ist ungeschlagen“

Auf der Terrasse ihres Hauses in Edendorf: Die Neu-Itzehoer Angela und Mario Werner mit Bordeaux-Dogge Ally.
Auf der Terrasse ihres Hauses in Edendorf: Die Neu-Itzehoer Angela und Mario Werner mit Bordeaux-Dogge Ally.

Familie zog von Wien nach Itzehoe und kann den angeblich schlechten Ruf der Steinburger Kreisstadt nicht nachvollziehen

von
20. Mai 2015, 04:49 Uhr

„Wir möchten so schnell wie möglich nach Itzehoe auswandern!“ Im April 2014 erzählten Angela (33) und Mario Werner (32) aus der Nähe von Wien in unserer Zeitung von ihren Plänen. Ein gutes Jahr später sitzen sie im Garten ihres Häuschens im Edendorfer Julius-Leber-Weg und sagen: „Uns geht’s gut!“ Seit fast genau fünf Monaten wohnen die beiden mit Sohn Mario (5) in Itzehoe. Und es gab noch keinen Tag, an dem sie es bereut haben. „Wir haben uns von der ersten Minute an heimisch gefühlt. Es gibt kein Heimweh und keinen Gedanken, etwas zu vermissen“, sagt Angela Werner.

Durch eine damalige Internet-Freundin hatte die Familie Itzehoe im vergangenen Jahr kennen gelernt und fand die Stadt und die Region sofort schön. Zentral gelegen, aber doch ländlich, die Nähe zu Hamburg auf der einen und zum Meer auf der anderen Seite, das angenehme Klima, dazu die „norddeutsche Freundlichkeit“ – all das gefiel den Werners. Mehrfache Besuche bestätigten den ersten guten Eindruck, so dass es bald an die Haus-Suche ging. 31 Objekte wurden besichtigt, das im Julius-Leber-Weg war schnell der Favorit – auch wenn es sehr viel mehr Renovierungsarbeiten erforderte als geplant.

„Edendorf ist ungeschlagen“, findet Mario Werner. „Itzehoe hat ja bei den Itzehoern einen schlechten Ruf“, weiß der Neubürger. „Aber das gilt in Edendorf nicht. Hier hat sich noch keiner beschwert.“ Die Nachbarn seien „enorm nett“, die angeblich kühlen Norddeutschen hätten sich als viel aufgeschlossener entpuppt als die Österreicher: „Silvester haben wir schon mit allen vor der Tür gestanden und angestoßen“, erzählt Angela Werner. „So etwas gibt es in Österreich nicht!“

Immer wieder entdecken die „Einwanderer“ Facetten ihrer neuen Heimat, die sie begeistern. „Die Infrastruktur ist der Hammer“, findet Mario Werner, der hier sein IT-Unternehmen weiter aufbauen will. Seine Frau kann manchmal noch nicht glauben, dass die Läden bis weit in den Abend geöffnet haben. Und nach wie vor gerät sie bei jeder schwarzbunten Kuh, die sie sieht, in Verzückung: „Ich liebe diese Kühe!“ Erste Traditionen haben sich auch schon gebildet: Der Hochzeitstag wird künftig immer mit einem Frühstück im Café Ramm gefeiert.

Hündin Ally genießt es, einen eigenen Garten zu haben, die beiden Katzen haben inzwischen noch zwei Freunde aus dem Tierheim Itzehoe dazu bekommen. Und Sohn Mario blüht in seiner neuen Umgebung so richtig auf. Im Kindergarten „Schatzinsel“ fühlt er sich wohl und hat schon Freundschaften geschlossen. „Er ist hier besser integriert als in Österreich“, sagt seine Mutter. Sprachbarrieren gebe es für ihn schon lange nicht mehr – höchstens zuhause: „Manchmal, wenn er uns etwas erzählt, verstehen wir es fast gar nicht“, sagt Angela Werner lachend.

Denn so sehr sich die „Familie mit Migrationshintergrund“, wie Mario Werner sie augenzwinkernd nennt, schon in Itzehoe eingelebt hat: Spätestens nach ein paar Worten lässt die Sprachfärbung erkennen, wo ihre Wurzeln liegen. „Jedes Gespräch mündet in einen interkulturellen Austausch“, sagt der 32-Jährige lachend. Und eine Frage fehlt nie: „Warum um alles in der Welt habt ihr das schöne Wien verlassen und seid ausgerechnet nach Itzehoe gezogen?“ Irgendwann werde er für diese Frage eine eigene Homepage einrichten, sagt Computerfachmann Mario Werner schmunzelnd. „Ich kann den schlechten Ruf Itzehoes wirklich nicht nachvollziehen“, meint Angela Werner. „Ich auch nicht“, sagt ihr Mann. „Es war beruflich und privat eine sehr gute Entscheidung, hierher zu ziehen.“ Zwei Dinge genießt er trotzdem, wenn er alle paar Wochen beruflich zurück nach Österreich muss: „Die regionale Küche und den guten Kaffee!“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen