„Echte Chance“: Klare Zustimmung für Prokon 2.0

Sein Wunsch ging in Erfüllung: Hartmut Flucke mit Anti-Rodbertus-Plakat.
Sein Wunsch ging in Erfüllung: Hartmut Flucke mit Anti-Rodbertus-Plakat.

Gläubigerversammlung stützt Insolvenzverwalter

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23. Juli 2014, 05:00 Uhr

Das insolvente Windkraft-Unternehmen Prokon kann saniert werden. Die Gläubigerversammlung in der Hamburger Messe hat gestern Abend Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin beauftragt, sein Konzept für einen Sanierungsplan auszuarbeiten.

75 000 Anleger hatten in die Genussrechte der Prokon Regenerative Energien GmbH investiert. Das für das Insolvenzverfahren zuständige Amtsgericht Itzehoe hatte in zwei Messehallen insgesamt 13 000 Stühle aufstellen lassen – nach Gerichtsangaben kamen 2350 Stimmberechtigte aus ganz Deutschland und vertraten 29 800 Gläubiger mit rund 705 Millionen Euro Kapital. Teilnehmer sprachen von mehr als 5000 Anwesenden. Als Gerichtsverhandlung lief die Versammlung nichtöffentlich ab, nach mehr als sieben Stunden war klar: Der Insolvenzverwalter wurde ebenso bestätigt wie der Gläubigerausschuss, der dazu noch um zwei Mitglieder erweitert wurde. Fast einstimmig sprachen sich die Gläubiger für die Fortführung des Unternehmens und für Penzlins Konzept aus. „Es ist ein guter Tag für das Unternehmen, ein guter Tag für die Gläubiger und ein guter Tag für die Belegschaft“, sagte der Hamburger Jurist. Er soll bis Ende Januar 2015 einen Insolvenzplan ausarbeiten, will die Kernbereiche Windparks und Stromverkauf mit 300 Arbeitsplätzen erhalten und Genussrechtsinhaber als Eigentümer beteiligen. Ihnen droht der Verlust eines Großteils ihres Kapitals, dennoch gibt es von Anlegergemeinschaften wie den Freunden von Prokon große Unterstützung für „Prokon 2.0“.


15 000 Prokon-Anleger durften nicht abstimmen


„Mit diesem Ergebnis hat Prokon eine echte Chance“, sagte Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Und es beende die Träume von Firmengründer und Ex-Geschäftsführer Carsten Rodbertus, wieder die Macht zu übernehmen. Dieser hatte nach eigenen Angaben über seinen Vertrauten Alfons Sattler 15 000 Vollmachten für die Abstimmung gesammelt. Doch kurz vor Beginn der Versammlung waren sie nichts mehr wert: Das Amtsgericht erklärte die Vollmachten für unwirksam. Die Begründung: Hinter Sattler stehe tatsächlich Rodbertus, und der könne nicht in derselben Sache als Geschäftsführungsorgan und Vertreter der Gläubiger tätig sein.

Drei Anwälte, denen Sattler die Vollmachten übertragen hatte, sprachen von Verfassungsbruch und einer Farce. Insbesondere kritisierten sie, dass die Entscheidung so kurz vor der Sitzung verkündet wurde. Für Rodbertus war sie schlicht „Rechtsbeugung“. Wirtschaft / Kommentar S. 2

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