Abzocke : Dubioser Anruf zu angeblichem Gewinnspiel

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Polizei empfiehlt gesunde Skepsis bei telefonischen Forderungen nach ausstehenden Zahlungen

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29. Juli 2014, 05:00 Uhr

In der Mittagspause klingelte das Telefon. Die Nummer kam der Angerufenen seltsam unbekannt vor.

Als die Glückstädterin das Gespräch entgegen nahm, meldete sich ein Mann mit dem Namen Thomas Star von der Buchhaltung der GZ Nördlingen. Er riefe im Auftrag der „WIN AG“ an, um außenstehende Gelder einzufordern, erklärte er der 49-Jährigen. Grund: Sie habe an einem Gewinnspiel teilgenommen.

Die Glückstädterin hatte sofort das Gefühl, dass es sich um eine bekannte Abzocker-Masche handeln könnte. Deshalb war sie aber auch neugierig, was er ihr weiterhin zu sagen hätte.

Dieses Gewinnspiel sei für eine gewisse Zeit kostenlos, teilte der Anrufer mit. Allerdings würde sich dieses automatisch verlängern. Sie hätte nicht schriftlich gekündigt. Und in diesem Fall sei jetzt deshalb ein Betrag in Höhe von monatlich 59,90 Euro für insgesamt neun Monate fällig. Die Frau blieb skeptisch, auch weil sie sich sicher war, an keinem Gewinnspiel teilgenommen zu haben „Herr Star erklärte mir dann, ich hätte sicherlich in der Vergangenheit irgendwo eine Bestellung getätigt und dabei das Kleingedruckte nicht gelesen. Dort werde gestanden haben, dass meine Daten an dritte Personen weitergegeben werden dürfen und so entsteht ein Vertrag zur Teilnahme an eben diesem Gewinnspiel.“ Er müsse darauf hinweisen, dass die genannte Forderung sofort zahlbar wäre. „Wenn ich aus finanziellen Gründen dieses Geld nicht sofort bereitstellen könne, würde er sich gern stark machen um mir eine Betragsminderung aushandeln.“

Laut „Paragraf 312 BGB Absatz D“ sollte sie ihm telefonisch diese Befugnis erteilen. Er würde dann im Vorwege ihre Daten, also auch ihre Kontoverbindung abfragen, damit er dann sofort alles Erforderliche in die Wege leiten kann. Tatsächlich regelt dieser Paragraf im Bürgerlichen Gesetzbuch Informationspflichten von Unternehmen gegenüber Verbrauchern. „Da ich auf dem Weg zur Arbeit war, bat ich ihn, doch um 18 Uhr nochmals anzurufen. Ich wollte Zeit gewinnen. Er versprach den Rückruf und wollte mir dann auch Daten nennen, über wen dieses Gewinnspiel zustande gekommen sei.“

Die Zeit nutzte die Glückstädterin, um im Internet zu recherchieren. Ergebnis: „Offensichtlich werden solche Anrufe bereits seit Anfang des Jahres getätigt. Die Mitarbeiter melden sich mit verschiedenen Namen, wie Brigitte Münch oder Hans-Otto Winkler. Die Masche ist immer dieselbe.“ Sie fand auch die Telefonnummer, die sie sich morgens bereits aufgeschrieben hatte. „Es handelte sich dabei um einen Anschluss in der Türkei.“ Ländervorwahl: 009.

Der angebliche Thomas Star rief wider Erwarten abends tatsächlich wieder bei ihr an und erklärte ihr hocherfreut, ihm sei es durch seinen Einsatz gelungen, dass sie nur noch für drei Monaten zahlen müsste.

Als sie ihm erklärte, dass sie mittlerweile im Internet recherchiert hätte, sei er „schlagartig sehr unfreundlich“ geworden. Er sicherte den sofortigen Versand aller Unterlagen zu. Betonte aber, sie hätte jetzt selbst Schuld. „So uneinsichtig wie ich mich gerade gebe, müsse ich die komplette Summe zahlen und dann legte er auf“, schilderte die Glückstädterin.

Für die Polizei ist solch ein Fall, wie ihn die 49-Jährige erlebte, bereits Alltag. Dazu erklärt Polizeipressesprecher Hermann Schwichtenberg: „Sollten Forderungen aufgrund von eingegangenen Verträgen berechtigt sein, werden sie per Rechnung auf dem Postwege mitgeteilt. Die Beurteilung obliegt dann dem Empfänger. Sollte es keinen sachlichen Grund für eine ausgestellte schriftlichen Rechnung geben, braucht natürlich auch nicht gezahlt zu werden. Wer das Gefühl hat, dass er betrogen werden soll, der wende sich an seine Polizeidienststelle.“


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