Druckerei von großer Bedeutung

Zahlreiche Besucher kamen zur Ausstellungseröffnung.  Foto: Reimers (4)
1 von 4
Zahlreiche Besucher kamen zur Ausstellungseröffnung. Foto: Reimers (4)

Detlefsen-Museum zeigt die Ausstellung: "Zwiebelfische Jimmy Ernst und die Druckerei J. J. Augustin Glückstadt - New York"

shz.de von
13. November 2012, 08:16 Uhr

Glückstadt | "Die Druckerei J. J. Augustin ist ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung." Die Worte von Landesdenkmalpflegerin Dr. Astrid Hansen zitierte Dr. Catharina Berents anlässlich der Ausstellung im Detlefsen-Museum. Dort werden unter dem Titel "Zwiebelfische Jimmy Ernst und die Druckerei J. J. Augustin Glückstadt - New York" unter anderem wertvolle historische Schriften aus der Druckerei gezeigt.

Die Ausstellung basiert auf mehreren Säulen. Zum einen auf historischen Schriften und Bücher der Druckerei sowie auf Arbeitsgeräten. Hier ist herausragend der chinesische Zirkel, der für die Ausstellung restauriert wurde. Weiterhin zu sehen sind historische Urkunden aus der Gründerzeit der Stadt und alte Ausgaben der "Glückstädter Fortuna. Zudem dokumentieren Umschlaggestaltungen des Glückstädter Künstlers Max Kahlke (1892-1928) die Weimarer Zeit. Die wesentliche Säule ist jedoch Sonderausstellung, deren Ursprung ein preisgekrönter Film ist.

Die Filmemacher Christian Bau und Artur Dieckhoff verbanden die Geschichte von Jimmy Ernst (1920-1984) mit der der Druckerei J. J. Augustin. Die Familie Augustin nahm den Jungen, der eine jüdische Mutter hatte, von 1935 bis 1938 in der Firma als Lehrling auf. Mit Hilfe der Augustins emigrierte Jimmy Ernst 1938 nach Amerika, wo er bei Hans Jacob Augustin im New Yorker Augustin-Verlag unterkam. In seiner späteren Autobiografie schrieb Jimmy Ernst über seine Zeit in Glückstadt und seine Arbeit.

Eine Zusammenfassung des Filmes wird in der Ausstellung gezeigt. Das dazugehörende Buch stammt aus der Edition von Klaus Raasch. Die Wanderausstellung hat Dr. Jürgen Bönig vom Museum der Arbeit in Hamburg konzipiert.

"Die Druckerei wurde am 21. November 1632 gegründet", erklärte Dr. Bönig vor zahlreichen Besuchern der Ausstellungseröffnung. 380 Jahre gibt es das Unternehmen jetzt. "Wir werden die 400 Jahre in einem Museum feiern", sagte er in Hinblick darauf, die Schätze der Druckerei zu erhalten. Es gibt Bemühungen, dort neben dem laufenden Druckereibetrieb ein Museum mit den vorhandenen historischen Maschinen einzurichten. An diesem Projekt arbeiten gemeinsam die Druckereibesitzer Cornelia und Michael Reimers, die Ausstellungsmacher, Denkmalschutzbehörden und andere. Gesucht werden ab jetzt Sponsoren. Denkbar ist eine Stiftung, aber auch ein Verein.

Vor diesem Hintergrund zeigt sich die Ausstellung hochaktuell. "Die Druckerei hat die Welt verändert", erklärte Dr. Bönig. 1905 übernahm Heinrich Wilhelm Augustin (1878-1938) das Unternehmen. "Er war ein wagemutiger Mann." Um chinesische Schriften setzen zu können, bestellte er 1912 chinesische Lettern in Schanghai, die per Postschiff nach Glückstadt gebracht wurden. In Folge wurde der chinesische Zirkel gebaut, in dem ein Setzer den Überblick über alle Schriftzeichen hatte. Einer dieser einzigartigen Zirkel ist in der Ausstellung zu sehen.

Dr. Bönig ging auch auf die vielen anderen lebenden und toten Sprachen ein, die Heinrich Wilhelm Augustin setzen ließ - für Wissenschaftler aus aller Welt. Als Beispiel nannte er Hieroglyphen, aber auch afrikanische Dialekte, deren Zeichen erst von Wissenschaftlern erfunden wurden. "Heinrich Wilhelm Augustin war ein vielschichtiger Mann", beschrieb Dr. Bönig den als konservativ geltenden Glückstädter Unternehmer. "Er druckte alle Formulare für die Marine", sagte er zum vermeidlichen Widerspruch in der Nazizeit, einen Lehrling im Betrieb zu beschäftigen, der eine jüdische Mutter hatte. Heinrich Wilhelm Augustin war damals auch Herausgeber der Zeitung "Glückstädter Fortuna", die heute zum sh:z-Verlag gehört.

Prof. Dr. Wolfgang Kemp ging auf die Bedeutung der Fotos von Candida Höfer ein. Die bekannte Fotografin war eigens für die Produktion "Zwiebelfische Jimmy Ernst und die Druckerei J. J. Augustin Glückstadt - New York" nach Glückstadt gereist, um in der Druckerei Aufnahmen zu machen, die in der Ausstellung zu sehen sind. "Candida Höfer fotografiert Orte, die an sich still sind. Sie ist an ehemals belebten Orten interessiert", erklärte Prof. Dr. Kemp die Aufnahmen, die vor drei Jahren entstanden. Das Foto, das den chinesischen Satzzirkel zeige, sei "eine Verbeugung vor einer Erfindung, die in Glückstadt gemacht wurde".

Museumsdirektorin Dr. Catharina Berents verwies zudem auf die Gründungsurkunde der Druckerei, die der damalige Inhaber Andreas Koch von König Christian IV. bekam. Diese Urkunde ist eine Leihgabe des Schleswiger Landesmuseums. Zudem las sie aus einem Brief von Erik Ernst vor. Der Sohn von Jimmy Ernst bedankt sich nicht nur für die Ausstellung. Er dankt auch der Familie Augustin, dass sie so viel Menschlichkeit gezeigt habe in einer Zeit von "Finsternis und Grauen". Der Originalbrief und die Übersetzung des Briefes werden in dem Raum gezeigt, wo auch der Film läuft. "Es ist heute nicht selbstverständlich, dass wir die Perspektive aus der Sicht von Jimmy Ernst sehen", schreibt sein Sohn.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen