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Norddeutsche Rundschau

21. August 2017 | 07:17 Uhr

„Druckerei Augustin ist ein Kleinod“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gesellschaft der Bibliophilen sieht sich alte Schriften und historische, wissenschaftliche Werke an

Annette Ludwig war begeistert. Die Direktorin des Gutenberg-Museums in Mainz war mit anderen Interessierten zu Gast bei der Druckerei Augustin. Die 53-Jährige ist auch Vorsitzende der Gesellschaft der Bibliophilen. „Alle sind total begeistert“, sagte sie zu dem was, die Mitglieder der Gesellschaft der Bibliophilen sahen. „Die Druckerei Augustin ist ein Kleinod.“ Der Besuch sei wie eine Zeitreise. Denn in den Räumen der Firma stehen noch historischen Maschinen, Bleilettern in über 100 Sprachen und alte Bücher, die dort gesetzt wurden.

Sie alle bekamen eine sachkundige Führung von Artur Dieckhoff, ehrenamtlicher Mitarbeiter vom Museum der Arbeit in Hamburg. Viele Stunden hat der 68-Jährige in der Duckerei schon verbracht, viele der historischen Bleilettern und der gedruckten Bücher in einer Inventarliste aufgenommen.

Zunächst führte Dieckhoff die Besucher aus ganz Deutschland in die alte Setzerei, wo noch viele der alten Lettern lagern. Der Höhepunkt war der chinesische Zirkel, den der ehemalige Inhaber Heinrich Wilhelm Augustin Anfang der 20er Jahre erfunden hat. Fremde Alphabete zu beschaffen war damals nicht einfach, Augustin besorgte die chinesischen Schriftzeichen für das 1912 in Auftrag gegebene Werk von Prof. O. Franke über „Ackerbau und Seidengewinnung in China“ von der Presbyterian Mission Press aus Shanghai. Der Bestand an chinesischen Schriftzeichen musste 1926 für „Das Jahrbuch des Clubs chinesischer Studenten e.V., Berlin“ um 12 000 Schriftzeichen erweitert werden, die in eigens entwickelten Rund-Setzkästen abgelegt wurden.

Dieckhoff erklärte, dass die chinesischen Bleilettern im Zirkel angeordnet und mit Nummern versehen wurden. So konnte der Setzer sie im runden Setzkasten zuordnen. „800 Zeichen musste sich der Setzer merken“, scherzte Dieckhoff. „Mit 7000 macht man Abitur in China.“

Er zeigte den Besuchern einige der Schriftzeichen. „Vom Gebrauch her kann man ungefähr sagen, dass die Schrift Fang Song für die chinesische Sprache vergleichbar mit Times New Roman für die deutsche ist, Hei und STHeiti mit Arial.“ STHeiti sei schick, aber etwas schwierig, sie in Kombination mit anderen Schrifttypen zu verwenden. „Fang Song oder Song passen wunderbar mit der etwas markanteren Schrift Kai zusammen“, sagt Dieckhoff .

Ein chinesisches Schriftzeichen sei in der Regel quadratisch – Höhe gleich Breite. „Und unterschiedliche Schriftzeichen haben immer die gleiche Breite. Das gilt auch für die meisten chinesischen Interpunktion. Die Zeilenabstände, das heißt der Abstand zwischen den Zeilen eines Absatzes und nicht der zwischen zwei Absätzen, sollten Sie großzügig gestalten. Ein Abstand, der der Schriftgröße entspricht, wird nicht als übertrieben empfunden.“

Außerdem gab er den Besuchern den Ratschlag: „In einem chinesischen Text sollten Sie nichts kursiv setzen, wenn Sie auf dem Computer nicht ein Profi-Programm wie InDesign haben. Wählen Sie für die Textstellen, die Sie gerne kursiv setzen möchten, einen anderen Schrifttyp wie zum Beispiel Kai. Es gilt im allgemeinen: kein Leerzeichen hinter einem Punkt oder Komma. Das heißt unter anderem, dass ein rein chinesischer Text ohne westliche Buchstaben gar kein Leerzeichen hat. Die meisten chinesischen Satzzeichen haben die Breite eines Schriftzeichens, nur zwei Satzzeichen haben die Breite zweier Schriftzeichen. Sie sind der Gedankenstrich.“

Aus der Setzerei ging es dann in die Räume, wo die einst gesetzten Bücher stehen, die Wissenschaftler aus aller Welt in Auftrag gegeben haben. Und die Besucher durften das Archiv der „Glückstädter Fortuna“ bestaunen – die Tageszeitung wurde bis 1969 bei Augustin verlegt und dann verkauft. Unter den Besuchern war auch Peter Neumann (89). Er ist Chronist der Gesellschaft der Bibliophilen und hat in den 60er Jahren drei Jahre als technischer Leiter bei der Norddeutschen Rundschau in Itzehoe gearbeitet. „Sehr interessant“, sagte er zu dem, was er zu sehen bekam.

Mit dabei waren auch Michael und Cornelia Reimers, Inhaber der Druckerei Augustin. Auch sie beantworteten so Fragen der Gäste.

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erstellt am 22.Jun.2016 | 17:55 Uhr

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