Hobby : Drohne über Itzehoe

Vier Rotoren sorgen für den Auftrieb von Timon Lembckes Drohne.
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Vier Rotoren sorgen für den Auftrieb von Timon Lembckes Drohne.

Hobbypilot Timon Lembcke (21) lässt sein unbemanntes Fluggerät unter anderem für Fotos von Festen in die Luft steigen

Kay Müller von
14. Juli 2015, 12:00 Uhr

Die Sonne strahlt am Himmel, es weht nur ein laues Lüftchen. „Das ist perfektes Drohnen-Wetter“, sagt Timon Lembcke und klappt einen Koffer auf. Darin steckt geballte Technik, die in der „DJI Phantom 2 Vision+“ verbaut ist. Nach wenigen Minuten hat Lembcke die Drohne startklar, mit einem leichten Druck auf den Hebel seiner Fernsteuerung lässt der 21-Jährige sie in den Himmel über den Malzmüllerwiesen aufsteigen. „So in 30 Metern Höhe hat man eine ziemlich gute Sicht auf Itzehoe von oben.“

Seit einem Jahr ist Lembcke, der hauptberuflich bei den Stadtwerk en beschäftigt ist, Drohnenpilot. „Es ist noch ein Hobby, aber es darf gern mehr werden“, sagt der Itzehoer. In ganz Schleswig-Holstein gibt es nur wenige hauptberufliche Drohnenpiloten. Aber unbemannte Fluggeräte gibt es immer mehr, auch zum kleinen Preis. Und es werden immer mehr Aufstiegsgenehmigungen erteilt: 2014 waren es in Schleswig-Holstein 224, in diesem Jahr sind es laut Verkehrsministerium in Kiel schon rund 140. Zum Vergleich: 2012 waren es nur 38, 2013 genau 79.

Sobald es ein Gewerbe wird, ist eine Genehmigung der Luftfahrtbehörde erforderlich. Für die meisten Einsatzzwecke ist es möglich, allgemeine Aufstiegserlaubnisse zu bekommen. Die sind aber durch Nebenbedingungen beschränkt. „Insbesondere sind innerhalb geschlossener Ortschaften die zuständige Ordnungsbehörde oder Polizeidienststelle vorab zu informieren, und die Drohnen dürfen nicht über Menschenansammlungen, Unglücksorten und in Einsatzgebieten der Polizei und Sicherheitsbehörden betrieben werden“, sagt der Sprecher des Verkehrsministeriums, Harald Haase. Einen Führerschein brauchen Drohnenpiloten bislang nicht. Auch Lembcke will eine Aufstiegserlaubnis, denn er will mit seiner Drohne Geld verdienen – etwa mit Bildern von Veranstaltungen.

Die Leidenschaft fürs Fliegen hat Lembcke schon lange. „Ich war viel auf Festivals und habe dort fotografiert. Und irgendwann dachte ich mir: Das muss man sich doch auch mal von oben angucken.“ Für 1300 Euro kaufte sich Lembcke die Drohne, übte bei seinen Eltern in Kleve auf einem Feld. „Man braucht ein paar Tage, bis man weiß, wie es geht.“

Der 21-Jährige steuert die Drohne mit einer Fernbedienung, wie man sie von Modellautos kennt. Auf dem eingeklickten Smartphone sieht er das Bild, das die Kamera am Flugobjekt in Ultra HD liefert. „Start und Landung sind das Schwierigste. Und es ist wichtig, dass man weiß, wo bei der Drohne vorn ist, sonst fliegt man leicht in die falsche Richtung.“ Das könne vor allem in der Stadt mit hohen Gebäuden oder Türmen problematisch werden. „Dafür braucht man Übung“, sagt Lembcke. Aber einen Absturz wegen Energiemangels wird es nicht geben. „Ist der Akku leer, kehrt die Drohne automatisch an ihren Startpunkt zurück.“ Theoretisch könnte seine Drohne mehrere hundert Meter hoch fliegen, aber Lembcke will sein Fluggerät nicht aus den Augen verlieren. Deshalb fliegt er nicht höher als 150 Meter und bleibt so unterhalb der Grenze, an der der Luftraum beginnt. Wenn der 21-Jährige Feste filmt, wie kürzlich auf dem Kindertag, hat er immer einen zweiten Mann dabei, der das Gerät im Auge behält.

„Manchmal werde ich auch angesprochen: Bist du nicht der aus dem Internet?“ Denn Lembcke hat eine eigene Seite im Netz und auf Facebook, wo er seine Bilder postet. Doch er hört auch kritische Stimmen, etwa, ob er das alles auch filmen und fotografieren dürfe. In Naturschutzgebieten ist der Aufstieg von Drohnen in der Regel verboten, auch zu Nistplätzen muss Abstand gehalten werden. Und über bewohnten Gebieten muss der Drohnenpilot die Persönlichkeitsrechte der Mitmenschen und Kunsturheberrechte beachten. Auch der Datenschutzbeauftragte des Landes berichtet schon von Beschwerden.

„Ich mache das so, dass die Menschen nicht genau zu erkennen sind“, sagt Lembcke, dem es mehr um das Einfangen von Stimmungen geht. Und für alle Fälle hat er eine Haftpflichtversicherung. „Aber einen Unfall hatte ich zum Glück noch nie.“ Und am Ende hat Timon Lembcke vor allem ein Ziel: „Wenn es ein tolles Bild ist, über dass die Menschen sich freuen, dann ist auch für mich alles gut.“

> Infos: www.timeon-photography.de.

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