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Energiepolitik : Drohen dem Bund bald Strafzahlungen ?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Aus Brokdorf noch kein Antrag auf Zwischenlagerung von Abfällen aus Sellafield und La Hague gestellt. Aus Eon Kernkraft wird im Sommer wieder Preußen Elektra.

Während seit Monaten über eine Zwischenlagerung zusätzlicher radioaktiver Abfälle am Standort Brokdorf diskutiert wird, scheint der gesamte Zeitplan jetzt ohnehin ins Rutschen zu kommen. Wie Kraftwerksleiter Uwe Jorden gestern im Gespräch mit Vertretern aus Politik und Verwaltung im Rahmen der „Brokdorfer Redezeit“ mitteilte, habe Eon Kernkraft bislang noch keinen Genehmigungsantrag auf die vorübergehende Einlagerung von Atommüll aus Wiederaufarbeitungsanlagen in Sellafield und La Hague gestellt. Ab 2018 ist der Bund verpflichtet, die in Glas eingeschweißten Abfälle zurückzunehmen. „Das wird verdammt knapp“, sieht Jorden das nach seinen Erfahrungen mit der Zeitdauer von Genehmigungsverfahren eher skeptisch. Er betonte, dass die Energieversorger in einem Gespräch im vergangenen Jahr mit den politisch auf Bundesebene Verantwortlichen lediglich zugesichert hätten, dass man die Möglichkeit prüfen wolle. Anschließend sei Brokdorf dann als Standort genannt worden. Diese Prüfung aber, so Jorden, sei noch längst nicht abgeschlossen. Sichtlich verwundert meinte er: „Was sonst so diskutiert wird, weiß ich nicht.“ In jedem Fall müsse sich eine solche Einlagerung für die Kraftwerksbetreiber von der Genehmigung her, aber auch wirtschaftlich darstellen lassen. „Was das betrifft, werden wir diesmal besonders genau aufpassen.“ Der CDU-Bundestagsabgeordnete Mark Helfrich hatte die Ausführungen mit Interesse verfolgt. Wenn die Rücknahme des Atommülls nicht im vereinbarten Zeitraum erfolgt, seien, so befürchtet er, Strafzahlungen fällig, für die dann der Bund als Vertragspartner gerade stehen müsse.

Auch wenn eines Tages doch Genehmigungsanträge aus Brokdorf kommen, könnten die längst einen neuen Briefkopf haben. Wie Uwe Jorden ankündigte, wird im Sommer aus Eon Kernkraft wieder Preußen Elektra. „Zurück zu den Wurzeln“, spielte er darauf an, dass das Kraftwerk bereits einmal unter diesem Namen firmierte. Die Umbenennung werde dann für die Anlagen in ganz Deutschland gelten, was man insbesondere in Bayern, wie Betriebsreferent Hauke Rathjen dazu anmerkte, nicht gerade mit Begeisterung aufgenommen habe. Vor 16 Jahren waren die Preußen Elektra und die Bayernwerk AG zur Eon Energie fusioniert.

Ansonsten zog Uwe Jorden eine positive Bilanz eines reibungslosen Betriebsjahres 2015. Immerhin kamen aus Brokdorf im vergangenen Jahr 40,2 Prozent des gesamten in Schleswig-Holstein erzeugten Stroms. Der Anteil der erneuerbaren Energien liegt nur knapp darüber. Einziger Wermutstropfen: Man hätte noch deutlich mehr Energie produzieren können, wenn man denn gedurft hätte. Um die Netzstabilität nicht zu gefährden, habe man die Anlage regelmäßig drosseln müssen – immer dann nämlich, wenn zu viel Strom aus regenerativen Quellen in die Leitungen drängte. Jorden rechnet damit, dass dieser Trend sich in den nächsten Jahren weiter verstärken werde. Ob Brokdorf unter diesen Umständen bis zur endgültigen Abschaltung am 31. Dezember 2021 wirtschaftlich zu betreiben ist, konnte der Kraftwerksleiter allerdings nicht vorhersagen. Immerhin verdient der Betreiber auch Geld, wenn weniger Strom erzeugt wird. Eon bekommt für die Bereitstellung eine Entschädigung.

Als nach wie vor erheblichen Kostenfaktor nennt Jorden die Brennelementesteuer. Seit der Einführung im Jahre 2011 sei ein „hoher dreistelliger Millionenbetrag“ an den Bund abgeführt worden. Zum Vergleich führt Hauke Rathjen das Klinikum Itzehoe als größten Steinburger Arbeitgeber mit einem Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro an. Ansonsten lief laut Jorden im Kraftwerk alles nach Plan. Am 11. Juni werde die Anlage wieder für 23 Tage heruntergefahren – für die alljährliche Revision.

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erstellt am 08.Apr.2016 | 12:18 Uhr

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