Drogendeals auf der Straße

Bewährungsstrafe für 37-jährigen Itzehoer

shz.de von
07. Januar 2015, 05:00 Uhr

Regelmäßige Treffen auf der Straße für Gespräche über Tätowierungen? Und das im Winter? Das glaubte das Schöffengericht am Amtsgericht nicht. So verurteilte es gestern einen 37-jährigen Bauhelfer aus Itzehoe wegen des gewerbsmäßigen Handels mit Drogen zu einer Bewährungsstrafe von 21 Monaten.

Bis zu diesen Vorfällen war der Itzehoer unbescholten. Doch zwischen Februar 2013 und Februar 2014 verkaufte er jeweils 50 bis 75 Gramm Marihuana für 7,50 Euro pro Gramm an einen 27-jährigen berufslosen Itzehoer. Bei einer weiteren Tat waren es 100 Ecstasy-Tabletten, 90 davon verkaufte der Kleindealer sogleich weiter an eine Kundin. Die aber war eine Kriminalbeamtin aus Kiel, die als Lockvogel eingesetzt war.

Zudem überwachte die Kripo das Telefon des 27-Jährigen, hörte 4000 Gespräche mit. Meist ging es um Drogengeschäfte. Auch mit dem Angeklagten telefonierte der Itzehoer dabei, immer wieder verabredeten sie kurze Treffen auf der Straße. Gut 30 Abnehmer des Kleindealers wurden so ermittelt, am 17. Februar 2014 nahm ihn die Kripo fest. Aus Angst vor einer Haftstrafe suchte er das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft. Gegen Strafminderung verriet er seine Dealer, darunter den angeklagten Itzehoer. Die Kripo kam zur Hausdurchsuchung und fand eineinhalb Ecstasy-Tabletten sowie eine winzige Menge Amphetamin. Das müsse ein Gast bei einer Party vergessen haben, sagte der Bauhelfer. Und der Zeuge wollte von seinen Aussagen nichts mehr wissen: Der Staatsanwalt habe ihn unter Druck gesetzt und mit vier Jahren Haft gedroht, völlig durcheinander sei er gewesen und habe zudem unter Drogen gestanden.

Wahr sei, dass er Tätowierer werden wollte. Deshalb, so der 27-Jährige, habe er sich mit dem von Tattoos begeisterten Bauhelfer häufiger auf der Straße getroffen, um Bilder zu besprechen. Das sei wenig glaubhaft, befand der Vorsitzende Richter Dominik Mardorf in seiner Urteilsbegründung und folgte dem Antrag von Staatsanwalt Klaus Dwenger. Zudem ordnete er an, dass 3300 Euro an die Staatskasse zu zahlen sind. Denn in dieser Höhe bewegten sich die Gewinne, die der Angeklagte aus den Drogengeschäften erzielt hatte.

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