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Herbstmanöver im Kreis Steinburg : Dreimal „Hurra“ für Kaiser Wilhelm I.

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

1881 standen Itzehoe und das Lockstedter Lager für wenige Tage im Zentrum des Deutschen Reiches: Der Kaiser besuchte das Herbstmanöver und wohnte in der Störstadt.

1881 steht Itzehoe und das damalige Lockstedter Lager im Zentrum des Deutschen Reiches – seine Majestät, Kaiser Wilhelm I., hält sich für mehrere Tage in der Region auf. Der Monarch inspiziert vom 11. bis 16. April das neunte Armeekorps beim „Kaisermanöver“. Wilhelm I. kommt mit Sohn und Enkel (den späteren Kaisern Friedrich III. und Wilhelm II.) und großem Gefolge. Preußens Elite – Generäle und Minister, Hofbeamte, Diplomaten, Prinzen und Fürsten – und 150 ausländische Offiziere bietet den staunenden Bürgern ein farbenfrohes Spektakel. Im Gepäck hat der Herrscher neben Geschirr und Möbel für die Empfänge und Gelage auch sein eisernes Feldbett, das er auf Reisen stets dabei hat.

Schon Monate vor dem Großereignis berichten die Itzehoer Nachrichten von dem Ereignis und stellen extra einen Sonderberichterstatter ein. „Die Itzehoer Nachrichten werden versuchen, der Bedeutung der Stadt Itzehoe, die während einer kurzen Zeit kaiserliche Residenz sein wird, zu entsprechen und sie werden gleichzeitig damit ihren Lesern einen Dienst erweisen, indem sie es ihnen ermöglichen, über das Leben und Treiben in der Stadt, sowohl in Bezug auf des Kaisers arbeitsvolle, als auch auf dessen festliche Seite, einen guten Überblick zu geben. Es ist von uns ein besonderer Spezial-Berichterstatter gewonnen worden, der schon einige Zeit vor den Manövertagen hier eintreffen und mit seinen Berichten anfangen wird.“ Und weiter heißt es: „Durch seine besonderen Verbindungen in militärische Kreise und längere Erfahrung in derartiger Berichterstattung ist er im Stande, sowohl über den Verlauf des Manövers und die militärischen Angelegenheiten, als auch über die Vorgänge am zeitweiligen Hof in Itzehoe und über die Festlichkeiten interessant zu berichten.“

<p>Kaiser Wilhelm I.</p>

Kaiser Wilhelm I.

Foto: sh:z

Bereits im Januar des Jahres gibt es in der Region erste Gerüchte, dass der Kaiser zum Herbstmanöver kommen will. Die Rahmenbedingungen in der Region um Itzehoe stimmen. Unterkünfte für die Soldaten sind genügend vorhanden: für Offiziere 330 sowie für Mannschaften 1500. Außerdem kann für eine kurze Dauer Stallraum für 3000 Pferde zur Verfügung gestellt werden.

Die hochherrschaftlichen Herren und Frauen werden standesgemäß untergebracht: So wohnt Prinz Friedrich mit Gefolge auf Schloß Breitenburg. Allerdings reicht das bescheidene Anwesen nur für das Prinzenpaar aus. „Das Schloß ist nicht besonders groß und hätte für das Hoflager Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin bei weitem nicht ausgereicht. Deshalb hat das Kaiser¬paar das Anerbieten des Herrn Charles de Vos, dessen geräumige Villa (Westerhof) zu beziehen, angenommen“, heißt es in der Zeitung. Der Itzehoer de Vos zählt damals zu den großen Industriellen in Itzehoe, er eröffnete 1840 an der Wallstraße eine Zuckerfabrik mit Dampfbetrieb. Für die Fortbewegung der hochrangigen Besucher sorgt der königliche Marstall zu Berlin: 100 Wagen- und Reitpferde nebst Ausstattung werden nach Itzehoe entsandt.

Für den Empfang bildet sich extra ein Festkomitee, dass den gesamten Ablauf festlegt. Geregelt ist auch, wer den Kaiser am Bahnhof empfängt: Oberpräsident Steinmann, Landtagsmarschall Graf zu Rantzau, Landrat von Harbou, Kirchenpropst Hasselmann, Pastor Flor, Bürgermeister Stemann, Stadtverordnetenvorsteher Stinde, Amtsgerichtsrat Tadey, Oberzollinspektor Glindemann und Postdirektor Lorenzen. Die Einwohner müssen auch ihren Teil zum Empfang beitragen. Das Festkomitee fordert die Bürger öffentlich auf, „in einer der hohen Bedeutung der kommenden Tage entsprechenden Weise ihre Häuser festlich zu schmücken und ihre Häuser zu erleuchten“. Das Komitee erwartet auch, „dass das festliche Kleid, welches die Stadt tragen wird, ein beredtes Zeugnis für die allgemeine Liebe unserer Bevölkerung zu unserem erhabenen Monarchen ablegen wird“. Auch für Extra-Sauberkeit wird gesorgt. Im Wege einer Polizeiverordnung wird veranlasst, dass während der Zeit des Kaisermanövers die Straßen täglich vor 6 Uhr morgens gereinigt werden müssen.

Das Manöver des neunten Armeekorps beginnt am 12. September mit der Abnahme der Truppenparade gegen 11 Uhr. Zahlreiche Neugierige finden sich ein, um die Heerschau und den Kaiser zu beobachten. Darunter auch Feldwebel Pahl. Er hat sich vor der von ihm bewohnten Kantine mit seinen Töchtern aufgestellt, „die in ihren schmucken Kleidern Seiner Majestät sofort in die Augen fallen. Den jubelnden Willkommensgruß erwidert der Kaiser wiederholt und winkt dem Feldwebel Pahl mehrmals grüßend mit der Hand zu“.

Am Ausgang der Wörthstraße/ Podbielski Allee (Einmündung Birkenallee-Kieler Straße) besteigt Wilhelm I. sein Pferd „Gladiator“ und nimmt den Frontrapport entgegen. Sämtliche Truppen beider Treffen rufen dreimal „Hurra“, dann erklingen die Präsentiermärsche, gespielt von den Trompeterkorps. Der Kaiser verfolgt bis zum Ende die Operationen der Truppen mit „größter Aufmerksamkeit“ und soll sich auch über die Leistungen des neunten Armeekorps in höchst befriedigender Weise geäußert haben.

Das militärische Geschehen auf den Feldern ergänzt ein glanzvoll inszeniertes gesellschaftlich-kulturelles Programm: Essen bei Charles de Vos, Empfang im Prinzesshof, Visite auf Schloß Breitenburg, als Höhepunkt ein Galadiner im Ständesaal. So erlesen wie die Gäste sind die Speisen. Vom Feinsten auch die Tafelmusik: nach dem „Preußen-Marsch“ Melodien von Gounod, Verdi, Johann Strauß, Richard Wagner, Carl Maria von Weber. Weitaus weniger erhebend freilich verläuft der Theaterabend, zu dem in die „Tonhalle“, eines der renommierten Lokale der Stadt mit großem Saal (später Baumanns Gesellschaftshaus), eingeladen wurde. Zwar ist, wie die Itzehoer Nachrichten beobachten, „zu der Festvorstellung außer den fremdländischen Officieren ein ziemlich zahlreiches Publicum erschienen“. Jedoch wird die Aufführung, bedauert der Berichterstatter, „von Sr. Majestät und Allerhöchst seinem Gefolge nicht besucht“, was aber, heißt es zur Entschuldigung gleich weiter, „in Anbetracht der großen Anstrengungen, welche die letzten Tage gebracht, sehr wohl zu begreifen ist“. Der mit so viel Glanz und Gloria verbundene Besuch Wilhelms I. fand Beachtung weit über die Landesgrenzen hinaus. Während der „Kaisertage“, bilanzierten die Itzehoer Nachrichten, sei Itzehoe „zur Weltstadt“ geworden. Als Logis des Kaisers im Mittelpunkt der „Weltstadt“ stand der Westerhof von Charles de Vos. Für den generösen Gastgeber kam sieben Jahre später aus Berlin das adelnde „von“.

 

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erstellt am 24.Apr.2017 | 16:03 Uhr

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