zur Navigation springen

Nach Raubüberfall : Drei Täter jetzt vor Gericht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Um Drogenschulden zu bezahlen, überfielen die Männer eine Spielhalle in Lägerdorf. Sie hatten sich aus Unterhosen hergestellte Masken über den Kopf gezogen. Heute fällt vor dem Landgericht das Urteil.

Wurden zwei der vier Täter zum Überfall auf die Spielhalle in Lägerdorf gezwungen ? Der Haupttäter, ein 46-jähriger Türke aus Itzehoe, fehlt beim vor dem Landgericht geführten Hauptverfahren. Er hat sich abgesetzt und ist für die Justiz derzeit nicht greifbar. Seine drei Komplizen aber sind vollauf geständig.

Da ist zum einen der Jüngste, ein 23-jähriger Itzehoer. Er lebt im selben Mietshaus wie einst der Türke und war so etwas wie dessen Fahrer. Die beiden anderen Angeklagten sitzen seit dem 27.Juli in der Justizvollzugsanstalt Neumünster ein. Sie sind 32 und 24 Jahre alt, lebten bis letzten Sommer seit längerem in einer Therapieeinrichtung für Drogen- und Spielsüchtige in Wilster. Dort ging es offenbar locker zu, denn beide kifften fleißig, bekamen dazu starke Medikamente auf Rezept.

Ihr Marihuana bezogen sie von dem Türken, erst gegen Bares, und als sie kein Geld mehr hatten auf Kredit. Dann machte der Türke Druck, verlangte die inzwischen aufgelaufenen Schulden von zusammen 500 Euro von den beiden Suchtkranken zurück. Doch wie zahlen, wenn man nichts hat. Der Türke schlug Straftaten vor, sie sollten einen Brand in Hamburg legen oder einen älteren Dealer aus Neuendorf-Sachsenbande „abziehen“, ihm Drogen und Geld stehlen. Kämen sie nicht in die Hufe, würde er ihnen die Russen-Mafia schicken.

Einmal seien der Türke und sein Fahrer mit ihnen auf ein Feld gefahren. Extreme Angst habe man da gehabt, das es jetzt Prügel gibt, berichteten die beiden Suchtkranken. Schließlich kam man auf die Spielhalle. Der Türke und der Fahrer kannten die Halle in Lägerdorf, ebenso wie die damalige Freundin des Türken, eine 35-jährige Tschetschenin aus Itzehoe. Die beiden Suchtkranken kifften sich zu, nahmen starke Beruhigungsmittel. Dann fuhr das Quartett am Abend des 20.Juli 2013 zur Spielhalle in Lägerdorf. Aus langen Unterhosen hatte man zwei Masken gefertigt. Der Türke blieb im Auto, weil man ihn in der Halle kannte, der jüngere Suchtkranke ebenfalls. Er hatte damals einen Bandscheibenvorfall.

So zogen der Fahrer und der 32-Jährige die Masken über, der Fahrer bewaffnet mit einem Deko-Samuraischwert, der Suchtkranke mit einem Klappmesser. Während der Fahrer vorm Tresen stehenbleibt und schwer staunt, als er die Freundin des Türken an einem der Spielautomaten erkennt, springt der 32-Jährige über den Tresen und zwingt die 53-jährige Spielhallenausfsicht mit vorgehaltenem Messer zur Geldherausgabe, auch aus dem Tresor. Man erbeutet 2636 Euro, teilt die Beute später in der Wohnung des Fahrers. Die Süchtigen zahlen ihre Schulden beim Türken und ziehen um nach Rostock.

Ein ehemaliger Mitbewohner der Wilsteraner Einrichtung verrät alle bei der Polizei. Mit Sondereinsatzkommandos werden drei der vier Täter am 26.Juli festgenommen. Während der Fahrer frei bleibt, gehen die Suchtkranken in Haft. Der Fahrer hat mit dem Opfer bereits einen Täter-Opfer-Ausgleich geführt, zahlt ihr 500 Euro Schmerzensgeld. Auch die beiden Suchtkranken bereuen und entschuldigen sich bei der Frau. Die nimmt die Entschuldigung an, arbeitet weiter in ihrem Job. Für heute wird das Urteil erwartet.

 

zur Startseite

von
erstellt am 17.Jan.2014 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen