zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 14:47 Uhr

Filmprojekt : Drehstart für neuen Heide-Krimi

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zweiter Kinofilm aus Dithmarschen in Arbeit: Nach „Gefällt mir“ produziert Michael David Pate im 50er-Jahrestil in Heide mit 30 Amateur-Schauspielern.

shz.de von
erstellt am 18.Nov.2014 | 16:53 Uhr

Heide | Ganz lässig steht Daniel Voß an der Bar mit Whisky und Zigarette. Er zieht seinen Hut etwas tiefer. Seine Augen begutachten verwegen den Gastraum im Restaurant „Wasserturm“. Sein Blick trifft sich mit den Gästen an den Tischen, bei denen der Mann im 50er-Jahre-Trenchcoat längst für Aufmerksamkeit und Geflüster sorgt. Der Auslöser mehrerer Fotokameras klickt und in Sekundenbruchteilen verwandelt sich der 30-jährige Hobby-Theaterspieler aus Burg in den Hauptdarsteller im neuesten Kinofilm-Projekt mit Produzent Michael David Pate und Regisseur Michael Lütje.

Nachdem der Thriller „Gefällt mir“ Dithmarschens Kreisstadt und umliegende Drehorte in diesem Jahr zum Schauplatz eines schaurigen Internet-Serientäters werden ließ, laufen jetzt die Dreharbeiten zu einem neuen Streifen an. Der Film „Gefällt mir“ lief deutschlandweit in den Kinos und holte auf dem Genrefilm-Festival „Cinestrange“ in Braunschweig den ersten Platz. Nun folgt das zweite Großfilm-Projekt, mit dem Michael David Pate den deutschen Kinofilm von Dithmarschen aus aufmischen könnte.

Die Stimmung bleibt düster und setzt auf noch mehr Kontrast: Die Dithmarscher Filmemacher rund um das Projekt Kino haben sich für 2015 einen „Film noir“ vorgenommen. Das Genre stammt aus den 40er bis 60er Jahren, wurde in Schwarz-Weiß und mit weniger Technik als heute üblich gedreht und stand ganz im Zeichen der Nachkriegszeit mit zynischer Kriminalistik und umwerfend schönen Frauen mit zwielichtiger Vergangenheit und verführerischem Wimpernaufschlag.

Zu diesem Film der alten Schule wollen die Heider Filmemacher zurück und einen Hauch Humphrey Bogart in die Gegenwart holen. Geschichte und Drehbuch gibt es schon. „Anfang Dezember werden wir loslegen“, kündigt Michael Lütje an. Der Herbst und Winter sei ideal um einen „Film noir“ zu drehen. Das zeigte sich schon Sonntag. Die Pflastersteine vor dem Restaurant „Wassertur“ schimmerten nass im Licht der Laternen und boten eine düstere Atmosphäre – ideal die Fotos auf den Kinoplakaten.

Daniel Voß hat beim Casting Ende Oktober die Rolle des Clemens abbekommen: Ein 40-jähriger Privatdetektiv, der als Polizist kläglich gescheitert ist und auch als Detektiv ein mittelmäßiges Dasein fristet – bis ihn eines Tages die bildhübsche und geheimnisvolle Fiona (Hannah Olbert) und die erfolgreiche Geschäftsfrau Stefanie in einen lukrativen Fall verwickeln.

Der Film spielt in der heutigen Zeit. „Man wird sich wundern, dass Leute mit Hüten durchs Bild laufen“, verrät der Regisseur. Die Requisiten kippen immer wieder in der Zeit, so der Plan. Lütje freut sich besonders auf eine Szene, in der ein alter Opel Rekord aus den 50ern einen neuen Porsche überholen soll. Diese Szene möchte er sich, wenn alles nach Plan läuft, zur Premiere im Frühsommer im historischen Kino im Dithmarscher Landesmuseum ansehen.

Doch bis es soweit ist, steht für die Filmemacher noch ein gutes Stück Arbeit an. Für den Dreh der „Hardboiled Crime Story“, wie der Arbeitstitel bislang lautet, hat Lütje nur 15 Drehtage angesetzt. Ein hochgestecktes Ziel für 30 Amateurschauspieler, die nebenbei berufstätig sind, findet auch Pate und rät, eine Woche dazuzugeben.

Filmisch wird der No-Budget-Film einfach gehalten sein und sich an der damaligen Technik orientieren. „Wir wollen so wie früher auch tricksen“, sagt Lütje. So könnte eine Autofahrt im stillstehenden Wagen gedreht sein, während vor den Fenstern unscharf die Landschaft auf eine Leinwand projiziert vorüberzieht.

Auch für die Schauspieler bedeutet das Genre „Film noir“ eine Umstellung. Daniel Voß, der als Theaterschauspieler gerne mit den Armen agiert, hat sich vorgenommen weniger zu gestikulieren und dafür ein ausdrucksstarkes Gesicht aufzusetzen. In dieser Filmgattung mache ein Schauspieler oft eine ganze Szene lang nichts anderes als einmal die Augen zu verdrehen. Michael David Pate beobachtet ihn dabei: „Ich will Freiräume schaffen, damit Leute wachsen können“, beschreibt er seine Rolle im Team mit Schauspielern, die zum Teil erstmals vor der Kamera stehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen