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Brandschutz : Drehleiter nimmt die erste Hürde

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bauausschuss winkt 650 000 Euro teure Anschaffung für die Feuerwehr in Wilster durch – auch weil es der Gesetzgeber so vorschreibt

Allein am Markt stehen sieben Gebäude, bei denen im Notfall Menschen nur noch mit einer Drehleiter gerettet werden könnten – jedenfalls innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfrist von zehn Minuten. Zahlreiche weitere Häuser im Stadtgebiet übersteigen die Möglichkeiten der nur gut zwölf Meter langen vorhandenen Schiebeleiter zum Teil bei weitem. Weil entsprechend ausgestattete Fahrzeuge der Feuerwehr Itzehoe oder Brunsbüttel nicht rechtzeitig vor Ort sein können, kommt auf die Stadt und ihre freiwillige Feuerwehr nun die bislang wohl größte Fahrzeug-Investition zu. Letztlich ließ auch die beim Kreis angesiedelte Feuerwehraufsicht keinen Zweifel an der Notwendigkeit für ein solches Rettungsgerät. Die gesetzlichen Vorgaben erstickten denn auch im Bauausschuss jede mögliche Diskussion über das Thema schon im Keime. Die Ausgabe in Höhe von voraussichtlich 650  000 Euro wurde einstimmig durchgewunken, womit die Drehleiter die erste kommunalpolitische Hürde ohne großen Anlauf genommen hat.

Im Vorfeld hatte sich die Feuerwehr mit den Angeboten verschiedener Hersteller vertraut gemacht. Gleich zweimal wurden Drehleitern im Stadtgebiet auf ihre Tauglichkeit und ihre Einsatzmöglichkeiten getestet. Zur Diskussion stand neben einem fabrikneuen Fahrzeug auch eine gebrauchte Drehleiter. Allerdings schlägt selbst ein 23 Jahre altes Gerät noch mit fast 100  000 Euro zu Buche – bei einer geschätzten Nutzungsdauer von nur noch sieben Jahren. Aus wirtschaftlichen Gründen entschied man sich schließlich für ein neues Fahrzeug – auch weil nur dann entsprechende Fördergelder in vollem Umfang ausgeschöpft werden können. Und das ist nicht wenig: Die Stadt kalkuliert mit einer Sonderbedarfszuweisung aus Kiel in Höhe von bis zu 365  000 Euro. Hinzu kämen 220  000 Euro aus der Feuerschutzsteuer. Am Ende käme Wilster für einen Eigenanteil von nur noch 65  000 Euro in den Genuss der vorgeschriebenen Drehleiter.

Mitglieder der Feuerwehr mit dem stellvertretenden Wehrführer Jan Auhage an der Spitze, verfolgten die Entscheidung im Bauausschuss mit größtem Interesse. „Wir freuen uns schon darauf“, sagte Auhage, der sich auch einen weiteren Motivationsschub für die freiwilligen Helfer erhofft. Auhage ließ allerdings auch keinen Zweifel daran, dass mit der Anschaffung eine Menge Arbeit verbunden ist. So müssten Feuerwehrleute für den Umgang mit einer solchen Drehleiter speziell geschult werden. „Da kommt enorm viel Arbeit auf uns zu“, weiß er. Auch die Folgekosten seien nicht zu unterschätzen. Gerechnet wird mit jährlich rund 1000 Euro für die Unterhaltung. Alle zehn Jahre werden allerdings 35  000 Euro fällig, wenn bei einer großen Inspektion auch alle Hydraulikschläuche ausgetauscht werden müssen.

Schon der Papierkrieg für die Anschaffung einer Drehleiter kostet 5000 Euro. So viel Geld bekommt allein die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein, die mit der Ausschreibung betraut wird. Die Verwaltung geht allerdings davon aus, dass die Ausgaben für eine zentrale Beschaffung durch günstigere Angebote mehr als wett gemacht werden. Die Ausschreibung soll jetzt möglichst schnell erfolgen. Die kompletten 650  000 Euro werden im Nachtragsetat der Stadt als Verpflichtungsermächtigung für das nächste Jahr eingeplant. Liegen die Angebote vor, kann Bürgermeister Walter Schulz den Auftrag an den günstigsten Anbieter vergeben. Offen ist jetzt nur noch das abschließende Votum der Ratsversammlung, was nach den Vorgaben und der Empfehlung im Bauausschuss aber reine Formsache sein dürfte.

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erstellt am 22.Jun.2016 | 16:11 Uhr

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